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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-11-28 · Heft 48 (28.11.1871) · p. Seite 965

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 48 (28.11.1871)
Date
1871-11-28
Page
Seite 965 (sequence 11)
Language
German
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965 an einer jüdischen Familie begangen worden. Raubmörder überfielen die Rosenthal'schen Eheleute, ermordeten die Frau, brachten dem Manne sehr gefährliche Schnittwunden am Halse bei und plünderten die Wohnung der so schändlich Ueberfallenen. Dankbar hervorgchoben zu werden verdient das warme Interesse, welches der Untersuchungsrichter, Herr Gerichtsassessor Nikolaus Krosnikowski, der nnglücklichen Familie bezeugt, indem er nicht nur für die Unterbringung des Rosenthal in einer kesseren Wohnung wie für die Herbeischaffung der tüchtigsten Aerzte Sorge trug, sondern auch eine von dem besten Erfolge begleitete Eollecte veranstaltete, um während der Arbeitsunfähigkeit des Rosenthal die armen Angehörigen desselben vor jeder Noth zu schützen. (Wiestnik). Unter den von der „ökonomischen Gesellschaft" für Leistungen auf dem Gebiete des Fabrikwesens Pramiirten befindet sich auch einer unserer Glaubensgenossen, der Ehrenbürger Herr Moses Weinstein in Kiew, der durch Vermittelung der „Gesellschaft der Kiewer Naturforscher" für die von ihm fabricirten Flaschen mit der silbernen Medaille ausgezeichnet wurde. (Wiesln.) Die nach einer ganz neuen Methode gearbeiteten „Logarithmischen Tafeln"' des Herrn Pineto werden nicht allein von allen Fachmännern sehr gelobt, sondern haben auch seitens der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften lebhafte Anerkennung gefunden. — Der erste Band der von Herrn Landau herausgcgebenen, in russischer Sprache erscheinenden „jüdischen Bibliothek" findet auch beim russischen Publicum einen großen Leserkreis und lebhafte Beachtung. Das Erscheinen des zweiten Bandes steht bevor. — Tie von Herrn Mandelstamm edirte russische Bibelübersetzung soll nun alsbald im Buchhandel erscheinen; den Anfang werden die Psalmen machen. (Wiestnik.) In Pawlowsk sind im Sommer für die Kinder der dort auf Sommerwohnung lebenden vornehmen russischen Familien allerlei turnerische und militärische Spiele arrangirt worden, an denen auch Knaben jüd. Aeltern, 18 an der Zahl, unterschiedslos Thcil genommen haben. (Wiestnik.) Am 17. September hat in Odessa die zweite Serie der Schwurgerichtsverhandlungen gegen die während der bekannten Osterexcefse Verhafteten begonnen, welche, 50 an der Zahl, noch nicht zur Aburtheilung gekommen. In der ersten Serie sind bekanntlich 79 zu Zuchthaus, 191 zu Stadtarrest, und 107 zu höheren oder niedrigern Geldstrafen vernrtheilt worden. Petersburg, 11. Nov. (Privatmitth.) Wie die öffentlichen Blätter berichten, ist innerhalb der zuständigen militärischen Commission die Frage erörtert worden, ob Juden als Officiere zuzulassen seien oder nicht. Ein Theil sprach sich dahin aus, daß diejenigen Israeliten, welche die höheren Unterrichtsanstalten, wie Gymnasien, Real-.oder polytechnische Schulen, Universitäten oder Akademien besucht haben, rückhaltsnnd bedingungslos zugelassen werden müßten; ein anderer Theil meinte, daß die Zeit dazu noch nicht gekommen sei. — Hoffentlich wird die Ansicht jener den Sieg davon tragen, da die russische Negierung, wie die Beförderungen von Juden zu allen übrigen Staatsämtern beweisen, nicht von jenem kleinlichen Geiste der Intoleranz und der Ausschließung befangen ist, wie er noch in dem einen und dem anderen derjenigen Staaten, die sich zu den civilisirtesten zählen, selbst noch in den höchsten Regionen an der Tagesordnung ist und das gute Recht von Tausenden treuer Unterthanen verkümmert. Daß übrigens den Juden die militärische Carrwre schon längst erschlossen und daß viele unserer Glaubensgenossen in derselben bereits eine hohe Stellung mit vollem militärischen Range einnehmen, ist Ihnen bekannt. Südamerika. Buenos Ayres, im September. Nach dein Educ. Jsr. ist die Zahl der Juden in Buenos AyreS gegenwärtig auf mehr als 500 gestiegen, von denen die meisten Deutsche sind. Diese Zahl zeigt eine bedeutende Zunahme, da man noch vor wenigen Jahren' nicht mehr als 50 zählte. Eine der bedeutendsten Buchdruckereien der Stadt ist die der Gebrüder Bornheim, deren elegante Erzeugnisse allgemein bewundert werden. Der Chef eines der ersten Handelshäuser ist Herr Jsaac Levr. Ein Banqnier, Herr Enne Hard, genießt eines großen Einflusses und besitzt das volle Vertrauen des Präsidenten der Republik. Der Gottesdienst wird nach dem deutschen Minhag an Sabbath und Festtagen in der Wohnung eines Gemeindemitgliedcs abgehalten. Ein Sephcr-Thora wurde vor mehreren Jahren in Europa gekauft. Man beschäftigt sich eifrig mit der Erwerbung eines Grundstücks zur Anlegung eines Friedhofs. 48*

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