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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-11-14 · Heft 46 (14.11.1871) · p. Seite 922

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 46 (14.11.1871)
Date
1871-11-14
Page
Seite 922 (sequence 8)
Language
German
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922 ber 1870, daß er gerade auf Grund dieses Gesetzes den jüdischen Religionsunterricht der Synagogengcmeinde selbst zu überlassen verpflichtet sei. Außerdem will ich hier noch bemerken, daß das Schneidemühler Gymnasium gegenwärtig von 4! jüdischen, aber nur von 20 katholischen Schülern besucht wird. Dagegen behalte ich mir vor, die näheren und zwar höchst merkwürdigen Verhältnisse dann mitzutheilen, wenn die betreffende Petition an das Abgeordnetenhaus abgegangen sein wird. Berlin, 6. November. (Privatin.) Wie man aus wohlunterrichteten Kreisen vernimmt, soll sich der preußische Ministerrath für eine liberalere Richtung in Verwaltung und Gesetzgebung entschieden haben. Ohne daß ein Ministerwechsel stattfinde, werde ein Systemwechsel, wenn auch in beschränkterem Maße, vor sich gehen. Die von so vielen Seiten angefochtenen Minister v. Eulenburg und v. Mühler würden im Amte verbleiben, aber die von ihnen in der preußischen Landtag einzubringenden Entwürfe eines Gemeind egesetzes und eines Unterrichtsgesetzes würden den liberalen Grundsätzen so sehr entsprechen, daß man darüber erstaunen werde. Als Grund dieser Uniwandlung wird versichert, daß die Heftigkeit der ultramontancn Angriffe, sowie die Befürchtung, daß die soeialistische Bewegung an Umfang und Energie wachsen werde, den Ministerrath überzeugt hätten, wie man auf der bisherigen Basis nicht weiter beharren dürfte, sondern vorwärts gehen und mit der liberalen Majorität sich vereinigen müsse; es gälte, daß die Regierungen sich mit dem großen Mittelkörper der gegenwärtigen Gesellschaft identisiciren, um den Ausschreitungen der beiden Extreme gewachsen zu sein. Andrerseits will man wissen, daß diese neuen Intentionen der beiden genannten Ministerien durch den Einfluß des Fürsten Bismarck entstanden seien, der eine Zwitter ftcllung als liberaler Reichscanzler und als conservativer Ministerpräsident nicht mehr einnehmen wolle. — Ich wollte Ihnen dieses signalisiren, ohne weiteres hinzuzusügen als — daß wir es abwarten müssen. Derartige Mittheilungen coursiren öfter, wenn die Parlamente vor Etatsbcrathungen stehen, womit ich nicht sagen will, daß sie von den Ministerien selbst ausgchen, wohl aber von denen, welche eine prompte Zustimmung zu den gesteigerten Budgets wünschen. Man fühlt, daß, wo immer höhere Forderungen an das steuernde Volk gestellt werden, man auch diesem einige Forderungen zngestehen müsse. Aus der Pfalz, 1. November. (Privatm.) Es hat sich mir schon öfter die Frage aufgedrängt, ob es von den liberalen, weitverbreiteten Zeitungen recht gethan ist, daß sie immerfort aus den ultramontancn und reactionären Blättern, die sehr wenig gelesen werden, längere oder kürzere Auszüge bringen. Da erhalten wir Berichte und llcbersetzungen aus dem Pulvers, Monde, der Civiltä catolica und Unita catolica, welche nur in kleinen Kreisen gehalten werden, aus der Berliner „Germania", dem Münchener „Vaterland", die schon wiederholt ihre Partei um Abonnenten anbcttelten, oder wegen Mangels daran auf sie losschimpften, und aus anderen derartigen Producten. Man sagt zwar. man. müsse seinen Feind kennen — aber wir kennen diese teilte schon zur Genüge; man will Stilproben bringen, um diese Scriblcr zu kennzeichnen, aber auch davon hat man bereits die Fülle genossen. Dagegen verbreitet man nur das Gift, das sie ausströmen, in rveiten Kreisen, »nb jedes Gift dehnt seine Wirkungen mehr aus, als man es voraussetzt. Denn auch die liberalen Blätter haben zahlreiche Leser, welche in ihren Ansichten schwankend sind, und auf welche jene gegnerischen Kundgebungen doch einigen Einfluß üben. Das alte Sprüchwort: „Verleumde kühn, cs bleibt immer etwas hängen!" es ist ein wahres Wort, und man sollte sich daher hüten, Verleumdungen seinerseits weiter zu tragen. Diese Gedanken regten sich in mir in diesen Tagen recht lebhaft, als ich im „Pfälzischen Courier" vour 28. Oktober eine lange Stelle aus dem Münchener „Vaterland" citirt fand. Es wird die Lage in Oesterreich besprochen und in der gewöhnlichen Weise auf Deutschland und Preußen geschimpft, und Alles, was daselbst, sowie in Oesterreich geschieht, den „Juden und Liberalen" zugeichrieben. „Die von Preußen mit schwerem Gelde bezahlte Iudenpresse", die „Judenjonrnale^, „die jüdisch-liberale Cligue von Landesverräthern^ u. s. w. kommen in jedem Satze vor. Sie sind bezahlt und dumm, denn diese arbeiten doch nur für die Katholiken. Wenn erst die Deutsch-Oesterreicher zum deutschen Reiche gehören werden, haben die Katholiken die Mehrheit im deutschen Reiche, werden den Preußischen Kaiser beseitigen mld den „legitimen" d. i. den habsburgischen Kaiser wieder einsetzen. — Dies

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