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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-11-21 · Heft 47 (21.11.1871) · p. Seite 943

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 47 (21.11.1871)
Date
1871-11-21
Page
Seite 943 (sequence 9)
Language
German
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943 angefachte Bewegung der Geister alle fähigeren Köpfe ergriffen und so manchen armen Judenknaben dazu gebracht hat, daß er trotz der ungünstigsten Unterrichtsverhältnisse aus eigener Machtvollkommenheit sich Wissen und Bildung mühsam erkämpfte. In ihm wie in vielen Männern von gleichem Bildungsgänge lebt eine Liebe zu Licht und Freiheit, die nicht wie bei unseren Zeitgenossen durch die Erkenntniß von deren Unentbehrlichkeit für menschliches Gedeihen genährt wird, sondern in der noch immer jene selbstlose Begeisterung nachwirkt, mit welcher der lange von Finsterniß Umschlossene den ersten Lichtstrahl begrüßt. Treue Hingebung an alle humanitären Bestrebungen und zähes Festhalten an den Principien des Fortschrittes charakterisiren die meisten derartigen Männer; sie kennzeichnen auch das Wirken Breuers. Die hiesige Gemeindeschule, an welcher er, seine eminente didaktische Begabung bewährend, durch 21 Jahre erfolgreich gewirkt hat, hat er zuerst nach pädagogischen Grundsätzen organisirt und geleitet. Seine Lehrbücher, in deren Anlage und Ausführung der Tact des gewiegten Schulmannes sich kundgibt, haben in und außer Oesterreich Verbreitung gefunden. In dem „Vereine für Beförderung des Handwerks unter den Israeliten" wie im Waiscnvereine hat er mit Eifer und Hingebung gewirkt. Und so ist es nun natürlich, daß sowohl der Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde als auch die Leiter der oben erwähnten Wohlthätigkeitsanstalten den greisen Jubilar am heutigen Tage glückwünschend begrüßen. Großbritan nien. London, im November. Der neuernannte Solicitor-General, Mr. George Jessel, ist von deutscher Herkunft und ein Jude. Er wurde im Jahre 1524 in' London geboren und studirte an der Londoner Universität. Im Mai 1547 wurde er in das Varreau in Lincolns-Jnn berufen und im Jahre 1865 zum Qncens-Counsel ernannt. Er ist Senator der Londoner Universität, und bei der Generalwahl von 1568 wurde er im liberalen Interesse für den Bezirk Dover in das Unterhaus gewählt. Die Ernennung zum Solicitor-General führt einem alten Gebrauche gemäß auch die Nitterwürde im Gefolge und wird dieselbe Herrn Jessel wahrscheinlich nicht vorenthalten werden. Donaufürstenthücher. Bukarest, 2. November. (Privatmitth.)*) Die außerordentliche Session der Rumänischen Kammer ist am letzten Sonntag, 22. Oct., durch den Fürsten Carl in Person eröffnet worden. Das diplomatische Corps die Würdenträger des Staates und der hohe Klerus wohnten der Feierlichkeit bei. Die Thronrede wurde von Sr. Hoheit in rumänischer Sprache verlesen, häufig durch Beifall unterbrochen, und am Schlüsse mit entschiedenem Enthusiasmus begrüßt. Die Straßen der Hauptstadt waren von einer zahlreichen Volksmenge besetzt, die gesammte Garnison war ausgerückt. und Polizeimänner waren überall anfgepflanzt. Die Fahrt des Fürsten von dem Palais zu Cotroceni, seiner Sommerresidenz unweit der Stadt, bis zum Abgeordnetenhause, glich einem Triumphzug inmitten allgenieinen Znjauchzens, umringt von Hurrahrufen. Die Thronrede des Fürsten ist ein durchdachtes und sorgfältig ausgearbcitetes Document. Indem er zur Durchführung des jüngsten Anlehcns von 78 Millionen, ohne Hilfe fremden Capitals. die Nation beglückwünscht, sagt er, daß nunmehr die Stroußberg'sche Frage einer baldigen, befriedigenden Lösung entgegengehe, und daß seine Minister verschiedene Gesetzesprojecte vorlegen würden, die den Zweck haben, Reformen in der Justizpflege vorzunehmen, lind jene Maßregeln zu inanguriren, welche er für unumgänglich nothwendig hält um die Wohlfahrt und den Fortschritt des Landes zu fördern. Vis jetzt ist die Kammer noch nicht beschlußfähig, und so konnte sie denn noch an keine Arbeit gehen. Die Ordnung und Stabilität, die fast immer, seitdem das gegenwärtige Ministerium ans Ruder gekommen, vorherrschend waren, berechtigen zu der Hoffnung, daß, wenn dies Cabinct verbleibt, sehr wesentliche Aenderungen, und zwar in verhältnißmäßig kurzer Zeit, dem Lande bevorstehen. Die vollständige Niederlage, welche die sogenannte liberale, besser gesagt: roth-republicanische Partei, *j Wir werden von zuverlässiger Hand um die Aufnahme dieser Corresponden; ersucht, und gewähren sie gern, obschon sie Manches enthält, was. schon ausführlich in d. Bl. besprochen worden ist. Wir werden Fortsetzungen gern entgegennehmen. Redaction. 47

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