Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1871)
- Date
- 1871-11-07
- Page
- Seite 914 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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1)14 „Rnbbi Simon teil Jochai" und der siebenilihrige Krieg. Mitgethcilt von L. L ö w e n st c i n. Wer kennt nicht die „nuwe dütsche Zittung", eine Broschüre, die gegenwärtig die Runde in Deutschland macht, deren Verfasser, ein „Schulmeister von Sangallen", den glücklichen Gedanken gehabt, die jüngsten großartigen Ereignisse in schlichter altdeutscher Sprache dem deutschen Volke vorzuführen? War es die Folge des lleberdrusses au den vielen, oft einförmigen Schilderungen, die man in Zeitungen und Zeitschriften wöchentlich, ja täglich zu lesen bekam, daß man das Schriftchen mit Begeisterung begrüßte, oder war eS wirkliche Sympathie, die man diesem in der Sprache der Nibelungen, eines Walther von der Bogelweide geschriebenen Merkchen entgegentrug? Kommt es doch jetzt schon uns oft vor, als wären die Erfolge der Jahre 1870 und 1871 nur ein Traum gewest n; wenn wir nun vollends diese Heldenthaten in der kernigen und doch so trauten Sprache des Mittelalters erzählen hören, so glauben wir fast, wir vernehmen ein Epos, das uns in alten Mären singet wnndersviel von „heled^n lobebaeren" von kühnem Wassenspiel. Das ist das Gehemmiß des Erfolges, den diese kleine Schrift in kurzes Zeit sich errungen hat. Sollte nun nicht auch der Lapidarstil der Bibel mehr als irgend eine andere Sprachweise sich dazu eignen, dem Volke die Bedeutung eines solchen Kriegsjahres ins klare Bewußtsein zu bringen und dem Gedächtnisse zu erhallen; volksthümlicher, kindlicher, möchte man sagen, spricht kein Buch. Oder glaubt man etwa etwa dadurch dein Charakter der heiligen Schrift zu nahe zu treten? Ist cs ja die Bibel selbst, die mit Wohlgefallen die Heldenthaten der alten Könige Israels erzählt'. In der That-liegt uns denn auch ein Buch vor, das uns zufällig in die Hände gekommen ist, welches sich die . Aufgabe gesetzt hat in der Sprache der Bibel die^ Geschichte des siebenjährigen Krieges zu beschreiben; dasselbe ist gedruckt ,,im Jahre der Christen" 1755; der Titel lautet: „Die Historie des Kriegs zwischen den Preuil‘c:i und ihren Bundesgenossen, und drn Ocsterrcichern und ihren Blindesgenosseu, von dem Einfälle in Sachsen an biß zu dem 2l). des Mountlis Thcbcth im oiilS. Jahr nach Grschasfrlug der Welt, wie solche beschrieben hat R. Simeon Ben Jochai ans eine redliche Weise." Als Motto ist dem ganzen Buch vorangeschickt ein Vers aus Cap. 2 des 2. Maccabaerbuches: „Dieß und anders mehr — — gedenken wir hie auf das kürzeste zusammenzuziehen. Denn wir sehen, wie die Zahl ineinander geworfen ist. daß es schwer will fein, die Historien, weil sie also auf einem Haufen liegen, recht zu fassen. Darum haben wirs also machen wollen, daß mans gerne lese und leichter behalten könne und jedermann möge nützlich sein." Geben wir einige Proben: Das erste Buch. Das erste Capitcl. Bon dem Ursprünge des jetzigen Kriegs und wie sich die amerikanische Händel nach Deutschland gezogen haben. 1. Dies ist der Krieg, welchen Maria Theresia, die 'Römische Kaiserin und Königin der Ungarn zum drittenmahl führet mit Friedrich II., König der Preußen. Und man siehet nicht, wie dieses Unglück gekommen ist über die Völker, wenn man nicht beherziget, was vorgegangen ist unter den Fürsten und Gewaltigen, ehe dann, daß der König der Preußen feinen Arm aushob, daß er seinen Feind locken mögte. 2. Und siehe' das Hauß der Königin Maria Theresia konnte nicht billigen, daß sie Frieden machen mußte zu Aachen, wie der König Georg von Engeland und die Holländer denselben machten, im Jahr nach Erschaffung der Welt 5.709 <17 18); denn sie hatte dahin gegeben ihre Lande Parma und Piacenza und nicht erhalten das Recht, worüber sie gestritten hatte. 3. Der König aber von Engeland tröstete sie und verhieß ihr, daß er ihren Sohn Joseph fördern wollte, daß er gesalbt würde zum römischen König, auuoch zur Zeit seines Vaters, des Kaisers Franzen. Und er sieng an, ihme die Stimmen der vornehmsten Fürsten in Deutschland, die den König wehten können, zuzubereiten; aber Friedrich der König in Preußen, wollte nicht seine! Stimme geben, daß für nun Brandenburg wehlen sollte und sähe scheel zu, daß Oesterreich, Engeland und Rußland einen Bund beginnen wollten, sich ihme zu widersetzen, wenn dieser Wahl widerspäche er, und die, so nicht einen König also über sich haben wollten. 1. Aber Maria Theresia, die nicht hindern wollte jemand an seinem Recht srey zu wählen, stund ab von ihrem Sinn, biß es besser würde zur andern Zeit und weigerte sich von dem König in Engeland Geld anzunehmen, daß er ihr zuwiegen wollte, auf daß das Werk fürbaß gienge rc. «Schluß folgt.« Vermischtes. Aiu September starb zu Pattensen «Hannover, der Sergeant Jsaal G. Cohen. 81 Jahre alt, der die schlachten bei Leipzig und Waterloo mitgemacht und in letzterer zweunal verwundet worden. Verlag von Banrrrgänner'ö Buchbandlnng in Leipzig. Druck von I. D. Hirschfold. Verantwortlicher Rtdacrerrr ftg*e H. Lotze.