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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-11-28 · Heft 48 (28.11.1871) · p. Seite 973

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 48 (28.11.1871)
Date
1871-11-28
Page
Seite 973 (sequence 19)
Language
German
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973 driickliche Gebet ZoroasterS erfolgt sei (qnod Zoroasircs procalus est, ut moriUirus fulmine iclus intcrirel). Auch dieser Legende liegt, meines Erachtens, die biblische Erzählung vom Tode Eliahu's zu Grunde (vgl. 2 König. 2, 10). Eine neupersische Quelle (das Sadder Bundehesh bei Spiegel S. 706) erzählt den Tod ZoroafterS anders. Auf die Frage, warum eine solche ausgezeichnete Person wie Zoroaster überhaupt habe sterben müssen,*- wird das Auskunftsmittel als Antwort gegeben, weil in dem Falle, daß Zoroaster ewig lebte, Die Auferstehung unmöglich gewesen wäre.**) Darauf habe Ormuzd dem Zoroaster auf einen Augenblick Allwissenheit gewährt; dieser habe dann die Freuden des Paradieses und die Leiden der Hölle überschaut und sich mit der Anordnung des Ormuzd zufrieden gegeben. Auch diese Relation klingt an den Bericht der Bibel an lDeuteron. 3, 25 f.; 34, 1 f.), wonach Moses der Einzug ins gelobte Land verwehrt und ihm geheißen wurde eine Anhöhe zu besteigen, von wo aus er das Land der Verheißung überschauen könne. * * * Ueberblicken wir nun das zur Vergleichung sich von selbst darbietende, hier behandelte. Material, so werden wir das Ergebniß unserer angestellten Untersuchung in den Satz zusammenfassen dürfen: Die Z o roast erlegenden sind, wenn wir sie ihres erümschenGewandes entkleiden, dem in ihnen zum Ausdruck gebrachten Grundgedanken nach, zum Theil fast wörtliche Entlehnungen aus den zumeist über Moses handelnden biblischen Berichten, zum Theil aber durch das Prisma baktrischer Sagengeschichte gebrochen in die Erscheinung tretende Reflexe derselben. Daß diese Sagengeschichten schon in der talmudischen Geschichtsperiode beim Volke in Umlauf gesetzt gewesen sein mochten, beweisen die mancherlei Reminiscenzen, deren die Agadah gedenkt und von denen wir einige in den Anmerkungen verzeichneten. Und so sehen wir denn die Eingangs behauptete zwischen Judenthum und Parsiömus obwallende Wechselbeziehung zwischen Geben und Empfangen auch an dem Beispiel der Zoroasterlegenden — und bei den trümmerhaften Ueberresten der persischen Schriftdenkmäler ist dieses Beispiel, denken wir, auch kein zu verachtender Gewinn — unstreitig erhärtet. Das Auffinden der Demarcationslinie in dieser Wechselwirkung aber ist, nicht *> Diese Frage wird auch im Midrasch in Bezug auf Moses aufgeworfen. Bergt, die herrliche Sage vom Tode Mosiö Ende von Debarim Rabba ((£. II). **) Deb. Rabba 1. c. wird ebenfalls das Sterben Mosis mit der Auferstehung in Verbindung gebracht s'? cN — Nach einer anderen Ansicht sott das Sterben Mosis die Anserstehung der in der Wüsteuwanderung Gestorbenen ermöglichen. Siehe überhaupt Jattut Ende Debarim. bloß vom culturhrstorischen, sondern auch vom jüdischgeschichtlichen Gesichtspunct betrachtet, höchst belangreich, insofern sie uns den mächtigen Einfluß des Judenthums auf das gebildetste ynd dem Monotheismus am nächsten kommende Volk des heidnischen Alterthums darthut — einen Einfluß, welcher die Triumphe des Judenthums um einen vermehrt! Tragikomisch. Unter dieser Ueberschrift bringt die „N. Fr. Pr." die Besprechung eines jüngst erschienenen „Trauerspiels h fünf Abtheilungen, Saul, von Dr. Schottky" (Breslau, Gosohorsky», die wir hier zum Ergötzen unserer Leser wiedergeben. Wir gestehen ehrlich, dieser Titel reizte uns wenig zur kritischen Lectüre. Denn es giebt schon hundert dramatische Jugendsünden: „Saul und David!" oder: „David und Saul!" Aber als wir einen Blick auf das Personenverzeichniß geworfen, wuchs uns plötzlich ein fröhlicher Lesemuth. Denn wen muthet es nicht heiter an, „am Hofe Sauls Gesandte der Philister" zu finden :— oder, wie der Verfasser stets schreibt: Gesaute, wie auch: tun, Her, nötig u. s. w. — „Herren und Frauen, Trabanten, Kammerfrauen". David wird uns als Samuels Pflegesohn vorgestellt, ein Bauer und „ein anderer Bauer" wird uns versprochen und schließlich noch „Nachfolger Davids". Diese Letzteren haben wir leider nicht herausfinven können. Wir suchten nach Thronfolgern, wahrscheinlich meint der Verfasser Anhänger Davids. Sonst wurden unsere heiteren Erwartungen durch die Lectüre in jeder Hinsicht nur übertroffen. Wir wurden auf jeder . Seite an die „Schöne Helena" und „Orpheus in der Unterwelt" erinnert, und an die Zeiten der französischen Ludwige, wo die alten Götter und Juden und Griechen und Römer auf Gemälden und auf der Bühne in den modernsten Riesen-Allongeperücken erschienen. Es hieße Papier und Zeit verderben, wollten wir Act für Act, Scene für Scene hier beleuchten. Verzichten wir auf die „Säle und Vorzimmer in Sauls Schlosse". Ergötzlicher ist der Zweikampf zwischen David und dem Riesen Goliath, dem „grobklotzigen Eisenfresser". Goliath hat die Herausforderung im besten Paukcommeut durch einen Philister an den Hof Sauls gesendet. Aber.Saul hat Niemanden, den er dem berühmten Paukhahn Goliath, der noch niemals abgeführt ist, gegenüberstellen könnte. Da tritt des Hohenpriesters Samuel Pstegesohn, „in dem es mächtig gearbeitet", vor und ruft in fünffüßigen Jamben aus: „Halt, ich werde den Kampf besteh'n!" Allgemeine Ueberraschung. Sauls Krieger nennen den Knaben einen Hirnverbrannten, Schwärmer. Nur Samuel umarmt ihn feurig: „Du bist ein edles Blut, und deinen Drang Versteh' ich. Geh, ich segne dich mit Stolz Dazu; ich hält' es selbst gethan. ...

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