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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-11-21 · Heft 47 (21.11.1871) · p. Seite 946

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 47 (21.11.1871)
Date
1871-11-21
Page
Seite 946 (sequence 12)
Language
German
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946 Mohilew hat nach dieser Richtung hin die Negierung mannichfache Erfolge aufzuweisen. Daselbst nämlich ist ein Rabbiner welcher am Beginn eines jeden Semesters alle jüdischen Lehrer seines Bezirks zu einer Conferenz beruft und darüber wacht, daß in ihren Schulen die' russische Sprache gelehrt wird; auch revidirt er allmonatlich die jüdischen Schulen und examinirt in der russischen Sprache. So kommt es, daß die Juden Mohilews zu denjenigen gehören, welche am besten russisch reden. Aus Wilna wird berichtet: Die letzte Nummer unserer Polizeizeitung bringt eine Bekanntmachung, wonach cs Niemandem mehr frei steht, ohne Genehmigung der Bezirksbehörde seinen Wohnort zu verlasstm und in einen andern Ort überzusiedeln. Bisher durfte Jeder nach Belieben im Bezirke seinen Wohnort wechseln und nur zum Verlassen des Bezirks «Kreises) war die Genehmigung einzuholen, weil ohne diese in einem andern Bezirk die Niederlassung Niemand gestattet wurde. Wenn also jetzt z. B. ein Dienstbote sich aus einem Orte in einen andern in Dienst begeben will, muß er erst die Genehmigung dazu einholen, was stets mit Zeit- und Geldverlust verbunden ist, da außer dem Gesuch- und Bescheidstempcl auch noch Gebühren bezahlt werden müssen. Politisch bescholtene Personen können nur mit Genehmigung des Generalgouverneurs ihren Wohnort wechseln. Juden dürfen ihren Wohnort nicht ohne Paß verlassen, der jährlich zu erneuern ist und jedes Mal 10 Rubel kostet, ohne die Nebenkosten, die oft noch mehr betragen, als der Preis des Passes selbst, — denn je wohlhabender der Paßsuchende ist, desto mehr Schwierigkeiten werden ihm gemacht. T x ifcu Rio de Janeiro, Ende October. Die „Hamb. Nachr." bringen den Text des nun rechtsgültigen Gesetzes über die Emancipation der Sklaven. Das Gesetz ist ein sehr weitläufiges und verwickeltes, das zu vielen Fragen und Processen, Auslegungen und Mißdeutungen veranlassen wird. Es will nämlich die Befreiung der Sklaven sehr allmälig eintreten lassen. Neue Zufuhr von Sklaven ist in Brasilien verboten. Man will daher für jetzt nur die von Sklaven geborenen Kinder für frei erklären, so jedoch daß diese erst mit dem 21. Lebensjahre in den völligen Besitz ihrer Freiheit treten; außerdem einige Kategorien von Sklaven. Ein völliges Verschwinden der Sklaverei in Brasilien ist daher erst nach einem Mcnschenaltcr und mehr zu erwarten. Was man so auf der einen Seite einer noch sehr beträchtlichen Zahl von Menschen zu Leide ihm, glaubt man dadurch wieder gut zu machen, daß die Nachtheile vermieden werden, welche immerhin ans einer plötzlichen Veränderung aller Lebensverhältnisse für die Sklaven und für die Sklavenbesitzer nach verschiedenen Seiten hin entstehen. Nordamerika. Chicago, im October. (Hcbrew Leader). Folgende Details sind uns mitgetheilt, um zu "zeigen, wie sehr die Israeliten von dem Brande in Chicago gelitten: Verbrannte Synagogen: North Side - Gemeinde, Fisch Avenue-Gemeinde, Har Sinai-Gemeinde, K. Bnui Schalom-Gemeinde, Beth Hamidrasch-Hagadol. Verbranme Logenräume I. O. B. B.: Ramah-Loge, Nr. 22, Maurice Mayer-Loge Nr. 105, Jonathan-Loge, Nr. 130, Sovereignty-Loge Nr. 148. Dem Berichte zufolge verbrannte ein Hospital mit - 13 Knaben. Viele andere Israeliten kamen in den Flammen um. Uebcr 500 jüdische Familien sind ohne Haus und Brod. Vor Allem sollte jetzt Geld geschickt werden. Es muß für provisorisches Unterkommen gesorgt werden und dazu ist Geld erforderlich. Viele Sifre Thora verbrannten. Nev. A. Norden rettete nur sein und der Seinen Leben. Folgendes Hülfscomits wurde von den Bnai-Brith-Logen gewählt: Dr. B. Felsentha!, Präsident, Jos. Lederer, Esq., Schatzmeister, R. Hexter, Secretär, die Herren L. I. Unna, B. H. Seligman, I. Ohnstein, A. P. Levy. Chicago, im October. (Privatmitth.) Der hiesige fürchterliche Stadtbrand vom 8—9. d. M. hat auch unsre sehr zahlreiche Judenschaft mitgenommen, obschon Manches in den Blättern übertrieben berichtet wurde. Der Verlust eines Menschenlebens unter den I Juden ist bisher nicht ermittelt worden. Auch aus

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