Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1871)
- Date
- 1871-11-21
- Page
- Seite 944 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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944 diese Partei, welche, obschon ihren französischen Verbündeten gleichend, doch, was Intelligenz betrifft, weit unter diesen steht und weit rohere Gefühle besitzt, — seit Kurzem erlitten, hat unsere Brüder einigermaßen gegen jene gewalttätigen Ausschreitungen geschützt, denen sie unter Dratiano und Cogalnicecmo fortwährend ansgesctzt waren. Juden werden nicht mehr mit kaltem Blute masfacrirt, und die Justiz wird, als allgemeine Regel, unparteiisch gehandhabt und gegen das Unrecht in Anwendung gebracht. Ich bedaure jedoch sagen zu müssen, daß in den Landgemeinden szuweilen auch in größeren Städten), namentlich in der Moldau, noch immer der Geist der Feindschaft und des Hasses gegen den Israeliten vorherrscht; dies entspringt eben aus der Erkeuntniß, daß die höhere Tugend, Sittlichkeit, Sparsamkeit und Thätigkeit des Israeliten nothwendigerweise der Unwissenhcit, Indolenz und sprüchwörtlichen Feigheit seines griechisch-katholischen Rumänischen Nachbars eine dem letzteren nachtheilige Concurrenz machen muß. So ist cs an einigen 'Orten den Israeliten nicht gestattet Koscherfleisch zu verkaufen, Wein- oder Wirthshäuser zu halten oder sonst ein Gewerbe auszuüben. Jüdische Kinder werden oft auf dem Wege in die Schule mißhandelt, und die armen jüdischen Hausirer, von denetl eine große Zahl, mit dem schweren Bündel auf dem Rücken, das Land durchziehen, um ihr Brod auf ehrliche Weise zu verdienen, werden mit Steinen beworfen und ausgeplündert. Jüngst wurde in Jassy der Versuch gemacht? einen Apotheker, der seit zehn Jahren dort etablirt war, von der weitern Ausübung seines Geschäftes zu hindern, weil er Jude ist. Ter Apotheker widersetzte sich dem Präfectcn, die Sache wurde nach Bukarest referirt, und die Verordnung des allzueifrigen Beamten widerrufen. In Jassy und Votuschan sind in den öffentlichen Gärten die Israeliten beider Geschlechter so insnltirt worden, daß sie gezwungen wurden, dieses friedliche, bescheidene Vergnügen aufzugeben und ihre Spaziergänge auf Orte zu beschränken, wo sic den Mißhandluugen weniger ausgesetzt sind. Gott weiß, daß solche Orte nur wenig an Zahl sind'. Doch ist das auch schon einigermaßen besser worden. Ferner ist es den JSracliten von Galatz nicht gestattet worden, eine Synagoge zu bauen, da das zu diesem Vehufe von der Gemeinde angetanste Bauterrain nicht 400 Ellen von einer benachbarten griechischen Kirche entfernt ist'. Es ist zu hoffen, daß auch diesem Mißstande in der Hauptstadt (Bukarest) abgeholfen und es den Anbetern des einigen wahren Gottes gegönnt werden wird, ein anständiges Gebäude für die Verrichtung ihrer Andacht herzustellen. Dieser letzte Umstand ist wohl geeignet, durchblicken zu lassen, welche Unzahl von schamlosen Mißbräuchen und Mißstäuden noch üppig gegen die hilflosen Juden hier zu Laude wuchern. Wer vermöchte wohl die Leiden derselben mit nur annähernder Wahrheit zu schildern? Und doch giebt eS eine Heilung für alle diese Uebel, und diese Heilung liegt in einer radicalen Aeuderung der Gesetze, wenn nicht in einer Modification der Verfassung. Daß dies durchführbar ist, beweist der Umstand, daß der Fürst und viele hervorragende Staatsmänner dieser Maßregel günstig gestimmt sind. Zu diesem Zwecke — der nichts anderes ist als die Emancipation unserer Brüder — sind bereits Schritte gethan, und wenn die schon begonnenen guten Maßregeln durchgesührt werden können, dann wird der günstige Erfolg nicht lange auf sich warten lassen. Ich brauche Ihnen und Ihren Lesern wohl kaum zu sagen, daß der amerikanische Eonsul die hauptsächlichste bewegende Kraft in diesem Werke ist und daß er die Sympathien des Fürsten und der Spitzen unserer politischen Kreise besitzt. Er muß jedoch von unseren Brüdern im Auslande in der herculischen Aufgabe, die er so aufopfernd unternommen, unterstützt werden. Es wird Ihnen von Interesse sein zu erfahren, daß Herr Peixotto damit beschäftigt ist eine „Geschichte seiner Mission in Rumänien" zu schreiben, die in zwei Bänden erscheinen soll. Der erste behandelt das bis jetzt Geschehene, der zweite, der später erscheinen sott, wird das Resultat seiner Arbeit geben. In diesem Werke wird jenen unter unseren amerikanischen und europäischen Brüdern, welche ihn unterstützt haben, die ihrer Liberalität und großmüthigen Theilnahme gebührende Anerkennung gezollt werden. Bukarest, 3. November. Den eben versammelten Kammern ist von der Negierung ein Gesetzentwurf „über die Zulassung und Beförderung von Beamten zum Verwaltungsdienste" vorgelegt und bereits auf die Tagesordnung des Senates gestellt worden. In diesem Entwürfe ist zum ersten Male seit Menschenge-