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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-12-19 · Heft 51 (19.12.1871) · p. Seite 1023

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 51 (19.12.1871)
Date
1871-12-19
Page
Seite 1023 (sequence 9)
Language
German
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1023 der principieUen Gleichberechtigung zu erkennen, welche auch in Preußen aus dem Stadium der Verfassungstheorie in das der thatsächlichen Verwirklichung getreten. NcnsteLLin,!t>. November. lPrivatmitth.) Hochgeehrter Herr Nedacteur! Wie ich ans Berliner Zeitungen entnahm, feierte am 5. d. Nt. der Geheime Sanitätsrath Dr. Steinthal zu Berlin sein 50-jähriges Doetorjubilänm. Da ich die Ehre habe, den Jubilar persönlich zu kennen und von seiner edlen Menschensrenndlichkeit unmittelbare Beweise zu haben, ist es mir ein um so größeres Bedürfniß, auch in diesem Blatte den: Ehrenmanne ein Denkmal gesetzt zu nässen, als er neben seiner hohen wissernchaftlichen und humanistischen Bildung auch das religiöse Gefühl in sich lebendig erhielt und den Interessen des Judenthums von jeher sein opfervolles Streben widmete. Außer seiner langjährigen Wirksamkeit als Mitglied des Nepräsentanteneollegiums der Berliner jüdischen Gemeinde erwarb er sich unt die letztere dadurch noch ein spccielles Verdienst, daß er die „koschere Volksküche" ins Leben rief und der Erhaltung und Förderung derselben seine unausgesetzte Unterstützung leiht. Wer ans eigner Anschaunng das Bedürfniß einer solchen religiös - ökonomischen Anstalt in der „Metropole" Deutschlands, in welcher dem Glanz des Neichthums die Dunkelheit des Elends und der Armuty in crassesler Weise gegenübertritt, zu würdigeit weiß, wer die Wohlthat erkennt, welche durch Errichtung einer solchen Anstalt für denjenigen bedürftigen, aber seiner -religiösen Satzung und Gewohnheit treu anhängendcn, sowie für den nur in höchster Noth zur Uebertretung der Speisegesetze entschlossenen Israeliten erwächst, wird sowohl vom hmnanitären uuc vorn religiösen Standpunete aus dem Jubilar mit freudigem Herzen die ihm gebührende Anerkennung für diese echt „jüdische That" aussprechen. Denn durch diese letztere hat der Mann, der soeben das Werk seines Meisters Hufeland „die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern" in einem neuen Gewände hat erscheinen lassen, in der Gestalt der „koscheren Volksküche" den ärmeren Kreisen seiner Glaubensgenossen einen praktischen Beweis dieser Kunst geliefert, für welchen sie ihn gewiß zu Hunderten im Herzen segnen. Die Lossische Zeitung gibt nun über das Jubiläum selbst folgenden Bericht: „Am 5. d. M. wurde das 50-jährige Doctorjubikäum des Geheimen Sanitätsrathes Dr. Steinthal gefeiert. Der durch vielfache literarische Thätigkeit bekannte vieljährige Vorsitzende deö Hufelandschen Vereins, welcher soeben erst seines Meisters Eh. M. HufelandS Werk, die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern, in einem neuen Gewände hat erscheinen lassen, wurde Seitens des Staats durch Verleihung des rotheu Adlerordeus dritter Elasse geehrt. Die Universität zeichnete ihn mit einem vom De. Fürstenheim überreichten Jnbeldoctordiplom aus, und die Hufelandsche Gesellschaft widmete ihm ein elegantes Album, welches die Photographien sämmtlicher Mitglieder enthält. Letz ieres überreichte Geheimer Rath Prof. Dl-, v. Langenbeck in einer längeren entsprechenden Anrede, worauf De. Julius Beer im Namen des medicinisch-ätiologischen Vereins auf die Verdienste des Jubilars um die Volksgesundhcit und auf die deutsche That der Stiftung des medieinisch-pädagogischen Vereins hinwies, welcher der gesammten Schuljugend zu Gute koutme, was Lehrer ToselowSki als Schriftführer dahin ergänzte, daß die edlere demokratische Richtung dieser Bestrebungen sehr erfolgreich sei. Die Geheimen Näthe DDi. Behrend und Simonson sprachen im Namen der Gesellschaft Heilkunde, Rechtsanwalt Levin im Nanren der Gesellschaft der Freunde; ferner brachten die Deputationen der Volksküchen (Demuth und Oppenheim« Glückwünsche und einen silbernen Poeal dar. — Ein zahlreich besuchtes Festdiner im Schmelzcrschen Saale schloß die Festlichkeiten ab, welche die Achtung bezeugten, die der Jubilar in den weitesten Kreisen genießt." Möge es dem greisen edlen Jubilar vergönnt sein, noch recht lange in frischer Gesundheit des Körpers Mtd des Geistes zum Heile der Mitmenschen zu leben und zu wirken! H. T. Ocsterreichischungarische Monarchie. Wien, 6. Deecmber. tPrivatmitth.) Der Vorstand hat den Kreis der Wähler erweitert. Es wurde nämlich denjenigen, welche seit drei Jahren Steuer zahlen, wenn sie auch nicht Mitglied der Gemeinde sind, das active Wahlrecht zuerkannt. In solcher Weise kam es, daß Heuer um beiläufig 2000 Wähler mehr waren als im vorigen Jahre, und im Ganzen etwa 4000 Personen das active 'Wahlrecht zustand. Bon 51

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