Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1872)
- Date
- 1872-01-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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vinzen die höheren Lehranstalten in bei Weitem höherem Maße benutzten, als die Mitglieder der anderen Religionsgesellschasten. Während in der Gesammtheit der acht Provinzen je ein Gymnasial- oder Realschüler auf je. 236 evangelische und 419 katholische Einwohner kommt, kommt schon auf 40 jüdische je ein solcher Schüler. 9n Posen beträgt diese Zahl freilich nur 60, aber in Westphalen noch weniger, nämlich 65, und in Rheinland gar nur 73, während sie andererseits in Schlesien wieder kleiner ist, als sogar in jeder anderen Provinz des Staates, nämlich 26, also fast 11 Mal.kleiner als bei den evangelischen, und über 18 Mal kleiner als bei den katholischen Schlesiern. Anders ausgedrückt: In Schlesien werden die . höheren Lehranstalten von jüdischen Schülern verhältnißmäßig fast 11 Mal so stark als von evangelischen, und über 18 Mal so stark als von katholischen Schülern besucht, während in der Gesammtheit der acht Provinzen, der betreffende Schulbesuch von Seiten der jüdischen Schüler verhältnißmäßig um fast 6 und respective über 10 Mal so groß ist, als von Seiten der evangelischen und katholischen Schüler. Diesem so starken Schulbesuche durch die jüdischen Schüler verdankt Posen bei der verhältnißmäßig großen Zahl seiner jüdischen Einwohner es allerdings, daß seine höheren Lehranstalten eben so besucht sind wie die rheinischen, und stärker als die westfälischen. Denn ließe man die jüdische Bevölkerung und die jüdischen Schüler ganz außer Berechnung, so würden in Posen erst auf 352, in Westphalen aber schon auf 328 und im Rheinland auf 300 christliche Einwohner ein Gymnasial- oder Realschüler kommen. In Schlesien dagegen ist es anders; da würde diese Zahl sich auf 355 erhöhen, so daß also zwar die jüdischen, nicht aber die christlichen Bewohner Schlesiens in dieser Beziehung ihren respectiven Religionsgenossen in Posen voranstehen." Berlin, 22. December. (Privatmitth.) Die neue Richtung, welche die kirchlichen Angelegenheiten in jüngster Zeit endlich auch in Preußen nehmen, bringt mancherlei überraschende Erscheinungen zu Wege. Bekanntlich waren nach dem bisherigen Schulgesetze die Geistlichen die geborenen Ortsschulinspectoren, und somit standen auch die jüdischen Schulen unter der Inspektion der christlichen Geistlichen. Man wird sich erinnern, welch einen langen Kampf es kostete, als einige jüdische Gemeinden, z. B. Rakel, ihren Rabbiner zum Schulinspector haben wollten. Die Sache mußte bis vor das Abgeordnetenhaus gebracht werden. Jetzt hat nun derselbe Unterrichtsminister, der so lange Zeit dieser Forderung Widerstand leistete, einen Gesetzentwurf eingebracht, wonach die Schulinspection nicht mehr mit dem christlich geistlichen Anrte verbunden sein, sondern es dem Staate völlig freigestellt sein solle, wen er als Schnlinspector einsetzen wolle. Berlin, 25. December. (Privatmitth.) Abermals ist ein Rechtsgelehrter jüdischer Religion zum Kreisrichter befördert worden, nämlich der Assessor Birnbaum aus Geuthin in Stuhm (Prov. Preußen). Hamburg, iw Dec. (Privatmitth.) Am jüngsten Chanukkahfeste feierten 350 der orthodoxen Richtung angehörige Glaubensgenossen ein Fest in einem öffentlichen Locale, indem vorgeschützt wurde, es gelte die 2000-jährige Feier. Dies ist unrichtig, da das Chanukkahfest 164 vor der gew. Zeitr. eingesetzt worden ist, also jetzt 2035 Jahre verflossen sind. Das Fest, mehr humoristisch als ernst, verlief sehr stürmisch; wiederholte Prügeleien — der Festredner nannte sein Publicum „Pöbel" und gab einem Nahestehenden, eine... Ohrfeige u. dgl. m. — machten das Fest zu einem wahrhaften Skandal. Hiesige Blätter bringen ausführliche Beschreibungen. Altona, 8. December. Gestern verschied Hierselbst, 73 Jahre alt, nach 36-jähriger Amtsführung der Oberrabbiner Jakob Ettlinger. Bedeutender Halachist hat er auf diesem Gebiete einige Schriften über sehr fernliegende casuistische Fragen verfaßt. Unter seinem Rabbinate wurde der letzte jüdische Gerichtshof, dem er lange vorgestanden hatte, aufgehoben. Aus Hessen, im December. (Privatm.) Unter die orthodoxen Rabbiner ist jetzt eine wahre Wuth zu Protestationen, Zustimmungsadressen u. s. w. gerathen, daß es bereits zu einem ordentlichen Kladderadatsch gekommen ist. Kaum wurde von vielen Seiten der 70jährige Geburtstag des Seminardirectors Dr. Z. Frankel in Breslau achtungsvoll gefeiert, so erlassen 55 Rabbiner einen Protest dagegen und stimmen einer schmählichen Expectoration über Dr. Frankel und das Breslauer Seminar bei. Herr Dr. Frankel sieht