Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1871)
- Date
- 1871-12-19
- Page
- Seite 1027 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3226798-3226850--30147-3253018- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1027 Dänemark. Kopenhagen, im Decembcr. Bon der Bevölkerung Dänemarks gehören über 99 pEt. der Staats-oder richtiger der Volkskirche an, so daß nur 15,158 Personen von derselben ausgeschlossen bleiben. Von diesen letzteren sind 4290 Israeliten, 3223 Baptisten, 2128 Mormonen, 1857 Katholiken und 1433 Rcformirte. Eine Anzahl von 1209 Personen gehören den lutherischen „Freiversammlungen" und den beiden in Dänemark vorhandenen „Brüderoersammlnngen" an. 28 Dänen sind Quäker und nur 1 ein Muhammedaner. Zu solchen Personen, die sich zu keiner positiven Religion bekennen, können 63 gerechnet werden. Bon diesen bezeichnen sich 29 als „Freidenker", 1 als „Atheist", l als „Vernnnftphilosoph", 1 als „Neutral" und 31 erklären ganz einfach „ohne Glaubensbekenntniß" zu sein. Nordamerika. Chicago, 10. Novbr. Wir erhalten von dem betreffenden Comite den folgenden Ausruf zur Uebcrsetzung und zu Veröffentlichung: „Israeliten! Die unheilvolle Fcuersbrunst vom 8. und 9. Qctober hat den größeren Theil unserer Stadt zerstört und in wenigen Stunden den Wohlstand, das Qbdach und die Häuslichkeit zahlreicher Familien vernichtet. Hunderte unserer Glaubensgenossen, welche sich anständig und rechtlich ernährten, sind jetzt ohne Geschäft, ohne Haus und ohne Mittel, ihre Earriere von 'Neuem zu beginnen. Die Gesellschaften, bei welchen sie versichert hatten, waren hauptächlich hiesige Versicherungen, die jetzt bankerott sind. Es ist unmöglich das Elend zu schildern, das durch dieses Unglück herbeigeführt worden ist. Es ist herzzerreißend, Veute, welche früher als freigebige Spender an religiöse und wohlthätige Institute bekannt waren, jetzt um Hülfe bitten und sie erhalten zu sehen, zu sehen, wie sic vor dem Empfang von Unterstützungen zurückschrecken und sich dagegen sträuben, und doch müssen sie dieselben für das Wohl ihrer Frauen und Kinder annehmen. „Brüder, diesen unglücklichen Leuten muß geholfen werden, sie müssen jeder eine genügende Summe Geldes erhalten, um sich eine neue Existenz eröffnen zu können, während die „Allgemeine Unterstütznngs- und Hülssgesellschaft" für ihre augenblicklichen Bedürfnisse sorgt, um sic so vor Entbehrung zu schützen. Dies ist wahre Wohllhätigkeit, die sic vor dem Versinken in Armuth bewahren wird. „Die vereinigte jüdische Unterstützungögesellschaft, welche seit vielen Jahren unter ihren Zwecken die Un ftützung bedürftiger Israeliten in Ehieago zählt, deren Mittel erschöpft sind, ohne jede Aussicht, sie durch Beiträge aus unserer eigenen Stadt «wenigstens für die nächste Zukunft) wieder' zu ersetzen, und deren Hospital in Trümmern liegt, fühlt sich zu dieser Aufgabe ohne Hülfe von außen nicht befähigt, und wir legen Ihnen die Bitte ans Herz, uns eine hülsreiche Hand zu bieten: „Brüder, der Name Israels war stets gleichbedeutend mit Menschenliebe und Wohlthätigkeit. Beivahr heitet diese geschichtliche Thatsache, indem Ihr uns in dieser Zeit unserer Bedrängniß zu Hülfe kommt. Da die vereinigte jüdische Unterstütznugsgesellschaft (tlie United Ilcbrew Relief Association) cuiö allen jüdischen Gemeinden, Wohlthätigkeitsvereinen und Bnci- Bruh-Logen dieser Stadt seit 1859 besteht, da sie seitdem die einzige Empfängerin von wohlthätige» Beiträgen und die einzige Vertheilerin von Unterstützungen unter den bedürftigen Glaubensgenossen dieser Stadt und von auswärts gewesen, wird sie natürlich in allen Fällen der Bedürftigkeit beansprucht und muß nach Verhältnis ihrer Mittel Hülfe schaffen'; daher empfindet sie cs natürlich sehr bitter, wenn eine ihrer Tochtergesellschaften, der „Independent Order of tlie Bnei-Brith“, den größeren Theil der jüdischen Collecten von anderen Städten empfängt und diesen ausschließlich zu Gunsten der Mitglieder ihres Vereins verwendet, während die Bitten um Hülfe an die United liebrew Relief Association unzählige und die Mittel, ihnen zu entsprechen, ungenügend sind. Wir müssen schließlich hervorheben, daß dieser Hülseruk in Verbindung und unter Mitwirkung mit dem hierzu von den ersten Israeliten Chicago's ernannten Eomitö, das aus den Herren B. Löwenthal, G. Snydacker, Jsaac Grecnsfelder, B. Schönemann , Abr. Hart, R. Rubel und M. M. Gcrstley besteht, ergeht. Die von diesen gesammelten Fonds sind und werden von der United liebrew Relief Association-vertheilt werden.