Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1871)
- Date
- 1871-11-28
- Page
- Seite 959 (sequence 5)
- Language
- German
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959 den also von sechs Mal mehr jüdischen als evangelischen, und von eilf Mal mehr jüdischen als katholischen Schülern besucht. Von den Evangelischen besucht der 200., von den Katholiken der 370., von den Juden schon der 33. eine dieser h'öhern Lehranstalten. Diese Zahlen beweisen vollständig, daß in der jüdischen Masse ein ungleich stärkerer Trieb nach höherer geistiger Cultur vorhanden ist. Denn auf.welcher Bildungsstufe auch die Aeltern noch stehen mögen, sobald sie ihre Kinder in einem so außerordentlichen Verhältnisse in die höheren Lehranstalten schicken, zeigen sie sich von dem Verlangen beseelt, ihren Kindern eine höhere Bildung zu verschaffen. Mau wendet hier gewöhnlich ein, daß die Juden in ihrer größeren Majorität in den Städten wohnen, wo sich ihnen also die Gelegenheit um Vieles leichter bietet, als denen, welche auf dem Lande wohnen, ihre Kinder in diese Schulen zu senden. Wir acceptiren dies, müsien aber dennoch diesen Einwand dadurch einschräuken, daß es ja immer nur einzelne Städte sind, wo diese 201 Gymnasien, 32 Progymnasien, 72 Realschulen erster, 13 zweiter Ordnung und 45 höheren Bürgerschulen vorhanden sind, die Juden daher nicht minder oft genöthigt sind, ihre Kinder aus den anderen Städten in solche zu thun, wo es Gymnasien u. s. w. gibt; ferner müsien wir betonen, daß diese Schulen bedeutendes Schulgeld kosten, während die Elementarschulen sehr wohlfeil sind, und daß der Besuch der Volksschulen mit dem 14. Jahre aufhört, während die gedachten höheren Lehranstalten einen viel längeren Schulbesuch fordern, die Aeltern also ein doppeltes Opfer bringen müsien, wenn sie ihre Kinder dieselben besuchen lasten. Was wir also erweisen wollten, ist hiermit so klar gestellt, daß wir den Zweifel sehen möchten, der sich hiergegen verlautbar machen könnte. Hierzu wollen wir nun noch eine Bemerkung hinzufügen, die wir allerdings ebenfalls schon einmal zu machen Gelegenheit hatten. Dasielbe ministerielle Blatt giebt auch eine Uebersicht der an den preußischen Gymnasien geprüften Abiturienten, und zu welchen Facultäten sie sich immatriculiren ließen. Hier ist für die Theologie eine dreifache Rubrik gegeben, nämlich: evangelische, katholische, jüdische. Es möchte dies wohl die einzige preußische ofsicielle Kundgebung sein — denn diese Tabellen werden ja im Cultus- und Unterrichtsministerium ausgearbeitet — wo die „jüdische Theologie" erscheint. Allerdings ist diese Rubrik ebenso wie in den früheren Jahren völlig leer. Denn da es keine jüdischtheologische Facultät giebt, kann auch Niemand ihr zugeschrieben werden. Es möchte vielleicht doch von Jnteresie sein, den Besuch der obengenannten Lehranstalten seitens jüdischer Schüler nach den einzelnen Provinzen des preußischen Staates angegeben zu sehen, und wir scheuen daher nicht die Mühe, aus den verschiedenen statistischen Werken und dem gedachten Ministerialblatte eine Tabelle hierüber zusammenzustellen. Es ergiebt sich aus ihr, daß die Reihenfolge der Provinzen nach der jüdischen Bevölkerung ist: Posen, Schlesien, Preußen, Brandenburg, Rheinprovinz, Hessen-Nasiau, Westphalen, Pommern, Hannover, Sachsen, Schleswig-Holstein. Hingegen nach dem Besuche der höhern Lehranstalten Seitens jüdischer Schüler ist die Reihenfolge: Brandenburg, Schlesien,Posen, Preußen, Hessen-Nassau, Rheinprovinz, Pommern, Westphalen, Hannover, Sachsen, Schleswig-Holstein. Vergleicht man aber endlich beide Factoren, Bevölkerung und Besuch mit einander, so erhalten wir solgende Reihenfolge: Brandenburg (der 20. Jude), Schlesien (der 22.), Pommern (der 24.), Sachsen lder 24.), Hesien-Nassau (der 30.), Preußen (der 40.), Hannover (der 40.), Posen (der 46.), Westfalen (der 51.), Rheinprovinz (der 65.), Schleswig-Holstein (der 81.). (v -I'IZ'i&ig <si(v § |§ 2 § (y SH'<&. <Z c ' \ '1 5^ ff ir S LI' o» cj _ I | :£ rs| TriTn^Jj L I 1 ü! £ - S r, 5 £ I cg 2 I I i E I I l g 1 I -»£) 1 I 1 1 M -1 | c: 4- — W I I* tj I ® I cs 1 —> I J o o j; Jüdische BcvöltoYinuy Gymnasien. Vorschulen Progymuasien. Vorschulen Rcalschul. I. Ordn. Vorschulen Rcalschul H. Ordn. Vorschulen Höh. Burgcrschulen. Vorschulen S-