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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-11-14 · Heft 46 (14.11.1871) · p. Seite 933

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 46 (14.11.1871)
Date
1871-11-14
Page
Seite 933 (sequence 19)
Language
German
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933 wegen des Gebrauchs der biblischen Redeweise rechtfertigt: „Es war ein frommer und ehrwürdiger Eifer/ sagt er, „der bisher diejenigen Schrifften verbannet, deren Verfasser sich einer biblischen Schreibart beflissen, wenn sie die Geschielte der Zeit in einem besonderen Geschmack vortragen, und dadurch Leser gewinnen wollten, aber einen krancken Witz und eine verderbte Urtheils-Krasft dabey angewenvet haben. Es leuchten in ihren schwarzen Werken die erhabenen und lehrreichen Redensarten der Bibel als strahlende Funken hervor, die dem Herzen eines solchen Schriftstellers zuletzt den Brand des Gewisiens erregen, und vor der Welt geben sie entweder seine Tummheit oder seine sträfliche Begierde, GSttes Namen zu mißbrauchen, an den Tag. Es wird Aergerniß dadurch angerichtet und die Würdigkeit des Endzwecks der biblischen Bücher geringe gemacht. „In diese strafbare Elasse von Leuten gehören die Verfasier einiger Chronicken, des Buchs Jofua (?) und der neulichen Pike des Buchs Mayer. Sie haben sich weder an den eigentlichen Character des historischen jüdischen Styl gehalten, noch in den Ausdrücken sich gemäßiget, sondern das, was in demselben auf die Ehre Gottes und der Religion hinführet, zum elenden Flickwerke ihres Vortrags gemachet und das Reizende desselben darinne gesuchet. Mithin konnte es nicht fehlen, daß sie den wiedrigsten Umstand durch dergleichen erhöheten und mit ihrem Mischmasche auch Narrentheidungen verbanden, die das Aergerniß noch größer machten. Dieser fromme und ehrwürdige Eifer kann um des Mißbrauchs willen, der bisher vorgegangen, nicht alle Verfasser solcher Bücher verfolgen. Man tadelt den Schrisftsteller nicht, wenn er in dem -orientalischen Styl schreibet, ob er gleich ein Mitternachtländer ist; man prüft ihn, ob er seinen Endzweck erreichet. Darunter geht der Hoheit und Heiligkeit der Scribenten, von denen wir die canonischen Bücher haben, nichts ab, daß die Libri Apocryphi eine gleiche Schreibart führen, da sie doch in der Glaubenslehre ziemliche Fehler und zum Theil eine sehr schwache Erkenntniß der Vernunft-, Sitten- und Naturlehre, sowohl als der historischen Wahrheiten in sich enthalten. Die Schreibart selbst in der Bibel ist den Verfassern willkürlich gewesen, und der Unterschied derselben ist nicht zu widersprechen. Die Uebersetzung aus dem Hebräischen und Griechischen ist auch nicht die so nothwendige bestimmte, daß sie nicht, wenn man wollte, nach der heutigen Wortfügung und reinen Schreib-Arth gestellt werden könnte. Und man hat denjenigen nicht getadelt, der einen Versuch davon gemacht', so wenig sich der römisch-katholische Christ an die Uebersetzung des Luthers bindet, und so wenig man dem Dähnen es mißbilliget, wenn er in seiner Uebersetzung andere Wortfügungen und Wendungen braucht, als die Deutschen, die mit ihm einerley Lehr bekennen." „Wie nun, schließt der Verfasser, derlei aus die neuere Art gestellte Uebersetzung erlaubt ist, so ist es auch einem jeden gleich vergönnt, ob er in der alten Art zu schreiben Belieben trage." „Der Inhalt der biblischen Bücher und die Bedeutung in ihren Ausdrucken, wenn sie eine Wahrheit oder Regel anzeigen, ist heilig und unverletzlich. Wehe dem! der solche Ausdrücke zu andern Dingen setzet, wo sie nicht zu stehen haben und zum Mißbrauche führen. Der Fluch treffe den, der sich nicht entblödet, die Reden des HERRN, die seinem Wesen beygelegt werden, an solchen Stellen anzubringen, die keine Beziehung auf dasselbe haben und wo der Vortrag nicht geistlich ist. Aber derjenige verdienet den Fluch nicht, der, wenn er eine Historie schreibet, die Spuren der göttlichen Vorsicht, das Grosse, daS Erhabene in den Thaten, die löblich und verehrenswerth sind, mit den Ausdrücken der Heiligen Schrift begleitet. Und derjenige verdienet vielmehr den Seegen, der das Laster mit den Ausdrücken nennet, die nicht füglicher gegeben werden können, als wenn man sie aus der Schrifft entlehnet. Er handelt geschickter, als derjenige Geistliche, der eine Lebenspflicht oder wol gar eine Glaubenslehre aus einem biblischen Text erkläret, und, wenn er schon nicht zur Auslegung geschickt oder der Glaubensanalogie nicht kundig ist, mit Dreistigkeit seinen Satz dadurch deutlich machet, daß er mit einem: „Als wollte GOtt sagen," öffters das saget, was sich von Gott gar nicht gedencket lässet. Und diejenigen Mönche zu Wien werden ihre Verwegenheit gar nicht rechtfertigen können, die bei der Frage des Siegesfestes über die Schlacht bei Breslau (1757) und die Eroberung dieser Stadt, solche biblische Inschriften und solche Nachahmungen der wahren Heldenlieder bey ihren Sinnbildern angebracht, wodurch Gottes Name gelästert und die Ehre der kriegführenden Theile so sehr beleidiget wird, daß eine mittelmäßige Vernunfft sich schämen mögte, nur etwas Aehnliches zu gedencken. — „Vielleicht rechnet auch das Vorurtheil am meisten nur dergleichen Schrifften, die sich von der gewöhnlichen Schreibarth entfernen und dem biblischen Styl nähern unter die verbotenen. Wie osst wird einer Sache der Name von einer andern gegeben, die nicht einmal mit ihr in einer Aehnlichkeit stehet? Man ist nicht gewohnt, andere Bücher, die von weltlichen Dingen handeln, in einer andern Schreibarth zu lesen, als die Überhaupts in Mode ist. Nur die Juden sind es, die sich nicht von der Schreibarth ihrer Vätter entfernen, wann sie deutsch schreiben, indem daS Hebräische ihre Grundsprache bleibet; Die, wenn sie gleich von der reinen und gelehrten hebräischen Sprache abweichet, doch in der Uebersetzung keine anderen Wendungen bildet, und keine andere Bind- und Unterscheidungswörter hat, auch vie Wortfügungen nicht anders stellen lässet, als daß sie von der gewöhnlichen Schreibart abweichen müssen. Unter den Sprachen in Europu ist nicht eine, so der Hebräischen gleich käme, sondern man muß in den Übersetzungen sich genau und mit Mühe an sie halten, gleichwie der Jude die deutsche Sprache nach

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