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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-11-14 · Heft 46 (14.11.1871) · p. Seite 924

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 46 (14.11.1871)
Date
1871-11-14
Page
Seite 924 (sequence 10)
Language
German
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924 Im Elsaß existirm zwei Sorten Juden, ein kleiner Theil besitzt französische Bildung, der andere gar keine; beide jedoch sind sie in religiöser Hinsicht orthodox. Zu der einen Art zählen die Beamten, Fabrikanten :c., zu der zweiten die Landleute ohne Unterschied. Alle hassen sie das Deutschthum, die einen, weil sie immer noch dieses mit dem^ früheren Krähwinkelthum verwechseln, die andern weil sie fürchten, über kurz oder lang der Vormundschaft über den bis heute unwissenden Landmann enthoben zu werden; beide verstehen weder noch begreifen sie die Umwälzung in den deutschen Verhältnissen oder die sociale Bedeutung und Stellung der Inden vor der polit. Gleichstellung. An der jüd. Presse wäre es nun, den Leuten begreiflich zu machen, daß die politisch gleichberechtigte Stellung der Juden in Deutschland nicht ein Product der neuesten Zeit ist, daß schon z. B. seit 1867 in Baden ein Jude Minister und derselbe seit 1870 Neichi»rath geworden, ohne daß dieses von Seite Preußens auf Widerspruch gestoßen, im letzteren Staate ein Jude Mitglied des Herrenhauses ist, überhaupt in allen deutschen Staaten die politische Gleichstellung unserer Glaubcnsbrüder mit der socialen gleichen Schritt halte, daß aber das Haupthindernis der Emancipation hauptsächlich die Kleinstaaterei in deren Abhängigkeit von Desterreick und dem Ultramontanismus war, welcher mit der Niederlage jenes Staates 1866 und der Besiegung Frankreichs 1870 seinen Einfluß auf die staatliche und freiheitliche Entwickelung Temschlands verloren hat. Es hält nicht schwer nachzuweisen, daß das Napoleonische Frankreich mit dem Papstthum sich verbunden, Deutschland, das Land des freien Denkens und des Lichts — trotz der Schatten — zu vernichten, und daß der Sieg unseres Vaterlandes über Frankreich den Sieg der Humanität und Freiheit über Frivolität und Ultramontanismns, unsere gefährlichsten Gegner, bedeutet, was der ganzen Welt und uns Inden insbesondere zu Gute kommt. Es kann nichts schaden hervorzuheben, wie lange schon die Juden in Deutschland in gesellschaftlicher Beziehung eine geachtete Stellung einnehmen, während im Elsaß heute noch eine Kluft zwischen Jude und Christ besteht. Es cxistiren bei uns noch soviel schwache Seelen, welche sich durch den äußern Glanz der Stellung mancher französischer Juden blenden lassen, daß e6 atich gilt, diese zu belehren, und ihnen gewissermaßen zu zeigen, daß nur die frühere erbärmliche Weltstellung Deutschlands an der Stellung der Juden die Schuld trug und der Eintritt desselben in das europäische Staatenconcerr, sobald es die erste Violine spielen will, auch eine Anerkennung des Jndenthums in dieser Musik in sich schließt. Man muß ferner den Elsässern die Einbildung benehmen, als geschehe die Anstellung der Juden im Elsaß blos deshalb, mit sie zu kirren, sondern daß dieses Verfahren mit dem Atlftreten unserer Regierungen in Deutschland gleichen Schritt halte. Meine Ansicht ist die: Ich betrachte es als eine Fügung Gottes, daß die volle Emancipation den deutschen Juden nicht so plötzlich vom Himmel kam, wie den französischen; ein Glück, daß sie mit erringen Helsen mußten, n n d e i n c n B o r t h e i l, daß sie hierauf nach jeder Richtung vorbereitet sind, denn nicht immer erzeugt die Freiheit und Gleichheit republikanische Tugenden : wie wir an den Juden"' im Elsaß und in Amsterdam es zur Genüge finden können. Adolph Bloch. Lyck, im Dctober. Dr. jur. Leopold Silbermann, der Sohn des Redacteurs der Wochenschrift Hammaggid, ist zum Kräsrichter in Marggoabowa ernannt worden. Tie „Pr. Litch. Z." bemerkt hierzu, cs sei der erste Fall, daß ein Jude Kreisrichter werde. Es ist dies jedoch ein Jrrthum. Erlangen, 5. November. Hier ist folgender „Aufruf" erschienen und von hier aus verbreitet worden- Am 27. September d. I. starb in Erlangen Dr. Jacob Herz, ordentlicher Professor der Mediän an der Universität daselbst. Wir glauben nur einen Wunsch der zahlreichen Schüler, Freunde und Verehrer dieses als akademischer Lehrer, Arzt und Mensch gleich ausgezeichneten Mannes zu erfüllen, wenn trir dieselben aufsordern, beizutragcn, ihn an der Stätte seines Wirkens durch ein dauerndes Zeichen der Erinnerung zu ehren. Es ist hierfür zunächst die Errichtung eines Denkmals in Aussicht genommen, an welche sich eine Ttipendienstiftn ng anschließen wird, welche den Namen des Verewigten tragen soll. Beiträge bitten wir an einen der Unterzeichneten einzusenden. Erlangen, den 28. September 1871. Prosestor vr. Brinz, München. Th. v. Cramer-

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