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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-12-12 · Heft 50 (12.12.1871) · p. Seite 1001

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 50 (12.12.1871)
Date
1871-12-12
Page
Seite 1001 (sequence 7)
Language
German
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1001 Berlin, 26. November. Aus der letzten Liste der Frauen und Jungfrauen, welche das Lerdicnstkreuz erhalten haben, sind noch folgende nachzutragen: Frau Banquier Leanie Schwabach zu Berlin; Frau Kaufmann und Schiffsrheder Auguste Louise Selig' mann zu Muirpark in Partuk; Frau Commercienrath Sara Seligmann zu Eobleuz; Frau Adriennc Suskind zu Genf; Fräulein Elsbeth Unger zu Hannover; Frau Vr. mell. Sara Wiesenthal zu Neustadt-Magdeburg. Berlin, 28. Nov. (Privatmitth.) Gestern wurde die Session des preußischen Abgeordnetenhauses eröffnet, und zwar durch eine Thronrede Sr. Majestät des Königs. Man weiß, wie sehr die inneren Verhältnisse des preußischen Staates durchgreifender Reformen bedürfen. Der frühere Eouflict und die Kriege von 1866 und 1870 haben den Gang der letzteren sehr aufgehalten; erschwert aber wurde er noch mehr durch die Richtung, welche die einflußreichsten Ressortmiuisterien einhielten, und durch den Widerstand des Herrenhauses gegen jede liberale Reform. Wenn nun auch die deutschen Reichsgesetze einen Theil dieser Reform übernommen haben, so liegt doch Alles, was die innere Verwaltung, den Eultus uno den Unterricht betrifft, also die schwierigsten Fragen der Gegenwart auSmacht, außerhalb der Competenz des deutschen Reiches und der preußischen Gesetzgebung allein ob. Tickönigliche Thronrede verheißt nun diese Reformen. Wir heben auh ihr besonders folgende Stellen hervor: „Gegenüber den Bewegungen, welche auf dem Gebiete der Kirche stattgcfunden haben, hält Meine Regierung daran fest, der Staatsgewalt ihre volle Selbstständigkeit in Bezug auf die Handhabung der Rechts- oder der bürgerlichen Ordnung zu wahren, und zugleich neben der berechtigten Selbstständigkeit der Kirchen- und Religionsgesellschaften die Glaubens- und Gewissensfreiheit der Einzelnen zu schützen." „Behufs verfassungsmäßiger Durchführung dieser Grundsätze werden Ihnen besondere Vorlagen zugehen, welche die Eheschließung, die Regelung der Eivilstandsverhältnisse und die rechtlichen Wirkungen des Austrittes aus der Kirche zum Gegenstände haben." „Die von der Verfassungsurkunde geforderte Vorlage eines allgemeinen Uuterrichtsgesetzes lvird auch in dieser Session erneuert werden, nachdem die bei den früheren Berathungen stattgehabten Erwägungen und die 'Erfahrungen der letzten Jahre bei der Revision des Entwurfs eingehende Berücksichtigung gefunden haben. Ein Specialgesetz über die Beaufsichtigung der Schulen bezweckt die beschleunigte Abhülfe eines als vorzugsweise dringend erkannten Bedürfnisses." Es wird sich nun fragen, welchen Geistes die betr. Gesetzentwürfe sein werden, und wie weit das Herrenhaus seine Beistimmung gewähren wird. Was unsere Glanbensgenossenschaft betrifft, so fragt es sich, ob unter den die kirchlichen Verhältnisse betreffenden Vorlagen auch eine solche sein werde, welche die jüdischen Gemeinden behandelt, und andrerseits wird man den Entwurf des Uuterrichtsgesetzes abwarten müssen, um entscheiden zu können, ob von unserer Seite Etwas geschehen müsse, eine auch für uns günstige Gestalt zu erwirken. Berlin, 28. November. Die seiner Zeit von den Berliner Stadtverordneten zur Berathung der Frage confessionsloser Volksschulen niedergcsetzte Deputation ist einstimmig dahin schlüssig geworden, den Gemeindebehörden zu empfehlen, „für den Lehrplan in bcn Gemeindeschulen den Grundsatz aufzustellen, daß der Unterricht frei von jedem confessionellcn Standpunct ertheilt werde, womit selbstverständlich bei Anstellung der Lehrer die Rücksicht auf das Religionsbekenntniß aufhört. Der Religionsunterricht selbst wäre dann Lehrern der verschiedenen Eonfessionen in besonderen Abtheilungen zu übertragen." Die Deputation empfiehlt weiter: „den Magistrat zu ersuchen, die erforderlichen Schritte zur Ausführung dieses Beschlusses ungesäumt bei den Vorgesetzten Behörden zu thun." Berlin, 28. November. Ein schöner Zug vom Geheimen Eommcraenrath Herrn Bleichröder wird in der Stadt erzählt. Ein paar Repräsentanten der hiesigen jüdischen Gemeinde, die gewillt ist, durch die Liberalität ihrer Mitglieder einen neuen Flügel - an ihre Alterversorgungsanstalt auzubauen, um circa 50 Hilfsbedürftige mehr aufzunchmen, ging mit einer Liste herum, und zwar gierst zu Bleichröder. Derselbe frug, wie viel er Zeichnen solle. 20 bis 25,000 Thlr., war die Antwort, ist die Summe, die wir zum Baue brauchen. Dleichröder nahm die Liste und schrieb „fünfundzwanzig Tausend Thaler zahlbar an die jüdische Gemeinde zur Erbauung eines neuen Flügels für deren Alterversorgungsanstalt", und fügte lächelnd

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