Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-11-07 · Heft 45 (7.11.1871) · p. Seite 906

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 45 (7.11.1871)
Date
1871-11-07
Page
Seite 906 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226798-3226844--30018-3252883
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

906 übersetzt, und außer der Uebersetzung des Gebetbuches oder der Gebetbücher (es sind nämlich vier Theile, welche das gesammte Gebetbuch für den öffentlichen Gottesdienst der mosaischen Gemeinde in Gothenburg ausmachen) erst neulich wieder ein erfreuliches Product dem schwedischen Judenthume übergeben, nämlich eine Predigtsammlung unter dem Titel: „Nögra religiös* betraktelser i Göteborgs Synagcga.“ Einem solchen Lhätigen Wirken gebührt Ehre, Lob und Dankbarkeit. Rußland. Aus Polen, im October. Oeffentliche Blätter theilen mit: In den Jahren 1862 und 1863 ließen sich viele Synagogengemeinden im Königreich Polen durch den damals herrschenden Terrorismus der polnischen Revolutionspartei bestimmen, statt der bisherigen deutschen Predigt die polnische bei ihrem Gottesdienst einzuführen, die von den meisten dieser Gemeinden bis jetzt beibehalten worden ist. Durch eine Ministerialverfügung sollen die Gemeinden veranlaßt werden, die polnische Predigt abzuschafsen und die deutsche wieder einzuführen. Aus Warschau wird der K. H. Ztg. soeben von kürzlich daselbst durch Katholiken verübten Gewaltthaten gegen die friedliche jüdische Bürgerschaft Mittheilung gemacht, welche bisher noch nicht in die Oeffentlichkeit gedrungen sind und deren eventuelle Straflosigkeit ähnliche Crawalle in Polen wie die zu Odessa und Bukarest erzeugen würde. Die Thatsachen sind folgende : Am Abende des Laubhüttenfestes saßen jüdische Familien ruhig und vergnügt in ihren festlich geschmückten Lauben zu Tische, als plötzlich eine rohe Horde von etwa fünfzig Christen über sie her fiel, Männer, Frauen und Kinder unbarmherzig schlug, verwundete, mit Füßen trat und dann eiligst davonlief. Und was that der Polizeicommissär des betreffenden neunten Cirkels, als ihm die Sache gemeldet wurde? Er wies die Kläger mit der naiven Bemerkung jähzornig ab, es fei ja noch Niemand von ihnen getödtet worden, sie Möchten ihn mit derartigen Bagatellen künftig verschonen. An den Polizeimeister aber berichtete derselbe Beamte das unwahre Factum. es wäre eine einfache Schlägerei gewesen, an der Juden und Katholiken gleiche Schuld hätten. Dieses von Oben wie von Unten gegebene schlechte Beispiel — sagt unser Gewährsmann — fand alsbald Nachahmung, denn Böses muß wieder Böses erzeugen. Den Tag darauf, bei Gelegenheit eines jüdischen Begräbnisses in Warschau, überfielen abermals rohe christliche Gesellen ihre leidtragenden Mitbürger und richteten wiederum ein kleines Blutbad an — nur daß dies Mal einige Rädelsführer zur Wache abgeführt wurden, um vielleicht bald wieder — ungestraft entlassen zu werden. Bei dieser ungerechten Wirthschaft der Unterbeamten kann jedoch der Staat nicht bestehen, und es ist daher Pflicht der Presse, solche Verbrechen ans Licht zu ziehen, um sie dadurch zur Kenntnißnahme der oberen russischen Behörden zu bringen. Der Correspondent sagt selbst am Schluffe seines Briefes, daß der Warschauer OberLPolizeimeister ein streng gerechter und wahrheitsliebender Mann sei, der ohne Zweifel bei genauer Information in der Angelegenheit die verdiente Sühne der beregten Schandthaten beim Statthalter, Fürsten v. Lory, zum abschreckenden Exempel für die Folgezeit energisch beantragen und sofort auswirkcn werde. Möge ihn das feste Vertrauen zur Gerechtigkeitsliebe seiner Staatsregierung nicht täuschen. Brasilien. Rio de Janeiro, 28. September. In der gestrigen Sitzung hat der Senat den bereits vom Abgeordnetenhaus genehmigten Gesetzentwurf über die Abschaffung der Sklaverei und die Emancipation der Sklaven angenommen, und wird binnen weniger Tage Gesetzeskraft erhalten. Hierdurch ist die Sklaverei nur noch auf einigen westindischen Inseln spanischer Herrschaft vorhanden und wird, da sie sich auch hier nicht lange mehr erhalten kann, endlich ebenso aus Amerika wie aus Europa verschwunden sein. Bekanntlich wurde, da die Rothhaute sich zur Sklavenarbeit nicht eigneten und massenhaft hinstarben, die eigentliche Sklaverei und der für diese bestimmte Negerhandel von den Spaniern in Amerika eingeführt und^ von den katholischen Geistlichen, unter diesen selbst von dem menschenfreundlichen Las Casas genehmigt und befördert. Cs war dies um 1520, und es

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.