Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1871)
- Date
- 1871-11-28
- Page
- Seite 972 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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972 Gott Zeichen.. Er sieht einen feurigen Berg, schreitet, wie ihm besohlen wurde, durch das Feuer, und kein Haar ward ihm versengt. Dann öffnete man ihm den Leib und nahm die Eingeweide heraus, legte dieselben wieder hinein, und Zoroaster fühlte keine Beschwerden. (Spiegel I. e. S. 695.) Auch in dieser Erzählung ist eine Entlehnung aus der biblischen Erzählung über die Berufung Mosis nicht zu verkennen. Der feurige Berg des Zoroaster ist der brennende Dornbusch Exod. 3, 2, in welchem ein Engel Gottes Moses erschien. Und das zweite Zeichen, welches Zoroaster an sich erfahren hat, erinnert an das zweite Zeichen, welches Gott an der Hand Mosis vollzog. iDas. 4, 6.) Aber noch ein drittes Zeichen erhält nach der Sage Zoroaster, indem geschmolzenes Blei auf seine Brust geträufelt wurde, ohne daß er Schmerz gelitten halte. Vielleicht erinnert auch dieses dritte Wunder an das dritte dem Moses genannte Zeichen vom Aus gießen des Wassers (das. 4, 9), welches Angesichts deS Volkes sich zu Blut umwandeln solle. Die Sage weiß übrigens mit diesem dem Zoroaster gegebenen Wunder nichts anzufangen, und legt es (ungeschickt genug) als Prophezeiung aus auf Aderbät Mahreöfanv, dem man dasselbe thun würde, ohne daß er Schaden litte. VI. Von der Zeit der Berufung zum Propheten an beginnt die eigentliche Thätigkeit Zoroasters. Unzählige Mal wird im Zendavesta auf Zusammenkünfte deS Zoroaster mit Ormuzd hingewiesen und die von ihnen gepflogenen Unterredungen haben persönlich zwischen beiden im Garonemäna, dem höchsten Himmel, dem Sitze Ormuzds, stattgesunden. Alles dieses, nur in ungleich ethischerer Fassung,' gilt von den Moses gewordenen Befehlen, welche die Gottheit ihm durch ein uns unerklärliches Medium der Unterredung*) bei-- gebracht hat. Ist also schon die äußere^ Einkleidung, in welche die von Ormuzd an Zoroaster persönlich gerichteten Befehle gehüllt sind, der biblischen Darstellung entlehnt, so sind die betreffs der Promulgirung des Ormuzdgesetzes gegebenen^ Berichte der spätern Quellen so zu sagen ein Plagiat der biblischen Schilderung der Sinawssenbarung (Exod. C. 19). Diese späteren Quellen berichten nämlich: Zorvaster habe sich auf einen Berg zurückgezogen und sei von da mit dem Avesta zurückgekommen. Dieser Berg sei dann, wie anderwärts**) gesagt wird, in Flammen gerathen, dann habe — wie Dio Chrysostomus aus Prusa in seiner borysthenischen Rede T. II. p. 60 ed. Dindorf bemerkt — „der Berg durch vieles von oben herabstürzendes Feuer sich entzündet und anhaltend gebrannt, weshalb der *) Dgl. die herrliche Schilderung von Rum. 12, G f. und die Eommcutatvren dazu. **) Vgl. über die Quellennachweisung bei Spiegel, Erän. Alterth. S. 697. König mit den Angesehensten der Perser sich ihm in der Absicht genähert habe, den Gott anzubeten; da sei Zoroaster unversehrt aus dem Feuer getreten, ihnen huldvoll erschienen und habe sie geheißen guten Muthes zu sein und einige Opfer oarzuörlngen, da Gott zu seinem Orte gekommen. Hierauf habe er nicht mit Allen verkehrt, sondern nur mit den der Wahrheit Geeignetsten und für den Umgang mit Gott Fähigsten." Fast jeder Zug der hier gegebenen und auch aus dem Urtext zum Theil beglaubigten*) Schilderung ist der biblischen Darstellung entnommen. Auch hiernach hat Moses der versammelten Menge nach siattgchabter Gesetzesossenbarung Muth eingeflößt (Exod. 26, 16 f.) und die „Bevorzugten in Israel"**) Opfer darzubringen geheißen ldas. 24, 5). Daß ferner auch Moses ifreilich nach der Verfertigung des goldenen Kalbes) sich aus dem Lager zurückzog und dem Volke weniger zugänglich geworden, berichtet ebenfalls Exod. 34, 7 ausdrücklich. Vielleicht ist in obiger Schilderung, daß Zoroaster nach der Gesetzesverkündignng nur mit den Auserkorenen verkehrte, an Exod. 35, 29 f. zu denken, wo es ebenfalls heißt, daß nachdem Moses mit den Gesetzestafeln vom Berge herabgekommen, die Haut seines Antlitzes erstrahlte und das Volk sich vor seinem Anblick fürchtete. Im Anschluß an das hier Erzählte, daß Moses -40 Tage und Nächte weder Speise noch Trank zu sich nahm, sei Erwähnt, daß Plinius und Plutarch von Zoroaster Aehnliches berichten ***), insofern erfterer den Zoroaster zwanzig Jahre lang von Käse leben, letzterer aber ihn gar außer Milch weder Speise noch Trank Zeit seines Lebens(l) genießen läßt. VII. Trotz der erwähnten Mythe, wonach Zoroaster nach dem Empfang des Avesta sich in die Einöde zurückgezogen haben soll, spricht das Avesta, in Uebereinstimmung mit der späteren Zoroasterlegende, von der Sendung Zoroasters an den König Mst'uHa (Gushtasp bei den Späteren), der Anfangs ein Ungläubiger war. Die Sage läßt den Zoroaster am königlichen Hofe Wunder verrichten (vgl. Spiegel I. e. S. 698 f.). Auch diese Darstellung scheint uns eine Nachbildung der biblischen zu sein, der zu Folge Moses gleichfalls an Pharao gesandt wurde, vor dem er Wunder verrichtete. VIII. Biele untergeordnete Einzelheiten, die an biblische Analogien streifen, übergehend, sei nur noch die Legende über den Tod Zoroasters erwähnt. Die abendländischen Quellen nehmen an, Zoroaster sei durch ein übernatürliches Feuer aufgezehrt<a coelesti flamma <lepasius interiii) und in den Himmel zurückgenommen worden (Spiegel S.706); eine Todesart, welche aus das ausibjjl. Lvmdliwman „Michra" S. 62 f. 0) * j 3# unsere Arbeit „Kritische Beleuchtung der persischen Pcutateuchuterietzung von I. b. I. Trvus" S. 286 über die Erklärung dieses Satzes. ***; Die Stellen sind bei Spiegel I. e. S. 697. Amncrk. 4 untgetherlt.