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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-01-02 · Heft 1 (2.1.1872) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 1 (2.1.1872)
Date
1872-01-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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sich weigerte, „von der Speise und dem Weine des Königs zu genießen, um sich nicht damit zu verunreinigen" (1, 8 f.). Denn wenn auch beide Theile des Buches Daniel viel später abgefaßt sind, so wird doch selbst von den meisten neuern Geschichtschreibern des Exils diese Erzählung nicht als ganz ungeschichtlich angesehen, und der erste Theil des Buches ist immerhin gegen die Zeit Esra's abgefaßt. Die letzte Gruppe der Propheten bilden die drei, welche nach dem Exil in Jerusalem, und zwar bis zu Esra hin, wirkten. Von diesen hebt Chaggai die Aufgabe der Priester hervor, das Volk über „rein und unrein" zu unterrichten und die an sie deshalb gestellten Fragen zu beantworten (3 Mos. 10, 10), und geht hierbei auf einige sehr specielle Fragen ein, z. B. in wie weit ein Kleid vom Opferfleische geheiligt werde (3 Mos. 6, 20), und in wie weit die Berührung eines Todten unrein mache (4 Mos. 19, 22). 2, 11 f. — Bei Secharja II (Capp. 1—8) finden wir die Erweiterung des Rituals durch die Einsetzung von Fasttagen im 4. 5. 7. und 10. Monat erwähnt, die sich sämmtlich auf die Zerstörung Jerusalems beziehen und die der Prophet in der Zukunft in Freudentage verwandelt sieht (8, 19). — Der letzte endlich, Maleachi, wirst seinen Zeitgenossen vor, daß sie blinde, lahme und kranke Thiere als Opfer darbrächten (1, 7. 8), und nicht die vollen Zehnten ablieferten (3, 10), daß sie Frauen, die fremde Götter anbeteten, heiratheten. Unter ihren sittlichen Gebrechen führt er besonders auf, daß sie dem Löhner den Lohn vorenthalten (3, 5). Als eine Erweiterung des Gesetzes ist es anzusehen, daß der Prophet Ehescheidungen, wenn auch nicht verwirft, doch als Gott mißfällig darstellt und sie als eine Art „Gewaltthat" bezeichnet (2, 16). — In der That ist es kein Zufall, daß dieser letzte Prophet mit seinem letzten Worte das Volk ermahnt, „der Lehre, der Gesetze und Rechte eingedenk zu sein, welche Moses ganz Israel geboten hatte" (3, 22), er, der an der Schwelle der neuen großen Entwicklung des Gesetzes stand. So zahlreich also auch die Spuren des sinaitischen Gesetzes in den Geschichtsbüchern und in den Propheten sich uns darboten, so dürftig sind sie in den Hagiographen überhaupt und besonders in denjenigen unter ihnen, welche der Zeit vor. Esra angehören. Es rührt dies theils von den Gegenständen her, die sie behandeln, theils von ihrem Stile, der sich im erhabensten Pathos bewegt. Wir können daher höchstens aus den Psalmen erwähnen, daß der 81. Psalm auf das Peßachfest (nach Anderen auf das Laubhüttenfest) gedichtet ist, wobei in Vers 4 das Blasen des Schophars am Festtage, wie es gesetzlich vorgeschrieben war (Vers 5), hervorgehoben wird, so wie daß die Ueberschrift des 92. Psalms diesen für den Sabbath bestimmt, ohne daß freilich in ihm selbst eine Hindeutung auf denselben vorhanden ist. Wir brauchen nicht erst zu erwähnen, daß des Heiligthums, des Altars und des Opfercultus nicht selten in den Psalmen gedacht wird, und zwar in zwei Richtungen, daß einerseits dieser Cultus hochgehalten, andererseits aber, sobald er nicht mit sittlicher Reinheit und aufrichtiger Gottesfurcht verbunden ist, verworfen wird. Endlich ist nicht zu verkennen, daß einige Psalmen für die Wallfahrten nach Jerusalem abgefaßt waren. Wir haben somit, wie wir glauben, ziemlich vollständig, das ganze Material gesammelt, welches uns ein Urtheil darüber gestattet, in wie weit das sinaitische Gesetz in der Periode vom Sinai bis Esra im Volke gelebt und seinen Einfluß auf dasselbe geübt habe. Wir wollen es nunmehr versuchen, im folgenden Abschnitt uns die Resultate hieraus klar zu machen.- Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 15. Dec. (Privatm.) Die statistischen Berechnungen, die Sie über den Besuch der höhern Lehranstalten in Preußen in Nr. 44 (Skizze XIII) gegeben haben, sind jetzt auch von einer andern Seite bestätigt worden. Die heutige „Nationalzeitung" enthält einen Aufsatz über denselben Gegenstand, in welchem, ohne auf die einwirkenden Ursachen einzugehen, die Thatsachen nach den officiellen Tabellen einfach constatirt werden. Die Ergebnisse hinsichtlich der Confessionen sind dabei genau, wie Sie dieselben angegeben haben; nur daß der Verfasser bis zum Wintersemester 1867/68 die Daten vor sich hatte, während Sie die officiellen Notizen bis zum Wintersemester 1869/70 benutzten. Wir heben die, die Juden betreffende Stelle heraus: „Jndeß darf dabei nicht übersehen werden, daß Posen eine verhältnißwäßig beinahe vier Mal stärkere jüdische Bevölkerung besitzt, als die drei anderen Provinzen, und daß die Juden in allen Pro- 1»

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