Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1871)
- Date
- 1871-12-05
- Page
- Seite 982 (sequence 8)
- Language
- German
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992 pflichtigen israel. Kinder die Schule — währenddem Ln den letztgenannten Comitaten 80 pEt. der schulpflichtigen Kinder den Schulunterricht genießen. Allerdings ist hierbei nicht außer Acht zu lassen, daß der die Schule nicht besuchende Theil der jüdischen Kinder nicht ohne allen Unterricht verbleibt — dies ist bei den Juden nirgends der Fall — aber sie besuchen die Chedarim, wo sie hebräisch und die jüdisch-deutsche Schrift lernen — was allerdings Schulunterricht nicht zu nennen ist. Bor Allem sieht man, daß in Ungarn der obligatorische Schulunterricht, das ist der Schulzwang, für alle Confessionen ein geführt werden müßte, denn selbst die Evangelischen zeigen noch 36 Procent, welche die Schule nicht besuchen. Vielleicht entschließen sich die Ungarn hierzu, wenn erst die Franzosen dem Beispiel der Deutschen gefolgt sein werden. Jedenfalls aber entsteht aus diesen Verhältniffen für die ungarische Negierung die Verpflichtung, jüdische Lehrerbildungsanstalten zu gründen und durch Staatsmittel zu erhalten oder zu unterstützen, und zwar so bald wie möglich. Dekn gesetzt, man entschlösse sich zur Einführung des allgemeinen Schulzwanges, so würde es in allen Confessionen, besonders aber auch in der jüdischen, an Lehrern fehlen, welche die 58 mehr zu unterrichtenden Procente von Schülern versorgen könnten. Dennoch hat auch das jüdische Schulwesen in Ungarn eine Lichtseite. Aus den statistischen Daten erfahren wir, daß die Unterrichtskosten eines Kindes pr. Jahr durchschnittlich betragen: bei Katholiken 2 ft 59 kr. bei Protestanten 3 - 64 - und bei den Israeliten 12 - 07 - Ein ähnliches Verhältniß zeigt sich hinsichtlich der Lehrergehalte. Während der Gehalt eines Lehrers bei den Katholiken 183 fl. 68 kr. bei den Evangelischen 198 - 68 - durchschnittlich ausmacht, beläuft sich bei den Israeliten das durchschnittliche Jahresgehalt eines Lehrers auf 329 - 00 - Schließlich ersehen wir noch, daß auf einen Lehrer durchschnittlich bei den Katholiken 77 bei den Evangelischen 59 und bei den Israeliten nur 30 Kinder entfallen. An Opferwilligkeit der Juden, welche ihren Kindern Schulunterricht angedeihen lassen, fehlt es also auch hier nicht. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 19. Novemb. (Privatmitth.) 8. Gestern Abend fand auf Einladung der Herren VV. Aub, Geiger, Lazarus und Wertheim eine Versammlung statt, um eine Berichterstattung über die Augsburger Synode anzuhören. Nach dem Zahlenverhältniß unserer Gemeinde war die Versammlung wenig besucht, was vielleicht dem Umstande zuzuschreiben ist, daß man eine so lange Zeit bis zu dieser Berichterstattung hat verstreichen lassen. Es waren viele Damen und auch Vertreter der gegnerischen Richtung erschienen. Prof. Or. Lazarus sprach zuerst und zwar wie gewöhnlich in schwungvoller Rede, die oft von anhaltendem Beifalle unterbrochen wurde. Er setzte auseinander und rechtfertigte die allgemeinen Grundsätze der Synode, und klagte den Jndifferentismus der Gemeinden an, der den Rabbinern nicht die Mittel zur Reise darbiete, und sich z. B. in der lächerlich kleinen Anzahl verkaufter Verhandlungen der Leipziger Synode manifestirt habe. Er zeigte an, daß die Resolutionen der Augsburger Synode bald im Buchhandel erscheinen würden. — Nunmehr ergriff Geiger das Wort, verlas die Resolutionen und charakterisirte sie in langer Rede, wobei er zeigte, daß die Synode sich dies Mal auf dem „Gebiete des Tatsächlichen^ bewegt habe, weil dieser doch nur von den Gemeinden abhänge, während die Gegenstände z. B. des Eherechts aus der Ueberzeugung der Rabbiner fließen. Haben wir hierin den Redner richtig verstanden, so liegen die Widersprüche klar zu Tage. — Schließlich hatte Aub die schwierige Aufgabe, das schon ermüdete Auditorium aufmerksam zu erhalten, und nahm hierbei seine Zuflucht zum Humor, indem er sich über die, die Sabbathgesetze betreffenden Resolutionen ausließ. Wir wünschen, daß durch diese Versammlung die Zahl der hiesigen Anhänger für die Synode recht stark vermehrt worden sei. Berlin, 20. November. Bei der Berathung in der heutigen Reichstagssitzung über die Einführung des! norddeutschen Bundcsgesetzes vom 9. November 1867