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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-11-21 · Heft 47 (21.11.1871) · p. Seite 940

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 47 (21.11.1871)
Date
1871-11-21
Page
Seite 940 (sequence 6)
Language
German
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940 die „Adas Jisroeil" ein Grundstück erworben hat, um eine Synagoge und ein „Beis hamidrasch" zu erbauen. Das zweihundertjährige Jubiläum der Gemeinde ist ganz spurlos vorübergegangen und keine einzige Stiftung damit verbunden worden, wozu doch sonst die Berliner gern geneigt sind. Eine Zeit laug war man ans den zu erwartenden Gesetzentwurf über das zu verändernde Gesetz vom 23. Juli 1847 gespannt, und jede Partei hoffte daraus für sich das Beste.. Allein man hört jetzt über diesen, für das Ministerium schwierigen Entwurf gar nichts mehr, und da dem Abgeordnetenhaus nur eine geringe legislatorische Aufgabe gestellt werden wird, so möchte unsere Sache wohl auch nicht zu Tage treten. Wenigstens vernimmt man dies aus sonst gut unterrichteten Kreisen. Bekanntlich steht die gesetzgeberische Maschine in Preußen feit ungefähr zwanzig Jahren ganz und gar still und zeigt das Bild eines Wagens, an welchem vorn und hinten gleich kräftige Gäule ziehen. Die dadurch der Zukunft gestellte Aufgabe ist daher eine sehr umfassende und mannigfaltige, da ja die Reichsverfassung den Einzelstaaten gerade diejenigen Arbeiten gänzlich überläßt, welche so recht eigentlich die Cultur eines Staates, seine ganze innere Beschaffenheit und Thätigkeit ausmachen. Es wäre nun curios, wenn die Herren Gesetzgeber statt der wichtigen Frage, die sie hinsichtlich der Kirchen, der Schule, des Unterrichts überhaupt, der Gemeine-, Kreis- und Provincialverfassung, der Steuerreform u. s. w. zu lösen haben, mit den Inden und der Verfassung dieser kleinen Corporation anfingeu, einer Angelegenheit, die in der That nicht zu den drängendsten und für den Staat und die Gesellschaft entscheidendsten gehört. Jndeß schützt das Curiose, das in diesem Umstande läge, nicht davor, daß es doch so komme. Es ist zu bequem, die Juden als Prügelknaben zu benutzen. Man verfuhr bekanntlich hinsichtlich der Eivilehe auch so mit ihnen und octroyirte ihnen diese vor 25 Jahren, während die Christen in Preußen noch jetzt nicht einmal bis zur Nothcivllehe gekommen sind. Vielleicht wird man daher auch dies Mal seine Freisinnigkcit au den Juden zuerst erweisen, um dann wieder 25 Jahre mit den christlich - kirchlichen Institutionen zu warten. Für mich ist die Frage noch nicht entschieden, ob die Herren heute noch wie vor 25 Jahren dabei denken: den Juden kann so Etwas nichts schaden, oder: mögen die Juden den Schaden liberaler Institutionen hinnehmen. Wie gesagt, das vorherrschende Motiv ist mir damals nicht klar geworden, und wird es mir dies Mal auch nicht werden, und ich habe nur den eine« Wunsch, daß das neue Experiment uns ebenso wenig schade, als uns die Eivilehe geschadet hat, die nur einige unwissende Paare in Nachtheil brachte, indem sie in die Falle geriethen, welche ihnen das Gesetz von 1847 dadurch legte, daß eS nicht verbot, die religiöse Trauung vor.dem Civil - acte vorzunehmen, so daß jene mit der religiösen Trauung genug gethan zu haben glaubten. Nun, wir werden sehen. Linnich, 9. November. (Privatm.) Heute wurde die hiesige nenerrichtete israelitische Elementarschule in Gegenwart der Honoratioren der- Stadt eröffnet. Der Lehrer Sassen hielt eine der Feier entsprechende Rede. Die Persönlichkeit dieses Lehrers bürgt dafür , daß die junge israelitische Schule 'ihren altern christlicheil Schwestern würdig zur Seite stehen und mit ihnen Hand in Hand in Eintracht ihre Aufgabe lösen werde. Die innere Ausstattung der Schule entspricht allen Anforderungen der Neuzeit. Namentlich ist auf eine zweckmäßige, den Gesundheitsverhältnissen der Schüler angepaßte Construction der Pulte Rücksicht genommen. Stuttgart, 4. November. Der Verein zur Versorgung israelitischer Waisen und verwahrloster Kinder Hierselbst, der das israelit. Waisenhaus „Wilhelmshülfe" in Eßlingen gründete, entließ im letzten Verwaltungsjahre 5 Zöglinge, 4 Knaben und 1 Mädchen, aus demselben, wodurch deren Zahl, da die Aufnahme der Neuangemeldeten beim Rechnungsabschluß noch nicht vollzogen war, auf 16 herabsank. Außerdem beherbergt der Verein in dieser Anstalt noch 4 taubstumme Kinder, welche die Taubstummenfchule in Eßlingen besuchen, sowie 5 Köstlinge, von denen 3 auch den Unterricht in der Anstaltsschule genießen; endlich wird den in Eßlingen sich aufhaltenden Schulpräparanden und Seminaristen dort gegen ein mäßiges Entgeld Kost gereicht. Die Gesammteinnahmen des Vereins betrugen tm letzten Verwaltungsjahre 11,353 fl. 34 kr., die Gesammtausgaben 8,859 fl. 2 kr.; daS Anstaltsvermögen beträgt gegenwärtig einschließlich des Anstaltsgebäudes in Eßlingen, das mit der inneren Einrichtung zu 16,800 fl. veranschlagt

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