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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-11-28 · Heft 48 (28.11.1871) · p. Seite 958

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 48 (28.11.1871)
Date
1871-11-28
Page
Seite 958 (sequence 4)
Language
German
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958 sionelle Anstalten unterhält, auch die Juden das Recht haben, für sich dergleichen Anstalten vom Staate zu fordern, wenigstens nach dem Maßstabe der Bevölkerung. Ist dies aber der Fall vom Standpuuct des strengen Rechtes, so giebt es doch noch ein moralisches Recht, daß. in der Beantwortung der Frage liegt: verdienen die Juden, daß für sie religiös-wiffenfchaftliche und Pädagogische Anstalten hergestellt und unterhalten werden? Diese Frage kann durch völlig entgegengesetzte Gründe entschieden werden: entweder ein T heil des Volkes ist geistig so versunken, so indolent und dadurch dem übrigen Volke an geistiger Bildung so ungleich, daß es Pflicht des Staates ist, alle Mittel anzuwenden, um die Hebung und Förderung des geistigen Lebens in jenem Theile des Volkes zu bewirken — oder es lebt in diesem Bruchtheil deS Volkes ein sehr reges Streben für geistige Cultur, ein entschiedener Wille und bewußte Anstrengung, geistig vorwärts zu kommen, daß dem Staate um so mehr die Pflicht obliegt, ihm hierin zu Hülfe zu kommen, wo die Mittel nicht ausreichen. Daß das letztere bei den preußischen Juden stattsindet, so daß ihr Rechtsanspruch auch durch die moralische Pflicht des Staates unterstützt wird, wollen wir gegenwärtig beweisen. Allerdings haben wir diesen Beweis eigentlich schon seit Jahren geführt, und wir haben im Grunde an sich nichts Neues heranzubringen. Aber unsere Daten stammen aus den jüngsten eben im „Centralblatt für die gesammte Unterrichtsverwaltung in Preußen" ossicreü verösfentlichten Tabellen (Octoberhest) und werden an diesem Platze sich bester zur weiteren Benutzung erhalten, als zerstreut in -einzelnen Zeitungsartikeln. Wir erhalten nämlich am angeführten Orte Generalübersichten von der Frequenz der preußischen Gymnasial- und Reallehranstalten während des Winterschulsemesters 1809/70. Erinnern wir uns, daß nach der Zählung vom 3. December -1867 im gesammten preußischen Staate 15,614,800 Evangelische, 7,950,679 Katholische und 313,156 Juden wohnten. Die 201 Gymnasien wurden nun besucht von 39,975 evangelischen, 14,477 katholischen und 4934 jüdischen Schülern. Berechnen wir nun das Berhältniß der Bevölkerung dieser drei Confessionen zu einander, so hätten nach dem Berhältniß der evangel. Schüler nur 830 jüd. und nach dem Verhältniß der katholischen nur 561 jüdische Schüler die Gymnasien besuchen sollen. So aber besuchen sechs Mal mehr Juden die Gymnasien als Evangelische, und neun Mal inehr als Katholische. In den Vorschule zu den Gymnasien finden sich 6250 evangelische, 609 katholische und S i G jüdische Schüler. Nach dem Maße der Evangelischen hätten nur 125 jüdische, und nach dem Maße der Katholischen nur 35 jüdische Schüler diese Gymnasialvorschulen besuchen sollen. Es waren also in denselben sechs Mal mehr Juden als Evangelische, und dreiundzwanzig Mal mehr als Katholische. — In den 32 Progymnasien sammt deren Vorschulen liegt daS Berhältniß etwas anders. Denn weil 14 derselben in der meist katholischen Nheinproviuz sich befinden, werden sic nur von 1783 evangelischen, dagegen von 1891 katholischen und 310 jüdischen Schülern besucht. Hiernach hätten dieselben nach Maßgabe der evangelischen Bevölkerung nur von 95 jüdischen, und nach Maßgabe der kathol. von 74 jüdischen Schülern besucht werden sollen. Sie sehen also neun Mal.mehr Juden als Evangelische und vier Mal mehr als Katholische bei sich. — Gehen wir zu den Realschulen über, so enthüllen die 72 preußischen Realschulen erster Ordnung mit ihren Vorschulen 20120 evangelische, 3017 katholische und 2064 jüdische Schüler. Nach Maßgabe der evangelischen Bevölkerung müßten hier nur 404 jüdische Schüler, und nach der der katholischen Bevölkerung nur 118 vorhanden sein. Diese Realschulen erster Ordnung zäl-en also fünf Mal mehr jüdische als evangelische, und achtzehn Mal mehr als katholische Schüler. Die Realschulen zweiter Ordnung, 13 an der Zahl, haben 32>.H evangelische, 264 katholische und 928 jüdische Schüler einschließlich ihrer Vorschulen. Entsprechend der evangelischen Bevölkerung würden die Juden nur 64 Schüler, und gemäß der katholischen nur zehn Schüler zu stellen brauchen, so daß vierzehn Mal mehr jüdische alevangelische, und zweiundneunzig Mal mehr als katholische Schüler hier zu finden sind. — Schließlich w-iden die 45 höheren Bürgerschulen von 6866 evangel., 1314 kathol. und 502 jüdischen Schülern besucht. Nach Maßgabe der evangel. Bevölkerung würden die Juden nur 138, und nach der der kathol. Bevölkerung nur 51 Schüler in diese höheren Bürgerschulen zu senden haben. Folglich sind in ihnen vier Mal so viel jüd. Schüler vorhanden als evangel., und zehn Mal mehr als katholische. Rechnen wir die Schülerzahl dieser fämmllichen Lehranstalten zusammen, so erhalten wir 78,195 evangelische, 21,572 katholische und 9554 jüdische Schüler. Rach Maßgabe der evangelischen Bevölkerung müßten aber nur 1570, und nach der der katholischen nur 845 jüaische Schüler vorhanden sein. Diese Anstalten wer-

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