Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1871)
- Date
- 1871-12-12
- Page
- Seite 1000 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1000 das Krankenhaus sind in der höchsten Blüthe. Er brauche nur Namen zu nennen, wie Langenbeck und Traube, die an der Spitze der Krankenanstalt ständen, und könne dann seinen Bericht über dieselbe schließen. Auch in praktischer Beziehung hätten die Repräsentanten ihrer Pflicht genügt. Sie verstünden zu rechnen und hätten von den Schulden, die der Synagogenbau veranlaßt, statutengemäß Capitalien amorrisirt. Die Berliner Gemeinde wäre von jeher als die maßgebende in Preußen betrachtet worden; deshalb habe sie, um nach Außen hin günstig zu wirken, die Synode beschickt, und ihren Deputirten sei die Ehre zu Theil geworden, an der Spitze derselben zu stehen. Lazarus und Geiger seien die Präsidenten. — Nicht minder bedeutend sei die Ausgabe der zukünftigen Repräsentanten. Es sei ihr Bestreben Ideale zu erreichen. Ein Mitglied der Gemeinde habe derselben ein .königliches, wenn nicht ein kaiserliches Geschenk gemacht: ein Waisenhaus ntüsse errichtet werden, Und eine große Summe sei von jenem Mitgliede zur Disposition gestellt. Die Aufgabe sei nicht so leicht, wie es den Anschein habe. Wenn im Anfänge eines solchen Institutes gefehlt wird, so ist der Fehler in pädagogischer Beziehung nicht wieder gut zu machen. Das Gebetbuch bedarf einer Revision, und diese sei schon dadurch geboten, weil dasselbe für alle drei Synagogen benutzt werden solle. Eine schwierige Frage sei der Ankauf eines neuen Friedhofes, weil der jetzige bald nicht mehr ausreicht und Vas Polizeipräsidium innerhalb des Weichbildes von Berlin keinen Begräbuißplatz mehr duldet; kurz, es häufen sich Fragen auf Fragen, die nur von liberalen, gesinmmgstüchügcu und versöhnlichen Elementen innerhalb des Repräsentantencollcgiums gelöst werden können. (Anhaltendes Bravo.) Ein Herr Hirschburg, Synagogenvorsteher in der Heidereuter Synagoge, hat die Compromisse, von denen der Borredner gesprochen, mißverstanden, und denkt, daß eine Versöhnung mit der Reformgemeinde stattgcfunden, weil er einige Namen von Mitgliedern derselben bei dem Wahlcomit6 unterzeichnet findet. Rechtsanwalt Meyer versucht es, diese Mißverständnisse aufzuklären, und will überhaupt nicht eine Discussion über den Makowerschen Bericht, sondern nur über das ausgestellte Programm zulassen. Ein Herr Levi betrachtet cs zum Ergötzen der Dersammltlng als seine Aufgabe, nachzuweisen, daß doch nicht Alles so gut und schön wäre, wie der Berichterstatter gemeint; drei Mal hätte Geiger am Bersöhnungßtage in der Heiderenter-Synagoge gepredigt, und das fei kein Weg der Versöhnung. Von Herrn Friedberg, der sich als Mitglied und Vorsteher der Reformgemeinde durch die beiden Vorredner verletzt fühlte, wird mit Recht nachgewiesen, daß jeder Reformer das Programm des Wahlcomitv s unterschreiben und ihm als steucrzahtendes Mitglied die Berechtigung zur actioen und passiven Wahl nicht abgesprochen werden könne; übrigens hätte sich Herr Levi mit seinem Mahnruf an eine falsche Adresse gewandt, denn wenn er auch den Inhalt des Programms übersehen, so hätte er durch die Unterschriften sich schon bewogen fühlen müssen, nicht in die Versammlung liberaler Wähler zu gehen. Schließlich müssen wir noch die Rede des 0?. Bramm hervorheben, die wohl einen Jeden von der Wichtigkeit der bevorstehenden Wahl überzeugt haben muß. Wir dürfen bei dieser Gelegenhcir nicht unerwähnt lassen, betonte er in seiner Rede, wie und auf welche Weise, die gegnerische Partei verfährt, um ihr Ziel zu erreichen. Man hat mit Entrüstung den Bannstrahl gelesen, welchen die 130 Rabbiner auf die Mitglieder der - Synode geworfen, einen Bannstrahl, wie er nicht brennender vom Vatican ausgegangen. Diese neue unerhörte Erscheinung unter den Juden, dem Verfahreil der Ultramontanen gleich, muß uns fester verbinden, um uns in unfern Rechten, ja in unserer Religion zu schützen. Erst kürzlich hat diese saubere Partei, sich in einem Immediatgesuch an Se. Majestät den Kaiser, sowie an das Eultusministerium wegen Aufhebung des Judengesetzes von 1847 gewandt, und sich nicht gescheut, die Dcnunciation auszusprechen, daß die jetzigen Leiter der Gemeinde, ihre Vorsteher, Repräsentanten und Rabbiner, zur Umsturzpartei gehörten; Umsturz alles Positiven in Religion und Politik sei ihr Glaubensbekenntniß. Ich frage Sie. meine Herren, fuhr der Redner fort, ob Männer wie Dem uth. Markuse u. s. w. Umsturzmänner sind'? Beweisen Sie durch Ihre Wahl, daß Sie dergleichen ultramontane Bewegungen im Judcnthum nicht aufkommen lassen, daß cs Ihnen in der That Ernst ist um die Erhaltung unseres reinen Glaubens. (Anhaltender Beifall.) Nachdem man nun über die einzelnen Eandidaten zur Abstimmung geschritten, wurde die Versammlung geschlossen.