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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-12-12 · Heft 50 (12.12.1871) · p. Seite 1002

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 50 (12.12.1871)
Date
1871-12-12
Page
Seite 1002 (sequence 8)
Language
German
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1002 hinzu: „hier haben Sie, was Sie brauchen, nun gehen Sie aber nicht weiter, ich zahle Alles!" Eine angenehme Ueberraschung wurde den hiesigen jüdischen Theil'nehmern des Feldzuges bereitet, deren Familien während desselben die Eommunalunterstütznng bezogen haben. Nicht allein, daß denselben neben den städtischen noch eine regelmäßige Unterstützung zur Hälfte des Betrages der ersteren von der hiesigen jüdischen Gemeinde gewährt worden war, wurde auch den heimgekehrten Kriegern aus einem in aller Stille in den wohlhabenden Kreisen aufgebrachten Fonds eine 9tetablissementsbeihülfe ihrer geschäftlichen und bürgerlichen Verhältnisse in Höhe von 25 bis 30 Thalern gewährt. Jetzt erhilt nun jeder der Obengenannten ein Handschreiben des Vorsitzenden deS Eomitö's zur Unterstützung jüdischer Wehrleute und Neseroisten, worin ihnen dieser mittheilt, daß bei der slattgehabtcn Schlußvertheilnng des erwähnten Fonds ans sie noch je ein Antheil von 20 Thalern entfalle, den sie am 27. in den Vormittagsstunden bei ihm in Empfang nehmen möchten. Posen, im Nov. (Privatm. Im „Dziennik Poznanski" hält ein Correspondent aus der Provinz seinen Landsleuten eine arge Capucinade, daß sie die Inder', und die Posener Zeitung zu sehr gebrauchen; anstatt nun daraus den Schluß zu ziehen, daß sowohl die Juden wie die Posener Zeitung Bedürfnissen entgcgeukommen, welche der polnische Kaufmann und die polnische Presse nicht zu befriedigen vermögen, verlangt er einfach, daß die polnischen Häuser sich den Juden und der deutschen Presse verschließen möchten; darin liegt freilich das Eingeständniß, daß ohne Privileg die polnische Gewerbswelt mit den Deutschen nicht;u concurriren vermag. Freilich meint der Correspondent, daß die Polen sich „über Mangel an eigener, ehrlicher Geschäftsvermittelung nicht beklagen kennen;" indessen seine Landsleute sind eben anderer Meinung. Und wenn er malitiös sagt: „So sehr sind wird schon an die Jüdchen gewöhnt, daß jeder von uns den seiuigen oder vielmehr jeder von ihnen einen von uns haben muß";— so mag diese Gewöhnung eben ihren guten Grund haben. Aus Berlin wird der „P. Z." geschrieben: Es ist bekannt, daß sich die Klagen über die Heranziehung jüdischer Staatsbürger zu den Parochiallasten christlicher Gemeinden von Jahr zu Jahr wiederholen. Wie hiesige Blätter aus guter Quelle erfahren, wird die Frage der Bcitragspflicht jüdischer Grundbesitzer zu den christlichen Kircheugemeinden bei der bereits in Angriff genommenen allgemeinen Revision der Gesetzgebung in Betreff der Verhältnisse der Juden geregelt werden. In Betreff der Simnltanschule in Posen hat der Eultusministcr eine günstige Entscheidung gefällt. Bekanntlich ist voir den königlichen Schulaufsichtsbehörden einer nicht auf freier Entschließung der Gemeindemitglieder beruhenden Bereinigung der Confessionsschulen zu Simultanschulen die Genehmigung versagt worden, der Cultuöministcr aber hatte zugleich feine Geneigtheit ausgesprochen, den besonderen Bedürfnissen der Posener eigenzearteten Verhältnisse durch Genehmigung einer von der allgemeinen Regel abweichenden Einrichtung des Posener Elementarschulwesens Abhülfe zu schassen. Deshalb beschlossen die städtischen Behörden, eine Simultanschule zu gründen für Kinder ohne Unterschied des Glaubens, deren Aeltern und Versorger sie freiwillig der Schule anvertrauen wollen. Die Simultaneität wurde von der Regierung in Posen gebilligt, der Wunsch jedoch, die Anstalt zu einer Freischule zu mache«, aus Sorge für das Gedeihen der Confessionsschulen abgelehnt; indessen überließ die Regierung die Feststellung der Höhe des Schulgeldes dem Ermessen der städtischen Behörden. Mit einem auf 3 Thlr. jährlich bemessenen Schulgeldsatze ist sodann zu Ostern d. I. diese Simultanschule ins Leben getreten und hat unzweideutig das Bedürfnis nach einer solchen Anstatt dargelegt. Gegen die Errichtung dieser Anstalt hat der Erzbischof Graf Ledochowski beim Eultusminister Protest eingelegt. Welches seiner Rechte durch eine städtische Anstalt verletzt wird, ist unklar; die Regierung in Posen trat ihrerseits ebenfalls der Anstalt entgegen, indem sie die Verdoppelung des Schulgeldsatzes verlangte. Beide Anträge, sowohl die des Herrn Erzbischofs wie den der Negierung zu Posen, hat Herr v. Mlihlcr abgelehnt. Trzemeszno (Posen), im November. (Privatm.) Zu den in der Eorresponden; aus Preußen <Nr. 46) angeführten Fällen der Verweigerung oder Jnhibirung des jüdischen Religionsunterrichtes in den höheren Lehranstalten können wir auch hierorts einen ähnlichen hinzufügen. In dem hiesigen Progymnasium befinden

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