Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1871)
- Date
- 1871-11-07
- Page
- Seite 905 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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905 derselben gewürdigt- In jüngster Zeit wurde noch Herr Professor Oe. G. Wolf hier vom Unterrichtsminister ersucht, seine Ansichten über die obschwebende Frage mitzutheilcn. Wie ich höre, ist die Sachlage wie folgt. Sämmtliche Voten sprechen sich für die Errichtung der Facultät in Wien aus. Eine Ausnahme hiervon bildet das Gutachten der Krakauer Gemeinde, respective ihres Rabbiners, des Herrn Schreiber. Dasselbe soll sogar nicht frei von Denunciationen gegen die sogenannten Neologen sein. Ferner liefen lithographirte Petitionen (in welcher Weise dieselben entstanden, möge beifolgender Brief von unterrichteter Seite aus Galizien zeigen) aus mehreren Gemeinden Galiziens und von Herrn Rabbiner Dr. Gugenheim in Kolin ein, welche sich gegen die Errichtung einer jüdisch-theologischen Facultät aussprechen. Diese Petitionen werden jedoch aus doppeltem Grunde keine Berücksichtigung finden, weil erstens die Errichtung einer jüdisch-theologischen Facultät vom Kaiser bereits beschlossen ist, 2'Änd ■pN -jban ‘ist», und zweitens, weil keine Gemeinde genöthigt sein wird, Schüler der Facultät als Rabbiner zu wählen. Wie ich nun höre, sollen die Hauptmomente in ein Statut kommen, welches der Sanction des Kaisers unterbreitet und veröffentlicht werden wird. Zu diesen Hauptmomenten gehört der Zweck der Facultät, daß sie. berufen sei, die jüdische Wissenschaft zu hegen und zu pflegen, die Zusammensetzung des Euratoriums, daß dasselbe aus Juden zu bestehen habe und wie viel Juden aus jedem Kronlande in demselben sein sollen rc. Hingegen soll der Lehrplan mit den seiner Zeit zu verwendenden Professoren nochmals berathen werden und wird die Praxis weitere Veränderungen an die Hand geben. Bevor der Minister jedoch dieses Elaborat der Sanction des Kaisers unterbreitet, gedenkt er nochmals das Comitö, verstärkt durch einige Vertrauensmänner, zusamntenzuberufen und dessen Stimme ju vernehmen. Der erwähnte Brief aus Galizien, Anf.Oct., lautet: Dieser Tage erfuhr ich von zuverlässiger Seite, daß soeben in Dembiza eine lithographirte Schrift unter den dortigen Juden zur Unterzeichnung circulirte und daß massenhafte Unterschriften gesammelt werden; dieses geschehe mit besonderer Vorsicht und geheimnißvoll, so daß man durchaus nicht erfahren könne, um was es sich handle. Man vermuthet, daß diese Schrift in Krakau fabricirt und von dort aus die Agitation geleitet werde. Auch hier in der Claus sollen neulich wie man mir versichert, in geheimnißvoller Weise Unterschriften gesammelt worden sein. Man ist nicht im Stande, darüber Näheres zu erfahren. Ich glaube, daß diese Demonstration mit dem Projecte der Gründung einer jüdisch-theologischen Facultät in Wien in naher Berührung stehe, und bin daher so frei Sie davon in Kenntniß zu setzen. Da wird die Regierung wieder einmal häßliche Denunciationen über Fortschritt und Männer des Fortschrittes zu lesen' bekommen, wie sie die Schwärzesten der Schwarzen nicht niederzuschrciben im Stande sind. Wir kennen hier leider nur zu gut diese Methode. Es kommt ein Auftrag von einer Seite, die in der Claus respectirt wird, da werden alle Hebel in Bewegung gesetzt; wer nur schreiben kann schreibt, aber nicht blos seinen eigenen Namen, sondern auch die Namen von Verstorbenen, von Abwesenden, von noch nicht Gebornen, selbst Namen von principiellen Gegnern scheut man sich nicht hinzuklecksen, um nur recht viel Unterschriften zusammenzubringen und durch die Massenhaftigkeit derselben die Regierung zu blenden und sie glauben zu machen, daß die ganze Masse der galizischen Judenschast gegen dieses oder jenes Gesetz, diese oder jene Einrichtung protestire, während in der That nicht der kleinste Theil von denen die wirklich unterschrieben, weiß, um was es sich eigentlich handle. Schweden. Norrköping, im Oct. (Privatmitch.) Obgleich Niemand aus Schweden den stattgefundenen Synoden beigewohnt, sind doch die Beschlüsse derselben schon seit vielen Jahren hier praktisch in Anwendung gebracht. So ist der dreijährige Cyclus in allen drei Synagogen eingeführt, schwedische Gebete werden zur Erbauung der Versammlung vorgetragen und es wird obligatorisch allsabbathlich gepredigt. Ein großes Verdienst um die Reform hat sich der noch jetzt thätige Prediger und Lehrer der israelitischen Gemeinde in Gothenburg Herr M. R. Henriques erworben, der schon während seines Aufenthaltes in Stockholm im Jahre 1844 an der Uebersetzung des von vr. A. A. Wolfs in Kopenhagen herausgegebenen Katechismus gearbeitet, später auch dessen biblische Geschichte ins Schwedische 45*