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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-11-14 · Heft 46 (14.11.1871) · p. Seite 926

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 46 (14.11.1871)
Date
1871-11-14
Page
Seite 926 (sequence 12)
Language
German
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(früher genannt israelitische) Hauptschule decrctirt. Nebenbei sei hier bemerkt, daß mehrere im Stadtverordnetencollegium sitzende, von der czechischen Partei, zur Anköderung der übrigen, gewählte Luden für diesen Antrag mitgestimmt. Angst und Bangen erfüllte jede jüdische Brust, wenn sie den Gedanken nur zu erfassen beginnen wollte, daß nunmehr in die Hände der Feudalen, Klerikalen und Nationalen die Gesetzgebung für das ganze Land gelegt werden sollte. Schon hörte man, daß Böhmen der Vorkämpfer für die Wiedergewinnung der Rechte des Papstes sein soll, und daß es dabei nicht an Kundgebungen öffentlicher Intoleranz gesehlt hätte, bedarf keiner Erwähnung. Die Juden in Böhmen brauchten nur an die Vorgänge in Horowitz erinnert zu werden, bei welchen der Hephepruf „Stribro" lautete, oder an die Krawalle im Jahre 1562 in Prag, wo während der Fensterzertrümmerungen der Gassenhauer „At ve piokl hazy" gesungen wuroe. Man könnte die Juden in Böhmen an solche zarte Aeußerungen brüderlicher Gesinnungen, wie sie auch vor 1848 vorgekommen, erinnern; alles dies muß zur Ueberzeugung führen, daß sie von der nationalen Seite kein freundliches Entgegenkommen zu erwarten haben. Es fehlte fretlich nicht an Beschönigern solcher rohen Scenen, und vorzüglich betont man, daß dies die Juden betreffe, weil sie nicht mit der Nation gehen, sondern zur Verfassung stehen; allein sollten sie sich für die Plünderungen bei Horowitz bedanken'? Dem Juden ziemt es stets zur Verfassung zu halten, abgesehen davon, daß sie vom Kaiser sanctionirt, sondern weil in ihr die Gewähr für die freiheitliche Stellung der Juden. Man darf überzeugt sein, daß ein eiserner Druck auf die Juden gelagert worden wäre, wenn die Partei Rieger-Clam-Martinitz die Gesetzgebung über Böhmen in die Hände bekommen hätte, daß die Juden — wenn auch nicht in die engen Grenzen ihres Ghetto — in engere Wirkungskreise gebannt worden wären, und daß man ihnen wieder alte Beschränkungen aufgelegt hätte, wenn das nie bestandene czechische Staatsrecht zur Geltung gelangt, was bei der Aufrechterhaltung derDecemberverfaffung unmöglich ist. Dank der allgütigen Vorsehung, daß die von dem böhmischen Landtage dem Kaiser vorgelegten Fundamentalartikel verworfen wurden, und daß die Verfassung nach wie vor das Panier bleibt, um das sich die Völker Oesterreichs zu schaaren haben. Klar und deutlich liegt darin die Stellung der Juden in Böhmen gezeichnet, welche sie nach dieser Wendung durch Gottes Fügung einzunchmen haben, sie müssen zur Verfassung sichen, und diejenigen, welche „um des lieben Friedens willen" oder durch kleinliche Rücksichten, oder aus Furcht, oder aus Eitelkeit n. s. w. mit den Nationalen gegangen, sollen diese verlassen und fest zur Verfassung halten, wie der Kaiser, welcher zum Muster allen seinen Völkern treu zum Gesetze — zur Verfassung hält. Diejenigen, welche aus Eitelkeit, aus kleinlichen Rücksichten zur Seite der Nationalen gestanden, diese mögen ihrer ersten Bürgerpflicht, des Trcuhaltcns an dem Gesetze eingedenk sein — diejenigen aber, die aus Furcht, die um des lieben Friedens willen mit fcen Ezechen gegangen, mögen dies lassen und nicht vergessen: „Es schläft nicht und schlummert nicht der Hüter Israels!" Dm—r. Frankreich'. Bonn, 5. Nov. Düs jüngste Heft der „Arcb. isr.“ enthält selbst eine Berichtigung ans Colmar, welche den ganzen Inhalt des Briefes, aus welchem wir einige Stellen mit unseren Gegenbemerkungen in Nr. 44 mittheilten, für lügenhaft erklärt. — Wenn wir gegenwärtig nichts mehr gegen die Pariser jüdische Presse bemerken, so mögen unsere Leser nicht glauben, daß es an Veranlassung dazu fehle. Diese jüdische Presse ist bei dem französischen Journalismus in eine Schule gegangen, die nicht ohne Wirkung bleiben konnte. Stellen aus dem Zusammenhänge zu reißen, den Sinn umzukehrcn und dann wohlgefällig darüber zu urtheilen, bei der Polemik nie die Sache selbst im Auge zu haben, sondern nichts weiter als den Schein des Rechthabcns, dies charakterisirt diese Presse, unb sie besitzt doch nicht so viel Lichtung in unseren Augen, um ihr weitere Aufmerksamkeit zu schenken. Was wir bedauern, ist, daß auch hier die religiöse Presse — denn als eine andere hat eine jüdische Presse keinen Sinn — die Religion ganz außer Acht läßt und statt Frieden und Versöhnung, nur Zwiespalt, wenn nicht Haß, zu ihrem Ziele macht. Großbritan nie». London, im November. Eine neue Expedition nach dem heiligen Lande hat unter Führung des Genie-

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