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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-12-19 · Heft 51 (19.12.1871) · p. Seite 1026

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 51 (19.12.1871)
Date
1871-12-19
Page
Seite 1026 (sequence 12)
Language
German
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1026 Paris, 0. December. Der „Temps" theilt einen seltenen Act großartiger Wohlthätigkeit mit. Der Bankier Bischofsheim, Chef des großen Bankhauses Bischosöheim und Goldschmidt, hat bei Gelegenheit der Feier seiner goldenen Hochzeit der hiesigen israelitischen Gemeinde die Summe von 500,000 Franken znr Gründung eines Asyls für israelitische Mädchen geschenkt. Schweiz. Bern, 6. Dec. Der Nationalrath gewährleistete bei der fortgesetzten Bcrathnng über die Revision der Bundesverfassung in dem die Religion betreffenden Artikel Glaubens- und Gewissensfreiheit. Niemand soll wegen seiner Glaubensansichten in Ausübung seiner bürgerlichen und politischen Rechte beschränkt, und Niemand zur Bornahme religiöser Handlungen verhalten oder wegen Unterlassung derselben bestraft werden. Für eigentliche Cultuszwccke sollen nur Angehörige einer Neligionsgenossenschaft besteuert werden. Glaubensansichten entbinden nicht von der Erfüllung der Bürgerpflichten. (Dies ist also noch weit von den Grundsätzen entfcvnt, welche man in Aargau durchführen will, s. Nr.50.) Italien. Ans Dberitalien, 3. Dec. (Privatmitth.) Wieder ist eine geraume Zeit "verstrichen, seit ich Ihnen geschrieben. Die Ereignisse, welche unsere Glaubensgenossen betreffen, berühren seit einiger Zeit kaunt das Judenthum und unsere Glaubensgcmcinde. Auch auf dem Gebiete der Mischen Wissenschaft ist es bei uns gair; still. Bor etlichen Monaten erschien die italienische Uebersetzung der ersten Abtheilung des Moreh Rebnchim nach Ve. MunkS französischer Uebersetzung des arabischen Originals von Rabbiner D. Maroni in Floren;. Das Buch hat sein Verdienstliches, allein es ist ohne Theilnahnte geblieben. Das Paduauer Collegiunt ist für daö latifende Jahr, wegen Mangels an Zöglingen geschlossen; wird es se wieder eröffnet werden? Dagegen sind die Erfolge tinserer Glaubensgenossen in allgemeiner Beziehung nur erfreulich zu neittten. So hat selbst die Uiiita. cattoliea in einen: ihrer Blatter vom vorigen Monat der besoitdern Bildungsfähigkeit unserer Jugend unwillkürlich ein gewiß unparteiisches Zengniß ausgestellt, wenit auch dasselbe im Stile der allcinscligmachendeu jesuitisch-römisch-katholischen Liebe geschrieben ist. Sie sagt: „Tie italienische Revolution begann mit der Hymne der Kinder Italiens, die Benlilla heißen, und endlich tu Rom gekrönt, wurden deren Triumphe am 2. October mit der Pramicnvertheilung an hebräische Kinder auf dem Eapitol gefeiertes folgen dann etliche andere sarkastische Sätze, hierauf heißt es: „allen Belohnten wurde ein seidenes Band von der Farbe des Municipalwappens geschenkt, um sich damit an den Schulfestlichkeiten schmücken zu können. „Da die Betheiligten besonders Kinder der Hebräer waren, so werden sie jenes Baud, das die Vorfahren Victor Emmanuels II. sie in Piemont zu tragen verpflichteten, wieder tragen. (Wie witzig und geistreich!) Wir haben die Namen dieser Belohnten vor Augen, sie gehören fast alle dem alten Testamente an. Da finden sich De-Veroti Israel, Sonnino Isaak, Mieli Abram, Eitoni Moses, Eampagnano Jakob, Di Capua Samuel, Piatelli Abraham, Tedeschi Samuel, Limentani Isaak u. s. w., außer den Familiennamen ven Städtenamen entlehnt, welche, wie Jedermann weiß, den Hebräern gehören, und unter den Kindern des Capitols erscheinen die Terracina Leone, Perugia Angelo u. s. w. „Solchen Vor- und Familiennamen begegnen wir auch im Kataloge der Belohnten in den Mädchenschulen; da findet man Di Capua Esther, Piperno Judith, Alatri Estherina, Eitoni Rebekka, Sestieri Rachel, Csdra Rachel, Milani Esther, Raan Sara, Perugia Scrafiua, Terracina Rebekka, Votti Judith und dergleichen. Die Söhne und Töchter der Hebräer sind in der Mehrzahl, mrd es scheint, daß besonders der Ghetto von Rom den Schulen des römischen Muninpinms vieles Zutrauen schenkt."— Ich null Sic mit den absurden und lieblosen Bemerkungen verschonen, womit das cynische Blatt der katholischen Liebe diese Notizen begleitet. Solche Leute sehen das Licht der Sonne incht, und behaupten, die Sonne habe cs dem Monde zu verdanken, daß mau ihr Licht wahrnehmen kann. Solche Logik befriedigt und entziickt ihre Parteigänger. 'Wohl bekomm's!

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