Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1871)
- Date
- 1871-11-28
- Page
- Seite 960 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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960 Literarischer Wochenbericht. (Die Schriften der Mekize Nirdamim.) Gr. Becskerek, 7. November. Die jüdische Literatur ist eine so junge, zarte Pflanze, daß jedes rauhe Lüftchen, jeder Windhauch einen schädlichen Einfluß aus sie gleich auszuüben vermag. Kein Wunder also, daß der vorjährige große Kamps zwischen den beiden mächtigsten Culturvölkern von so zerstörender Wirkung ans die Entwickelung der jüdischen Literatur war. Bor etwa 10 Jahren wurde von dem Redacteur des Hammagid, Herrn Rabbiner L. Silber mann in Lyck, ein Verein zur Herausgabe handschriftlicher hebräischer Werke unter dem Namen «rrp-: begründet, der zu den schönsten Hoffttungen berechtigte, weil die gefeiertesten Namen: M. Montefiore, Albert Eohn und Luzzato an der Spitze standen. Und dennoch tonnte der vierte Jahrgang.trotzdem erst jetzt nach vielen Schwierigkeiten erscheinen! Die Schriften des genannten Vereins, Mekize Nirdamim, sind nun vor Kurzem in die Hand der Mitglieder gelangt, und wir machten die traurige Wahrnehmung, daß das Institut, anstatt des erwarteten Aufschwunges, in Abnahme begriffen ist. Die Zahl der Theiluchmer ist nach dem Bericht im Eingänge des „Verzeichnisses der GescllschaftsMitglieder" aus circa 5 50 zusammengeschrumpst, und das Erscheinen der Schriften war überhaupt nur durch den Erlös der verkauften Schriften der frühern Jahrgänge möglich. Auch der von den Leitern des Institutes projectirte „Stiftuugsfonds zur Unterstützung der hebräischen Literatur" macht nur langsame Fortschritte und hat bis jetzt blos die Höhe voll 588 Thalcrn erreicht. Doch ist es immerhin erfreulich, daß der Anfang gemacht und der Grundstein gelegt wurde. Bei gehöriger Unterstützung von Seiten der Presse und der Freunde der Wissenschaft des Judenthums dürste der Stiftungssouds, rvrp «pp, der Mekize Nirdamim nach und nach leicht zu einer namhasten Summe gelangen. Dankend müssen wir den Much und die Ausdauer der Institutsleiter hervorheben, die bei all den gcnrachten traurigen Erfahrungen, bei allen Schwicrigkcncu und Hindernissen, womit sic bisher zu kämpfen hatten, das Unternehmen vierter zu führen entschlossen sind. Bei der geringen Theilnahme des Publicums, bei der schwachen Unterstützung, die das Institut namentlich von Seiten der Rabbiner, den eigentlichen und einzigen Stammhaltern des Gesetzes, rninr; «bsin, in unserer Zeit gefunden haben, verdient das Vorhaben in Betreff der weitern Fortsetzuug des Unternehmens die höchste Anerkennung und Aufmunterung. Unter solchen Verhältnissen darf selbstverständlich die Kritik ihres Amtes nur mit Nachsicht wallen. Es sind folgende Schriften, die uns der vierte Jahrgang brachte: pns« ins, das talmudische eucyktopädische Werk von R. Jizchak Lamperouti, Buchst, 's vollständig, nebst einer kurzen Biographie: b''r «2:11 L2X 7 pns1 '-> rrnVin «iss von Jizchak Baruch Halevi; ferner ein Ergänzungsheft des in zweiter Auflage erscheinenden Buchstaben n des P ach ad Jizchak. Es ist überflüssig über das bekannte Werk etwas zu sagen, und ich bemerke nur, daß die Artikel 'irr. rmr ^ics besonders sehr interessant sind. Von dem sehr weitläufigen Eommentar zur Genesis von R. Naphtali Hartwig Wessely ->22: ist die Fortsetzung bis zum Abschnitt Chaje Sara erschienen. Es ist kaum die Hälfte der Genesis, 22 Capitel, veröffentlicht, und der bisher erschienene Eommentar umfaßt 55 Druckbogen. Allein die Freunde der Wessely'scheu Exegese finden hier genug geistreiche Auslegungen, und das Werk verdient, trotz seines ungeheuren Umfanges, die größte Aufmerksamkeit, .nsnsn b? m:n von Don Jchuda Abrabanel, eine hebräische Uebcrsetzung R. Joseph Baruch Urbino's (nicht von N. Jehuda da Modena, wie in der Biographie angegeben, die handschriftlich bei Herrn N. Günzburg in Paris gelegen) der Dialoghi di amore von dem berühmten Sohne des R. Jizchak Abrabanel. Es wurde dieses Werk in fast alle Eultnrsprachen übersetzt und hat darum auch ein Anrecht, gewissen jüdischen Kreisen zugänglich gemacht zu werden. Endlich ein kleines, unbedeutendes Schriftchen Nr-.-nra msa 'p icran -.-2, der Hamburger Stadtbibliothek entitonunen. Im ganzen wurden 74 Druckbogen für 2 Thaler geliefert — was immerhin sehr billig ist! Herr Silbermann beabsichtigt im nächsten Jahrgang den Pachad Jizchak womöglich vollstä^ig von n—2, zu liefern, was gewiß wünschenswerth ist. Durch die Herausgabe des Buchstaben er in zweiter Auflage hat das Werk eine Verzögerung erlitten und es ist darum räthlich, die begonnenen Werke zu Ende zu führen. Ueberhaupt dürste bei