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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-11-21 · Heft 47 (21.11.1871) · p. Seite 942

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 47 (21.11.1871)
Date
1871-11-21
Page
Seite 942 (sequence 8)
Language
German
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942 Stimme wird gegenüber der Erwägung, daß für die Pflege der Feiertage im Grunde nicht die Polizei, sondern nur die Geistlichkeit mit Erfolg zu wirken vermag, unbeachtet verhallen. Oesterreichrschungarische Monarchie. Wien, 8. November. (Privatm.) Es ist Ihren Lesern bereits mitgetheilt worden, daß der Entwurf für eine jüdisch-theologische Facultat in das letzte Stadium der Begutachtung eingetreten ist, aber noch nicht aus demselben heraus. 2n der Lage, in welcher sich gegenwärtig der Kaiserstaat in seinem Innern befindet, wird der Entwurf vorläufig in diesem Stadium verbleiben. Es ist alles zu provisorisch, im Augenblicke nicht einmal provisorisch, sondern interimistisch, und einem solchen Regime ist eS nicht gegeben, irgend : ein Institut ins Leben zu rufen, daS Dauer haben soll. Es liegt gar nicht in der Befugniß eines nur für den Augenblick bestimmten Ministeriums, eine bleibende Anstalt zu gründen. Wann aber wird für uns das Provisorium oder auch nur das Jnterimisticum aushören? Gott weiß es! Es hat sich des gesummten Volkes, insonders aller Gebildeten, eine solche Verzagtheit bemächtigt, die nicht einmal mehr Pessimismus genannt werden kann, und die höchstens noch zu einer Opposition kommen läßt, wenn es geradezu ans Leben geht, wie der angeschoffene Hirsch sich noch einmal zur Wehr setzt, wenn die Meute ihn bereits gefaßt hat. Die Parteien, seien es die nationalen, religiösen oder politischen, stehen sich so gleichmächtig und in so äußerster Entschiedenheit gegenüber — was der einen an Zahl abgeht, ersetzt sie durch Einfluß oder durch wüstes Toben — daß an eine Lösung, an eine Ausgleichung gar nicht zu denken ist. Es ist ein Glück, daß Oesterreich gegenwärtig keinen äußeren Feind hat: sonst würde es bei dem ersten kräftigen Stoße wie Glas zersplittern. — Doch kommen wir zu unserem Gegenstände zurück. Bei so schwachen Aussichten könnte man die Juden um so eher auf den Spruch verweisen: Hilf dir selbst und der Himmel wird dir helfen! Denn warum soll der Himmel dem helfen, der sich zu helfen vermag, aber es nicht thm? Die Wiener Juden haben oft genug bewiesen, daß sie sich selbst helfen können. Das präcbtig erstehende neue jüdische Krankenhaus, bas bald erstehende jüdische Blindeninstitut und so viele andere Anstalten bezeugen dies chatsächlich. Warum nun nicht auch eine jüdischtheologische Facultat? Ist das gegenwärtige Judenthum eine solche nicht sich selbst und der Welt schuldig? Womit will es das Recht seiner Existenz erweisen? Durch Kranken- und Armenhäuser nicht; diese hat das Iudenthum zu aller Zeit hervorgebracht. Womit will es seine Zukunft begründen und befestigen? Was bedeuten denn die Juden ohne Judenthum? Sorgt man also für jene, warum nicht auch für dieses? Bringt man Opfer für jüdische Blinde und Taubstumme, warum nicht auch für die jüdische ^Lehre und deren Träger? Allein unser gegenwärtiges Geschlecht hat hierfür keinen Sinn. Die Juden Italiens lassen ihre Rabbinerschule zu Padua in Verfall gerathen, die ihnen doch seit 40 Jahren ihre Rabbiner, Prediger und höheren Lehrer geliefert hat, für dereu Nothwendigkeit sie also den Beweis vor Augen haben. Heißt dies nicht also fast, so viel, als ob sie keine Rabbiner, Prediger und höheren Lehrer des Judenthums mehr haben wollten? Die Rabbinerschule zu Paris wird vom Staate erhalten, und somit ist der Beweis noch nicht geliefert, daß die französischen Juden diese Anstalt erhalten würden, wenn der Staat die Kosten nicht mehr hergäbe. Wenn der Banquier Jonas Frankel in seinen letzten Lebens stunden nicht seine Millionen hergegcben, würde das jüdisch-theologische Seminar zu Breslau schwerlich existiren. Wohlan, mögen die Wiener oder die cisleithanischen Juden überhaupt erweisen, daß sie anderen Sinnes sind. Sie brauchten auf kein Ministerium zu warten, heiße es so oder so, sei es deutsch oder czechisch, sei der Staat centralistisch oder föderalistisch. Was geht das das Iudenthum an, was eine Anstalt für die Wissenschaft des Judenthums, und die Ausbildung des höheren jüdischen Lehrerftandes?!... Doch ich schließe, weil ich merke, daß ich bitter werden könnte. Wien, 8. Novemb. Bekanntlich will Herr Ritter Gustav v. Epstein ein Haus für 50 Waisenknaben Herstellen. Auch zu diesem wohlthätigen Unternehmen fließen die Beiträge reichlich. So hat Herr Bernhard Back 50,000 fl. gespendet. Der emeritirte Religionslehrer der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, Leopold Breuer, feiert heute seinen SO. Geburtstag. Seine erste Jugendzeit fallt in jene merkwürdige Epoche, wo die von Mendelssohn

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