Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1871)
- Date
- 1871-11-28
- Page
- Seite 971 (sequence 17)
- Language
- German
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Allgemeine Feuilleton-Beilage M Nr. 48. Leipzig, den 28. November 1871. . Biblische Quellemrachweisung einiger Zoroasterlegenden. Don vr. Alexander Kobut, Oberrabbmcr in Ltuhlwcißenburg. (Schluß). n. Zn der Sagengeschichte des Zoroaster sehen wir schon die ersten Fäden der Mythe gesponnen, ehe noch der Held der Sage ins Dasein getreten ist. Die Legende läßt die Bedeutung des Sohnes der Mutter im Traume verkünden.*) Wir übergehen diesen Traum und erwähnen bloß, „daß man einen Lichtberg kommen sah, und als das Licht sich näherte, ging ein schöner Jüngling aus demselben hervor,**) der in der Linken einen Stab, in der Rechten eine Schrift hielt." Der Stab bedeute, sagten die Traumdeuter, die göttliche Majestät, welche Wunder verrichtet, die Schrift aber sei ein Symbol des Prophetenthums. Wer erkennt nicht in dieser Darstelluug die Nachbildung der biblischem Erzählung vom Wunderstab Mosis und dem durch Moses gcessenbarteu Gottesgesetze? Hl. Die Gegend, in welcher Zoroafter geboren wird, gehört einem König Duränsarün. Als dieser Tyrann und Ungläubige von der Geburt des Zoroafter hörte und einsah, daß es mit seiner Macht, falls das Kind zu Kräften käme, zu Ende ginge, begab er sich schleunig in die Wohnung des Poürushaypa (Vater des Zoroafter), wo er das Kind in der Wiege fand.***) Ergrimmt *> Manchen dieser Sagenausschmülkniigcn begegnen wir auch im Midrasch mit der Anwendung aus Moses. So heißt cs Beresch. Radba E. t. auch von Moses, daß seine Geburt von Mirjam gewcissagt wurde. **) Daselbst heißt es ferner: „als MoscS geboren wurde, füllte sich das Haus mit Licht". ***) Es ist eine weit verbreitete crünischc Sage, daß Horoaster bei der Geburt gelacht habe. Dgl. Spiegel (Eränsiche Alterth. S. f>$9). dem wir in unserer Darstellung hier folgen. Diesen mythologischen Zug kennt auch der Midrasch l. <\, indem er, an Exod. 2, 6 anknüpfcnd, bemerkt: btOl32 83 17?3D 1271-2-, TW ib*1 * * IV. V. 71313 1-2 N-N1 .7i33->o -ns rraa? nsm zog er den Dolch, um es zu ermorden, allein seine Hand erlahmte, ehe er den tödtlichen Stoß führen konnte, und das Kind war gerettet. Auf den Befehl des Königs legte man daS Kind auf einen,schmalen Pfad, über welchen eine Heerde von Ochsen ziehen mußte, allein das größte unter den Rindern nahm das Kind zwischen feine Füße und verhinderte, daß demselben ein Leid zugesügt werde. — Auch in dieser erünisch gefärbten Sage ist der Grundzug insofern der Bibel nachgebildet, als der neugeborene Moses vor den Nachstellungen Pharao's ebenfalls wunderbar gerettet wurde. IV. Zoroafter wuchs heran, nachdem er eine prüfungsreiche Leidensschule durchgemacht hatte, und trat mit seiner Lehre in Airyana-väeja auf. Hier fanden aber seine Worte keinen Anklang, und er beschloß mit seinen Getreuen auszuwandern. Dieses Zuges bemächtigte sich die Legende, und führt sie weiter so auS: „Nachdem man bereits eine Zeitlang gewandert ist, kommt man an ein Meer, das überschritten werden soll, aber weit und breit ist kein Fahrzeug zu sehen, und Zoroaster findet cs unanständig, daß die Gesellschaft sich entkleide, da Frauen unter derselben sind. Ein Wunder hilft über die Schwierigkeiten hinweg: als Zoroafter nämlich seine Hände im Gebete ausftreckt, theilt sich das Wasser und die Gläubigen ziehen trockenen Fußes hindurch". Spiegel (>. e. S. 694), dem die angeführten Worte angehören, bemüht sich um eine plausible Erklärung, wie man nach der Darstellung dieser Sage ein Meer durchschwimmen könne! Daher meint er. unter dem Meere sei der Seoansee zu verstehen. Allein wie die durchschossen gedruckten Worte unstreitig zeigen, ist diese Legende nichts anderes, als ein Reflex der biblischen Erzählung vom Auswandern der Israeliten aus Aegypten und ihr Durchzug durch das rothe Meer, welches sich, nachdem Moses gebetet (Exod. 14, 14) und seine Hände über Vas Meer ausstreckte (das. 26 f.), theilte, und „die Israeliten gingen trockenen Fußes durch das Meer" (das. 29). V. Nachdem Zoroaster auf erünischem Boden angelangt war, beginnt seine prophetische Berufung, indem er durch Vermittlung deS Ameshaepent Vsihu - manü zu Ormuzd geführt wird, von dem er die Erlaubniß erhält, ihm Fragen vorzulegen.^Darauf empfängt Zoroaster von