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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-12-12 · Heft 50 (12.12.1871) · p. Seite 1013

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 50 (12.12.1871)
Date
1871-12-12
Page
Seite 1013 (sequence 19)
Language
German
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1013 war der Vater Maier Amschels von Rothschild, welcher das nach ihm benannte weltberühmte Handlungs- Haus gegründet hat. Maier Amschel selbst war sechs Jahre vor Frankfurts berühmtestem Sohne, Goethe, geboren. Als Knabe wurde er von seinem Vater dazu verwendet, daß er mit einem Geldsäckchen bei den Bankiers umhergehen mußte, um Münzen gegen grobes Geld umzuwechseln. Diese Beschäftigung ward für ihn später aus dem Grunde wichtig, weil er dabei mitunter seltene Münzen eintauschte und in Folge davon Interesse an der Münzkunde gewann. Als Jüngling brachte er, da er Rabbiner werden sollte, einige Zeck in Fürth zu und studirte dort jüdische Theologie, gab dies jedoch bald wieder auf, um sich dem Handel zu widmen. In seine Vaterstadt zurückgekehrt, blieb er vorerst nicht in derselben, sondern nahm im Oppenheimschen Bankierhause zu Hannover die Stelle eines Comptoiristen an, welche er mehrere Jahre mit solcher Geschicklichkeit bekleidete, daß sein Principal ihm die wichtigsten Geschäfte anver- Lraute. Als er endlich nach Frankfurt heimkehrte, war er bereits ein so tüchtiger Kaufmann, daß er mit Erfolg ein selbstständiges Geschäft gründen konnte. In diesem war er zugleich als Geldwechsler und als Makler thätig, trieb außerdem Handel mit seltenen Münzen, sowie mit altem Silber und Gold, und verwandte die erworbenen Geldmittel nach und nach immer mehr zu den Unternehmungen eines eigentlichen Bankiers. Im Jahre 1770 verheirathete er sich mit der Frankfurterin Gutta Schnapper, welche erst 1840 im sechsundneunzigsten Lebensjahre starb und so das Glück hatte, das stets zunehmende Gedeihen der Geschäfte ihres Gatten und ihrer Söhne, ja sogar noch das Emporsteigen ihrer Familie bis zur ersten Geldmacht der Welt zu erleben. Da außerdem zur Zeit ihrer Kindheit die Frankfurter Judenschast sich noch in der drückendsten Lage befand, das Schicksal derselben aber nachher von Jahrzehnt zu Jahrzehnt sich immer besser gestaltete, bis zuerst 1811 und dann wieder ein Jahr vor dem Tode der alten Rothschild die Frankfurter Juden völlige Gleichheit der Rechte mit den Christen erlangten: so hatte die glückliche Frau zugleich noch die Freude, einen der segensreichsten Abschnitte in der Geschichte ihres Volkes sich vor ihren Augen entwickeln zu sehen. Sie blieb des Dankes, welchen sie und ihre Kinder der Gottheit schuldeten, stets eingedenk, und bewahrte sich bis zum Ende ihrer Tage vor dem Uebermuth, welcher so leicht das Herz des Glücklichen beschleicht. Nie verließ sie das finstere, unbequeme Haus, in welchem sie und die Ihrigen glücklich geworden waren. Sie selbst sprach zuweilen aus, daß daö Aufgeben dieser Wohnung . ihr als eine Sünde erscheinen würde, und daß sie überzeugt sei, das Glück werde von ihrer Familie weichen, wenn sie selbst sich überhebend die Hütte verlasse,. in welcher dieses Glück gegründet worden sei. Es liegt etwas Großes in diesem Ausspruche der alten Rothschild, dessen Grundgedanke ganz mit dem übereinstimmt, was die alten Griechen vom Neid der Götter und die neueren Dichter von der Eifersucht der SchicksalSmächte gesagt haben, und man muß der alten Frau diese demuthSvolle Lebensansicht um so höher anrechnen, da dieselbe bei ihr nicht auf intellectueller Betrachtung oder historischer Anschauung beruhte, sondern aus tiefer religiöser Empfindung hervorgegangen ist. tSchluß folgt). Korrespondenz. Synoutz, 27. November 1571. Der geehrte Correspondent aus Wien vom 8. Nov. stellt in Ihrem geschätzten Blatte Nr. 17 über den Entwurf einer jüdisch-theologischen Facultät die ernste und gerechte Frage: „Warum soll der Hinunet dem helfen, der sich zu helfen vermag, aber es nicht thut? Die Wiener Juden haben oft genug bewiesen, daß sie sich selbst helfen können, das prächtig erstehende Krankenhaus, das bald erstehende Blindeninstitut und so viele andere Anstalten bezeugen dieß thatsächlich. Warum nun nicht auch eine jüdisch-theologische Facultät? Ist das jetzige Judenthum eine solche nicht sich selbst schuldig?" rc. — Allein bei aller Anerkennung der vielen wohlthätigen Anstalten der jüdischen Gemeinde Wiens kann man solche mit der längst bekannten Antwort eines Weisen auf eine ähnliche allgemeine Frage wohl zur Genüge entschuldigen. Diese Antwort finden wir in dem rühmlichst bekannten Werke: „vbr? vom seligen gelehrten Herrn Samson Bloch in zwei schön geschriebenen hebräischen Strophen treffend ausgedrückt, die hier auch in treuer deutscher Uebersetzung folgen. F^age. Waruin sehen wir und finden, Daß Lahmen oder Blinden Man williger reicht Hand und Brod Als dem armen Weisen in der Roth? Antwort. Weil sicher weiß es jeder Mann, Daß weise er nicht werden kann; Aber lahm und blind zu werden Fürchtet jeder Mensch auf Erden. nrrrwn nn?: ^nbn rpsb »nt;«' irr nrra?: sinSjäi yiSrti thj?yisn: ■’f n^snb q« nnb?3 N-S73N NN ■}?: nsab r/nn ib t*b rrasnn *>s nsE ^8 -)"£ irrrp: —!nt;ia iTtea iab

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