Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1871)
- Date
- 1871-11-28
- Page
- Seite 964 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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964 die betreffenden Stellen wörtlich mittheilen und solche Vorgänge in jedem ihrer Hefte zu melden haben, so wird man uns doch nicht mehr der Parteilichkeit zeihen, wenn wir dergleichen aus Frankreich melden, da wir doch, wenn dergleichen in Deutschland geschieht, gewiß nicht damit zurückhalten — ebenso wie wir mit Freuden jeden Fortschritt auf dem Wege des Rechts und der Menschenliebe aus allen Theilen der Erde begrüßen und bekannt machen. Großbritannien. London, LI. November. Wir haben die Erhebung des Herrn Jessel zum Sollicitorgeneral gemeldet. Er unlß sich deshalb einer Neuwahl für das Unterhaus unterwerfen. Lieber diese Wahl schreibt man der K. Z.: Trotz dringender Mahnungen der Toryblättcr ist von Seiten der conservativen Partei in Dover bisher kein Eandidat aufgestellt worden, um dem neueruanntcn Solicitorgeneral (Jessel) seine Wiedererwählung streitig zu machen. Vielleicht unterläßt sie es ganz und gar, unter der Bedingung, daß die Liberalen sich mit dem Einen Sitze begnügen und den conservativen Vertreter der Stadt (Major Dickson) bei der nächsten allgemeinen Wahl ungeschoren lassen. Ein derartiger Eompromiß ist, so viel wie bekannt, vorgcschlagen, vielleicht zur Stunde auch angenommen worden. Herr Dr. Marks hat, wie die I. Eh. berichtet, vom philosophischen Institut zu Edinburgh, sowie aus Stirling, Dundee u. a. O. die Einladung erhalten, mehrere Vorträge über „die Juden in der Gegenwart" zu halten. Derselbe wird dieser Aufforderung Ende November und im Laufe des DecemverS Nachkommen. Dr. Marks, Prediger der Reformgemeinde in London, ist bekanntlich ein sehr guter Redner und wird sicherlich den Gegenstand trefflich behandeln. Jedenfalls erkennt man daraus die Borurtheilslosigkeit der Engländer und das Streben derselben nach richtiger Erkenntniß. Dona u s ü r st c n t h ü me r. Bukarest, 13. November. Die Regierung befahl die Entfernung der jüdischen Beamten von der Stroußbergischen Bahn. Rußland. Von der russischen Grenze, 10. Nov. (Privatm.) Die Nachricht der Poscncr Zeitung (in Nr. 43 der A. Z. d. Judenth.) in Bezug auf den Gewissenszwang auf jüdische Schüler ist für die Gegenwart — mtd, wie zuversichtlich anzunehmen, auch für die Zukunft — vollständig erfunden; weder in Wloclawek, wo doch auch ein von vielen jüdischen Schülern besuchtes Gymnasium ist, noch in Warschau ist von einem Zwange, am Sonnabend zu schreiben, irgend'die Rede. Es kann sein, daß ein Lehrer ein Mal in seinem Rischus eine dahinzielende Aeußcruug gethan, die dem Eorresp. der Pos. Z. zu Dhren gekommen und gleich als Regierungswille erscheint. Aus Rußland, im Dctobcr. In der am 18. August d. I. im Lyceinn des „Kronprinzen Nikolaus" unter Vorsitz des Generalgouverneurs Fürsten Dolgorukow und in Gegenwart des Eurators des Moskauer Lehrbezirks Schirinski - Schichmatow stattgefundeuen Sitzung des Schulraths wurde n. A. Herr S. Palakow, welcher der genannten Unterrichtsanstalt ein prachtvolles Gebäude im Werthe von 75,000 Rubeln zum Geschenk gemacht, zum Ehrencurator des LyccumS ernannt. Die gleiche Auszeichnung ist demselben von Seiten des Euratoriums des Gymnasiums zu Jelezk, Gouvernement Orlow, zu dessen Errichtung Herr Palakow bekanntlich 200,000 Rubel gespendet, zu Theil geworden, wozu auch bereits die kaiserliche Bestätigung erfolgt ist. (Wiestnik). Wie dem „Wiestnik" aus Kischinicw geschrieben wird, sind im Schooße des dortigen Magistrats seitens des Stadtpräsidcnten die vielfachen Ucbelstäude zur Sprache gebracht worden, welche aus der Einrichtung der „Krupkc" auf den Flcischhandel sowohl für die jüdische wie für die christliche Bevölkerung sich ergeben. Es wurde beschlossen, eine Commission zu wählen, welche sich namentlich mit der Frage zu befassen hat, auf welche andere bessere Weise die für die Bedürfnisse der jüdischen Gemeinde nöthigen Geldmittel zu beschaffen seien. Die g-nannte Commission wurde ans 5 Juden und 3 Christen gebildet. In einer etwa 8 Werst von dem Städtchen Keretz, Gouvernement Wolhynien, entfernten Branntweinbrennerei ist vor Kurzem ein schauderhaftes Verbrechen