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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-12-19 · Heft 51 (19.12.1871) · p. Seite 1031

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 51 (19.12.1871)
Date
1871-12-19
Page
Seite 1031 (sequence 17)
Language
German
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A l l g e m c i n e FemlleLon-Leilaze zu Nr. 51. Leipzig, den IS. December 1871. Die Jildcngaffc mid die Familie Rothschild in Frailkfurt am Mai». (Schluß!. Um das Jahr 17 80 kauften und bezogen Maier Amschel und seine Gattin das HauS zum grünen Schild, welches beide nicht wieder verließen, bis sie als Leichen aus ihin herausgetragen wurden. Dem Sinne der Mutter entsprechend hat später ihr ältester Sohn, Amschel Maier, dieses Haus auf ewige Zeiten zu frommen und wohlthätigen Zwecken bestimmt. Er hat nämlich in seinem Testament 1,200,000 Gulden zu einer sogenannten „milden Stiftung für die armen Israeliten der Stadt Frankfurt a. M." ausgesetzt, deren Zinsen theils für wöchentliche Almosenspenden, theils für Holzaustheilungen au Frankfurter Juden verwendet werden sollen, mit Ausnahme von 7500 Gulden, welche jährlich an arme Juden aus. dem Umkreise von zehn Meilen um Frankfurt herum als Almosen zu geben sind. Die Austheilung soll im Rotschildschen Stammhause stattfinden, in welchem ein hiermit beauftragter Beamter der Stiftung seine Wohnung hat und die Sitzungs- und Bureaulocale des leitenden Comitü's sich befinden. Endlich sollen in dem Haufe noch sogenannte Gebetsversammlungen durch zehn dafür bezahlte Israeliten gehalten werden, und zwar an den Todestagen Vas Testators, seiner Aeltern, seiner Gattin und seiner Brüder. Seit dem 1555 erfolgten Tode des Testators wird das Rothschildsche Stammhaus zu den angegebenen Zwecken verwendet. Um nun wieder auf Maier Amschel zurückzukommen, so trieb dieser seine Handelsgeschäfte mit dem größten Geschicke und mit ungewöhnlichem Erfolge. Er hatte daher nicht nur schon 1708 die nöthigen Mittel, um neben seinem Frankfurter Handelshaufe ein zweites in London gründen zu können, sondern er war auch im Stande, in der Zeit von 1504 bis 1812 mit dem Staate Dänemark Anleihegeschäfte im Gesauuntbetrage von zehn Millionen zu machen, ja sogar 1808 die Jahre lang dauernde Besorgung der Geldlieferungen an das englische Heer zu übernehmen, welches in Spanien mit den Franzosen kämpfte. Diese bedeutenden Geldlieferunaen, welche kein anderes englisches^HauS zu übernehmen gewagt hatte, wurden, von Maier Amschel und seinem das Londoner Haus leitenden Sohne Nathan mit solcher Geschicklichkeit besorgt, daß sie insgesammt glücklich von Statten gingen und ihren Besorgern einen Gewinn von vielen Millionen abwarfen. Die Uebernahme dieses Geschäfts war, wegen. der dabei zu leistenden bedeutenden Caution, nur in Folge eines Umstandes möglich gewesen, welcher mehr als alles Andere das Glück des. Hauses Rothschild gegründet hat. Dieser Umstand ist das Verhältnis in welchem Maier Amschel seit 180! zu dem sehr reichen Landgrafen Wilhelm dem Neunten von Hessen-Caffel stand. Er ward in jenem Jahre (vielleicht auch schon früher) hesien-caffelscher Hofagent, und erwarb sich als solcher das unbegrenzte Vertrauen des von 1785 bis 1821 regierenden Landgrafen und nachherigen Kurfürsten Wilhelm deS Neunten. Als dieser 1806 beim Ausbruch des Krieges der Franzosen mit Preußen und Rußland sein Land verlassen mußte, vertraute er den größten Theil seines Vermögens seinem Hofagentcn in Frankfurt zur geheimen Aufbewahrung an. Die anvertrauten Millionen bewahrte und verwaltete Maier Amschel mit Sorgfalt und Treue. Als der Kurfürst bald nach seiner Flucht durch Napoleon für abgesetzt erklärt wurde, war zu befürchten, daß die Franzosen seine Millionen aufspüren und wegnehmen würden. Dies geschah jedoch nicht, weil die wenigen Leute, welche um die Sache wußten, nichts verriethen und Rothschild die kurfürstlichen Gelder in Weinfässer seines Kellers versteckt hatte. Maier Amschel war nebst seinem Sohne Nathan durch den Kurfürsten auch noch bevollmächtigt worden, für diesen die Zinsen seiner in der englischen Bank angelegten Gelder zu erheben, um sie an den Kurfürsten zu übermachen. Er that dies in der gewohnten, das Vertrauen des Kurfürsten rechtfertigenden Weise. Als nun das Haus Rothschild die oben erwähnten Lieferungen an die englische Armee übernehmen wollte, gestattete ihm der Kurfürst, von jenen Geldern einen bedeutenden Theil zu erheben, um die geforderte große Cautionssumme zahlen zu können. Nur dadurch war es dem Hause Rothschild möglich, ein Geschäft zu übernehmen, dessen großer Gewinn die Hauptguclle seines nachherigen Reichthums bildete.

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