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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-01-02 · Heft 1 (2.1.1872) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 1 (2.1.1872)
Date
1872-01-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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der Offenbarung der Religion näher zu bringen — das ist ein Streben, dem die Erfüllung niemals ganz gebricht, eine Aussaat, von der ein guter Theil Körner keimt, sprießt, blüht und Frucht trägt. Die sog. 66616812 militans, „die streitende Kirche", ist keine jüdische Erfindung, keine jüdische Einrichtung. Wo im alten Judenthume Verschiedenheit der Ansichten über einzelne Gesetzesbestimmungen entstanden, war man vor Allem bemüht, den Frieden zu erhalten, und rief einander zu: „Dies und dies sind Worte des lebendigen Gottes!" Das Lärmen und Schreien, Verleumden und Verketzern, Verwerfen und Verdammen, ist eine neuere Erfindung innerhalb des Judenthums, ist aus anderen nicht jüdischen Kreisen importirt. Freilich hätte es darum weniger Eingang finden sollen. Aber es ist doch einmal geschehen, unsere Zustände sind davon vergiftet, unsere Kräfte gelähmt, und die Freude an unserm Judenthume dadurch Vielen vergällt. Was ist dagegen zu thun? Nichts anderes, als unfern Glaubensgenossen immer wieder zuzurufen: „Das ist keine Religion, das ist kein Judenthum", — und wenn solch Wühlen und Treiben tief in den Gebetmantel gehüllt und mit noch so vielen Schaufäden vor Euch erscheint, trauet ihm nicht! Wer das Wort des Friedens nicht auf den Lippen trägt, aus wessen Auge und Herz Euch nicht die Liebe entgegenstrahlt, wessen Panier nicht die Wahrheit und das Recht sind, der ist nicht religiös. Dies wisset, dies beherziget, denn nur dann geht Euch die Morgenröthe auf, nur dann seid Ihr selbst religiös und wahrhafte Juden. Vom Sinai bis Csra. IV. Gegen Ende des Exils erstand Jeschajah 11 lCap. 40—66), ein Prophet von den höchsten religiös-sittlichen Anschauungen, mit der flammendsten Begeisterung für sein Volk und seine Wiederherstellung, und dennoch voll klarer Ueberzeugung, daß die Gotteslehre für die gesammte Menschheit bestimmt sei und einst Eigenthum und Vereinigungsmittel aller Völker, aller Erdenbewohner sein werde. In seinen, die Siege des Cyrus, die Eroberung Babels und die ersten Schritte zur Wiederbesreiung der Israeliten begleitenden Reden finden wir die Rücksichtnahme auf zwei cultuelle Specialgesetze, das Sabbath- und das Speisegesetz, und eine Betonung derselben, wie sie bei den frühern Propheten so stark nicht gefunden wird. Schon 52, 11 dringt er bei dem Rückzüge nach, dem heiligen Lande, bei welchem er sich die Tempelgeräthe befindlich denkt, darauf, daß die Israeliten sich von aller Unreinheit — nämlich leiblicher — frei halten sollen wie 1 Mos. 35, 2. 2 Mos. 19, 10. Daß der Sabbath ein wesentlicher Theil des religiösen Bundes Israels mit Gott sei und diejenigen, die ihn halten, als zu diesem Bunde gehörig zu betrachten seien, wird 56, 4. 6 ausgesprochen. In dem berühmten Cap. 58, 13. 14 wird das Sabbathgesetz nicht blos eingeschärft, sondern auch ausgedehnt und zugleich der Begriff dieser Institution auf einen höhern Standpunct gestellt. Denn nicht allein jedes Geschäft soll am Sabbath gänzlich unterlassen werden, sondern man soll sich an diesem Tage auch jedes eitlen Treibens enthalten, was mit den Worten „kein Geschwätz zu schwatzen" be zeichnet wird. Aber der Sabbath soll, da er „Gott geheiligt" wird, wie eine „Wonne" die höchsten und freudigsten Gefühle erregen, und so durch den Verstand „geehrt" und mit dem Herzen empfunden werden. Es wird dies als Angelpunct für das äußere wie innere Glück, für die ganze Erhebung Israels hervorgehoben. Auch noch zum Schlüsse seiner Reden<6&r der Prophet den Sabbath und neben ihm den Neumond so sehr, daß er die Ansicht ausspricht, beide werden in der zukünftigen Zeit von allen Völkern beobachtet und mit der Anbetung des einigen Gottes gefeiert werden. Andrerseits macht der Prophet den Exulanten neben Götzendienst und Zauberei den Genuß des Schweins und der Brühe unreiner Thiere (65, 4), sowie das Verzehren von Gräuel und namentlich der Springmaus (66, 17 vgl. besonders 66, 3) zum Vorwurf. Als eine Erweiterung des Gesetzes, welche in der Gesammtanfchauung des Propheten beruht, tritt noch die Verkündigung auf, daß in der Zukunft auch aus den an Israel sich anschließenden Völkern Priester und Leviten genommen und zum heiligen Dienste verwendet werden würden (66, 21). Desgleichen dehnt er die Aufnahme in die israelitische Gemeinde auf alle Fremde und sogar auch auf die Verschnittenen aus, sobald sie den Ewigen bekennen und den Sabbath beobachten, letzteres eben als charakteristisches Symbol des ganzen religiösen Gesetzes (56, 3 s.). — Wir wollen hier noch den charakteristischen Zug in der Erzählung von den Schicksalen Daniels erwähnen, wie er, als Knabe an den Hof Nebuchadnezars gebracht,

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