Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1872)
- Date
- 1872-01-09
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
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**"&***£-*'-? '£jiP %s, 1,7,^ und ihn mit sich selbst versöhnen kann, dann halte ich es für unerläßlich, daß der jüdische Liberalismus sich mit dem christlichen vermähle und verschmelze. Schon seit lange rechne ich auf diese Verbindung; ich erhoffe sie mehr als jemals, seitdem ich ringsum die Orthodoxen den Kampf fliehen oder die Waffen niederlegen sehe. Sie wissen jetzt, Herr Großrabbiner, zu welchem Lager ich gehöre, und werden begreifen, wie ich den Verfall des jüdischen Volkes einen unabänderlichen, nicht wieder gut zu machenden (irrsmissiblo) nennen konnte, ohne ihn für unheilbar (irrdm^diable) zu erklären." Wir wollen zunächst einige Nebensachen mit Herrn Rahlenbeek abmachen. Es ist kein günstiges Zeichen für ihn, daß er schließlich zu einem sophistischen Unterschiede zwischen irrömissible und irrdmddiable seine Zuflucht nehmen muß, zwei Ausdrücken, die doch nur Synonyme sind. Jndeß verdeckt dieses Hilfsmittel wohl nur die Rücknahme seines Ausspruchs über den „Verfall" des jüdischen Stammes, dem er einige Zeilen vorher Anerkennung und Achtung für sein treues Festhalten an der Fahne des Monotheismus widmet. Demjenigen, der dies während „langer Jahrhunderte" zu vollbringen vermochte und von dem man noch immer Bedeutendes erwartet, kann man doch wohl ebenso wenig einen unabänderlichen, nicht wieder gut zu machenden, wie einen unheilbaren Verfall zuschreiben. Wenn ferner Herr Rahlenbeek die Orthodoxie fliehen und ihre Waffen niederlegen sieht, so müffen wir bekennen, daß er mehr und andere Dinge sieht, als die meisten übrigen Menschen. Die Ultramontanen aller Confessionen sind gegenwärtig weder auf der Flucht, noch haben sie die Waffen niedergelegt: sie rücken vielmehr, und zwar insgeheim vereint — die Ultramontanen unter Katholiken, Protestanten und Juden — in der ganzen Schlachtlinie vor. Wir glauben zwar auch nicht, daß ihre Streitkräfte so stark sind wie ihr Geschrei; aber was ihnen noch zu Gebote steht, führen sie ins Feld. Endlich wollen wir mit Herrn Rahlenbeek nicht über die historische Treue in der Anwendung des Ausdruckes „sadducäischer Geist" rechten. Alles dies sind Nebendinge; die Hauptsache, in welcher Herr Rahlenbeek nicht für sich allein, sondern in Vertretung der großen liberalen Partei spricht, ist folgende. Man erkennt in dem Monotheismus, überhaupt in dem Lehrinhalt des Judenthums, die Universalreligion, welche allein den Menschen zu befriedigen, ihn mit allen andern Menschen und mit sich selbst zu versöhnen vermag. Man glaubt, dahin werde der christliche Liberalismus ausmünden, aber seine feste Grundlage werde er erst dann erlangen, wenn der jüdische Liberalismus sich in diesem Puncte mit ihm vereinigt haben wird. Man verlangt daher von den Juden,' daß sie den Begriff einer jüdischen Nationalität im engeren und weiteren Sinne aufgeben, also von ihrem Cultus Alles abstreifen sollen, was irgend den Charakter des Specifischen an sich trägt. Man sieht daher als feindlich alles dasjenige an, was die Juden noch als gesonderte Körperschaft, als für sich bestehende, von ihrer Geschichte durchdrungene und in ihrer bisherigen geschichtlichen Erscheinung beharrende, wenn auch sich entwickelnde Gemeinsamkeit kennzeichnet, und betrachtet diejenigen als gefährliche Gegner, welche das specifisch-religiöse, als noch gefährlichere diejenigen, welche das nationale Bewußtsein mit mehr oder weniger Nachdruck oder gar Leidenschaftlichkeit zu erhalten streben. Dies ist der Kern der Sache, und man wird zugestehen, daß es sich hier nicht um Borurtheil, Animosität und Persönlichkeiten handelt, sondern um eine große humanitäre und religiöse Frage, um eine ganz allgemeine Aufgabe, welche die höchsten culturhistorischen und menschheitlichen Ziele zum Inhalte hat. Es handelt sich hierbei um die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unserer Religion und der ganzen Menschheit. Wir werden uns erinnern, daß seit mehr als einem Menschenalter unsere Canzeln, wie unsere Literatur von der „Mission des Judenthums", von seiner Bestimmung für die ganze Menschheit, von seinem universellen Charakter wiederhallen; und da man nun von anderer Seite her daran zu glauben beginnt und in diesem Sinne Forderungen stellt, dürfen wir nicht achselzuckend. oder mit leichten, oberflächlichen Worten daran vorübergehen. Wir wollen es daher versuchen, diesem Aufrufe einer großen Partei, die sich auch in Deutschland, wie wir schon bemerkten, meist in nicht zarter und wohlwollender Weise geäußert hat, zu antworten und den Gegenstand, so viel wir vermögen, in ein helleres Licht zu setzen. (Schluß folgt.) Die «oachidischen Gesetze. In der Gemara Sanhedrin 56, .1 heißt es: i'sri afr üwn niim i^-"! ra inasw ms» ynü ■pni pnn va "öki bui trm nime-w rmS? *py»- Es werden also sieben Gesetze aufgeführt, welche für