Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1871)
- Date
- 1871-12-05
- Page
- Seite 986 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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986 Directorjubiläurn. Als Anerkennung der vieljährigen Verdienste, die sich derselbe in seinem Berufe erworben halte, wurde der hochverehrte Jubilar von Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzoge zum. Medicinalrathe ernannt und ihm auch von der hiesigen Stadt das Ehrenbürgerrecht zuerkannt, eine Auszeichnung, die zum ersten Male von derselben, so weit erinnerlich, Jemandem zu Theil geworden ist. Ucberhaupt erhielt der Jubilar von nah und fern, wo er als Arzt auf die uneigennützigste Weise thätig war, die mannigfaltigsten Beweise der Dankbarkeit und Verehrung. Wenn man bedenkt, daß die Israeliten in Mecklenburg das Bürgerrecht überhaupt seit einem Jahrzehnt wieder erlangt haben und erst seit 1860 viele Beschränkungen beseitigt sind, so verdient dieses Ereigniß wohl als ein Zeichen der Zeit unsere volle Beachtung. - Köln, 18. November. (Privatm.) Ein erzbischöflicher Erlaß, der im Katholischen Kirchenblatt veröffentlicht worden, verdient die allgemeine Aufmerksamkeit. Wir sehen ab von dem ersten Theile, der beit Gläubigen Gebete in der Adventszeit anempfiehlt für die Befreiung des Papstes aus seinem „Gefängniß", für die Rückkehr der abgefallenen Seelen, zur Abwendung der den Staat und die Kirche bedrohenden Gefahren, und für die Wiederherstellung des Friedens zwischen Kirche und Staat — obschon. man fragen könnte: wer bedroht gegenwärtig den Staat mit Gefahren, wenn nicht die Kirche? und wer stört den Frieden zwischen beiden, wenn nicht die Träger dieser Kirche? Wichtiger ist der zweite Theil; es wird darin denjenigen Pfarrern, welche in Fabrikorten oder in deren Nähe angcstellt sind, befohlen, innerhalb vier Wochen über eine Reihe von Fragen möglichst zuverlässige Mittheilungen einzusenden: wie viele Fabriken cs in dem Pfarrbezirke gebe, wie viele Arbeiter und Arbeiterinnen darin beschäftigt, wie viele davon katholisch seien, wie hoch der Wochenlohn sei, wo und zu welchen Preisen auswärtige Arbeiter und Arbeiterinnen Kost und Wohnung finden u. s. w. Den Kernpunct aber finden wir wohl in der Frage, wie den etwaigen Gefahren an Leib und Seele, denen die Arbeiter in den Kost- und Logishäusern ausgesetzt seien. Abhülfe geschasst werden könne, „z. B. durch Einrichtung von Kost- und Logishäusern unter Leitung barmherziger Brüder und Schwestern", und sodann in der Organisirung von Vereinen, durch welche den Nothständen entgegengcarbeitet werden soll. Wenn man voraussetzen könnte, daß hiermit Werke wahrhafter Menschenliebe und aufrichtiger Rothhülfe beabsichtigt würden, so könnte man dergleichen nur gut heißen. Aber die Sache liegt leider völlig anders, und was dieselben Männer bereits hinsichtlich der Handwerker und Gesellen nicht ohne Erfolg erwirkt haben, macht diese ihre neuesten Schritte nur um so verdächtiger. Zuerst ist cs schon schlimm, daß auf diesem Wege der confessionelle Unterschied, die kirchliche Spaltung in die Arbeiterwelt hineingetragen werden soll, die katholische Heerde von der protestantischen getrennt und nicht minder zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auch nach confessionellen Rücksichten unterschieden werden würde. In Norddeutschlaud, »vo die protestantische Bevölkerung soweit überwiegend ist, kann dies wenig fühlbar werden; aber in West- und Süddentschland wäre die Tragiveite keine geringe. Noch bedeutender aber würde die Ausführung durch die Macht werden, welche die geistlichen Führer über die Vereine der katholischen Arbeiter, über die Kostschulen unter der Leitung barmherziger Brüdern und Schwestern erlangen würden; sie würde bei jeder politischen Veranlassung benutzt werden und Wichtigkeit erlangen. Wir glauben hier nicht anzuschuldigen, wo die Thatsachen bereits so laut sprechen, daß der Reichstag um desseutwillen schon mehrfache Wahlen hat annulliren müssen. Man muß daher vorn Beginn an hierauf aufmerksam sein und die Fabrikherrn selbst dürfen nicht aus Gutmüthigkcit oder Schwäche die Hand dazu bieten. Es stehen uns nach allen Anzeichen schwere Zeiten des kirchlichen Haders und des religiösen Fanatismus bevor, und je unseliger solche Zeiten sind, desto mehr muß Jedermann dagegen bereit und gerüstet sein. Oestcrreichischungarische Monarchie. Wien, 20. November. (Privatm.) F. Wie bereits in voriger Nummer gemeldet worden, bringen die Ergänzungswahlen zum Vorstände der hiesigen israelischen Euttusgemeinde einige Bewegung hervor. Gestern Abend u. A. fand eine zahlreiche Wählerversannulung statt, in welcher so ziemlich alle Fractionen vertreten waren. Ein ausführlicher Bericht in d. Bl. würde kaum statthaft sein, da, wie es sich voraussetzen