Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1871)
- Date
- 1871-11-28
- Page
- Seite 963 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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963 Wie wir hören, wird der genannte Referendar seine Angelegenheit vor den Reichstag bringen. 'Luxemburg, 15. Nov. Wie üppig das Zelotenthum seit Syllabus und Vaticanum ins Kraut geschossen, zeigt ein katholischer Scelenhirt, der nach mehreren der Luxcmb. Ztg. gewordenen Berichten am 12. November zu Etteldrück von der Canzel herab seinen Schafen mit Androhung kirchlicher Strafen untersagte, bei einem Inden etwas zu kaufen, bei einem Juden in Dienst zu treten, einen jüdischen Arzt zu gebrauchen, bei einem Juden zu Gast zu sein u. s. w. OoftriTrulnfri^ ungarische Monarchie. Wien, 15. Nov. lPrivatmitth.) Ich berichtete jüngst über den Stand der Errichtung der jüdischtheologischen Facultät. Aber „zwischen Lipp' und Kelchesrand" trat, was bei uns kein seltenes Ereigniß ist, ein Ministerwcchsel ein, d. h. das -Ministerium Hohenwart ist abgetreten und ein neues ist bis zur Stunde noch nicht gebildet. Selbstverständlich ruht daher jetzt diese Frage so wie viele andere, da während des Interims eben nur die unaufschiebbaren laufenden Geschäfte erledigt werden. Falls jedoch, wie es allgemein heißt, Herr v. Stremayer wieder Eultusminister wird, so zweifeln wir nicht, daß die Angelegenheit bald zur Entscheidung kommen werde. Am 9. d. M. feierte der emeritirte Religionslehrer, Herr Leopold Breuer, seinen 80. Geburtstag. Herr Breuer hat während seiner zwanzigjährigen Wirksamkeit an der hiesigen Religionsschule mit großer Sach- und Fachkenntniß und mit hingebendem Eifer seines Amtes gewaltet. Es sind ihm die Bitterkeiten, die das Amt eines Rcligionslehrers im Gefolge hat, nicht erspart worden; aber kein einsichtsvoller Mann hat seinem biedern Strebeil die gebührende Anerkennung versagt. Der Vorstand der Gemeinde und die Religionslehrer übergaben dem Jubilar an diesem Tage Adressen. Auch der Vorstand des Handelsvcreins, den er mit begründen half und der Vorstand des Waisenvereines, dessen Mitglied er bis in jüngste Zeit war, übergaben ihm Adressen und Pocale. Möge Gott dem Jubilar die Geistesfrische, wie er sie jetzt noch zur Freude seiner zahlreichen Freunde besitzt, bewahren und seine Körperkraft starken und mehren. Nächstens sollen die Ergänzungswahlen in den Vorstand stattfinden. Wie es heißt, soll eS bei. der Wahlbesprechung dieses Mal recht lebendig zugehen. Ehrlich gestanden, glaube ich nicht daran. Es wird wohl nicht an Agitation fehlen; aber zumeist nur von Seite derjenigen, die dieses Ehrenamt, Vorstandsmitglied zu werden, ambitioniren. Frankreich. Paris, 15. Nov. Wie die Arch. isr. mittheilen, hat Herr S. E. I. Ulmann, geboren zu Paris am 24. Nov. 1844, den großen Preis, der römische Preis, genannt, weil er zu einem Aufenthalte in Italien bestimmt ist, für die Architectur erhalten. Ein Onkel desselben hatte früher denselben Preis für die Malerei bekommen, und ist seitdem ein geachteter Künstler geworden. — Die Arch. isr. haben wieder Beispiele.des argen Judenhasses zu verzeichnen, welchen mehrere Pariser Journale und zwar nicht etwa nur ultramontane (diese beanspruchen nun einmal von selbst dieses Privilegiums, sondern auch sg. liberale, bei jeder Gelegenheit kundthun, und die Arch. isr. bezeugen so die Nichtigkeit der Mittheilungen, welche über den in Frankreich noch herrschenden Nischus mehrere unserer Correspondenten, zuletzt in Nr. 46 S. 923 aus Edenkoben, gegeben haben; so die Liberty in ihren Aussprüchen über einen Juden, Momelo Mortara, der des Mordes angeschuldigt war, dessen Unschuld sich aber so klar erwies', daß Staatsanwalt wie Vertheidiger sich der Reden enthielten, und die Geschworenen nach wenigen Augenblicken die Freisprechung einstimmig votirten; so mehrere Journale, voran der Figaro, als die Wahl des H. Armand Hayem zum Generalrath der Seine et Oise wegen bei der Wahl vorgefallener Irrungen annullirt worden. Sie verhöhnten den Juden und zeigten an, daß Hahem's Caudidatur feierlich begraben werden solle: der Trauergottcsdienst werde in der Synagoge und die Bestattung auf dem jüdischen Friedhofe stattfinden. Nicht minder gehässig benahmen sich die Journale bei Gelegenheit der Municipalwahlen in Algier, indem sie noch vor den Wahlen die dortigen Juden anschuldigten, sie würden allesammt für die Feinde der Ordnung stimmen!! Da die Arcb. isr. ■ _ 48