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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-11-28 · Heft 48 (28.11.1871) · p. Seite 974

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 48 (28.11.1871)
Date
1871-11-28
Page
Seite 974 (sequence 20)
Language
German
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974 Großmüthig verzichtet David auf seine Hirtenschleuder als Waffe: „Die Schleuder? Nein, das hieße ja Den Sieg mir vor dem Kampfe sichern. Doch Was thun?" Der edle Jonathan (vortretend, mit Wärme) weiß Rath. Er bietet David seine Rüstung und sein Schwert. Und bald sehen wir den grobklotzigen Goliath und den kleinen David, von dem Samuel rühmt: „Sein schlanker Körper ist Ganz Sehn' und Muökel, wie von Eisen, und Geschmeidig wie der erzgetrieb'ne Bügel Am zielgewiffen Bogen Jonathans," sich auf freiem Felde zwischen den Lagern der Philister und Juden auf der Mensur gegenüberstehen. „Mein Fant" — touchirt Goliath jetzt noch etwas uncommentmäßig, dann „ziehen sie, und nachdem sie sich einen Moment gemessen, kreuzen sie die Schwerter; der Kampf, von Goliath mit mehr Wncht, von David mit mehr Behendigkeit geführt, dauert eine kurze Weile, da erhält Letzterer einen Schlag, der ihn einknicken macht." Aber David ruft: „Nichts! ein leichter Nitz! Es ist nichts! Weiter!" — Goliath spielt den Großmüthigen, doch David besteht auf Fortsetzung des Kampfes — „und bald schlägt David dem Goliath eine tiefe Halswunde, aus der ein Blutstrom quillt, Goliath „niedertaumelnd" stirbt, David jubelt: Sieg! Sieg! u. s. w." — Wer von unseren Lesern hätte aber wohl in dem alten Hohenpriester Samuel einen solchen feinen Hofmann gesucht, wie Dr. Ernst Schottky ihn uns schildert: „Prinz Jonathan, es freut mich, Daß mir Gelegenheit noch wird, auch dir Ein Lebewohl zu sagen. Ich verlass' den Hof!" Und wie schlau der alte Fuchs gegen König Saul conspirirt! Wir empfehlen das Trauerspiel „Saul" allen Napoleoniden und Isabellen und Georgen als lehrreiche Lectüre. Und wie fein tragisch läßt der Verfasser ihn enden! Im Hause zu Endor erscheint er dem Saul — nicht als Geist, citirt von der bekannten Hexe — sondern als Fleisch und Bürt im gespenstischen Nachtgewande. Saul glaubt aber einen Geist zu sehen, bis sein Diener den alten Herrn niederhaut. Die tragische Liebhaberin ist natürlich Michal, Sauls verliebte Tochter. „Prinzessin Michal verabschiedet sich mit innigem Küsse von David", dann entflieht sie mit ihm in Männerkleidern aus dem väterlichen „Schlosse". — Echt shakespearisch, fehlt es der Tragödie „Saul" auch nicht an einer lustigen Episodensigur. Hier ist es „ein Wanderer", der auf der Jagd mit den: Prinzen Jonathan zusammentrifft. — Jonathan hat die nach oben zielende Armbrust sinken lassen, er kann das edle Thier nicht tödten, hält einen sehr gefühlvollen Monolog darüber, läßt sich nieder und schaut träumend in den Sonnenuntergang. Ein Wanderer tritt 'auf, ist aber — wie ja auch häufig bei Shakespeare — nicht geübt in fünffüßigen Jamben und steckt sogar unseren poetischen Jonathan mit seiner Prosa an. Wanderer: „Halloh! da sind' ich waS Menschliches, endlich! He, guter Freund!" Jonathan: „Was störst du mich?" Wanderer: „Mit Verlaub des gnädigen Herrn — meinen unterthänigsien Kratzfuß" u. s. w. Jonathan giebt diesem kostbaren „Naturburschen" schließlich — echt theatralisch — seine wohlgefüllte prinzliche „Börse". — Seine ganze tragische Kraft hat unser Dramatiker natürlich für die Schlußscene aufgespart: Brennendes Lager — kämpfende Juden und Philister — Saul fällt — sein treuer Diener Doeg fällt — einige Dutzend Juden und Philister fallen — Prinzessin Michal wird als gute Beute von wüsten Kriegern auf die Bühne geschleppt. . . „Mein Vater todt!" (reißt sich los und wirft sich über Sauls Leiche). David „tritt auf an der > Spitze einer stürmischen Schaar — tobtet den „philiftinischen" Anführer — dessen Leute werden niedergemacht und verjagt" — Liebessceue zwischen Michal und David, bis unter einem Trauermarsche Krieger eine aus Waffen und Mänteln gebildete Bahre mit dem sterbenden Jonathan auf die Bühne tragen. Der ernennt mit letzter Lungenkrast David zum König der Juden — und die Scene zeigt eine Leiche mehr. David schaut „mit thräneuschwerer Erhebung nach oben" — der Vorhang fällt zum letztenmale. — Wir glauben dieser Tragödie in guter Possenbesetzung einen großen Erfolg versprechen zu können. Das hin und wieder nicht ganz classische Deutsch »z. B. „Es ist ja nickt Mensch noch Thier hier, was stören möchte!" — „David, wenn wirst du bei mir sein?") und die ziemlich freisinnigen Jamben, in denen z. B. David bald auf dem a, bald auf dem i den Accent hat, würden kein Hinderniß sein — im Gegentheil! Vermischtes. Die neun durch Decret vom 14. August in Madrid jüngst naturalisirten Juden heißen: Josef Ovadia Eilery, Jacob Salama Note. Josef Salnina Rofc, Abraham Asorad Mengualid, Semlob Rencbiuoi Levi, Mordogay Ovadia Edery, Menohen Ovadia Edery, Aaron Ovadia Edery, Juda Ovadia Benzuyan. Die eigentliche Nationalität dieser Herren kann man darum nicht erkennen, weil ihre Namen bereits hispanisirt sind. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. Druck von I. B. Htrfchfeld. Verantwortlicher Revacteur Dr. H. Lotze.

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