Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1871)
- Date
- 1871-11-07
- Page
- Seite 907 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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007 bedurfte also vicrtehalb Jahrhunderte, um dieses schreckliche europäische Product, die Söhne eines fremden Erdtheils zu rauben und zu verhandeln und als Sklaven nach Amerika zu versetzen, vom amerikanischen Boden wieder zu beseitigen. Die Ehre, dieses Befreiungswerk begonnen und mit großen Opfern zuerst ins Werk gesetzt zu haben, gebührt den Engländern, und zwar geschah dies in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts. Nordamerika. Chicago, im October. (Deb.) Vier Synagogen sind im Brande zerstört worden, nur eine auf der Westseite ist noch da, die ungefähr 4—500 Menschen faßt. Das Local der Bene Berith Loge mit allem, was darin war, ist ebenfalls ein Raub der Flammen geworden. Ob die Bücher gerettet worden sind, ist noch nicht bekannt geworden. Von hier ist Folgendes verbreitet worden: „Chicago, das schöne, herrliche Chicago liegt in Nuinen und Asche, und zahllose Tausende obdachloser Menschen irren brodlos und hülflos herum. Gott erbarme sich der schwer heimgesuchten Menschen! Eine schmerzliche Thräne den Unglücklichen! Lasset uns, Freunde, sofort und überall geben und betteln u. z. Geld, Lebensmittel, Kleider und Betten, und sofort nach.der heimgesuchten Stadt schicken. — Adressirt an Nosenberg u. Rosenfeld, Henry Greenebaum, Austrian u. Leopold, oder Lazarus Silbermann. Lasset uns nicht säumen, nicht warten, die Noch ist. groß, die Hilfe kommt nicht zu früh, der Arme und der Reiche sind gleich elend. Helfet! Helfet gleich!" Nachtrag. Berlin, 29. October. Unter großer und lebendiger Theilnahme fand heute Vormittag die Beerdigung Alexander Mendelssohns statt. Berühmtheiten der Wissenschaft, der Kunst, des Handels und Gewerbes, wie der Vürgerkreise waren vielfach vertreten. Die Stadtbehörden hatten eine amtliche Abordnung gesandt. Den Leichenwagen umgaben Mannschaften der Feuerwehr, deren Pensionsfonds der Verstorbene gefördert. In der unabsehbaren Wagenreihe deS Leichenconducts war auch ein königlicher Galawagen. Der Verstorbene fand seine letzte Ruhestätte auf dem jüdischen Begräbuißplatze. — Die öffentlichen Blätter betonen mit einem gewissen Nachdruck, daß nunmehr die ganze MendelSsohnsche Nachkommenschaft dem Christenthume angehöre. Nun, daS Judenthum sähe es lieber, wenn es anders wäre, schließlich ist es ihm gleichgültig, ob die Leute Mendelssohn heißen, die ihm abfallen, oder anders. Mendelssohn selbst hatte im Voraus gegen diesen Abfall seiner Nachkommen Protest eingelegt, in seiner bekannten Antwort an Lavater. Daß seine Kinder mit Ausnahme Josephs doch den entgegengesetzten Weg einschlugen, ob dies an der Erziehung oder woran gelegen, ist nicht unsere Sache zu untersuchen. Bon einigen weiblichen Gliedern kennt die Welt die Wege, die sie einschlugen. M n z e i gen. Zum nächsten ^27 — rVS — wird in hiesiger Gemeinde die Stelle eines Vorbeters, Schächters u. Neligionslehrers vacant und wollen sich Bewerber an den Unterzeichneten Vorstand wenden. Grevesmühlen i. Mecklbg., d. 16. Octbr. 1871. Der Vorstand der isr. Neligionsgesellschaft: D. L. Friedheim. Lehrer-Vaeanz. Die hiesige Synagogengemeinde sucht zum sofortigen Antritt einen unverheiratheten Lehrer, der zugleich Chasan und Schochet sein muß. Gehalt fix. 150 Thlr. bei freier Station neben Sch ächtgebühren und üblichen Nebensporteln. Baldige Meldungen unter Einserdung der Zeugnisse nimmt entgegen der Vorstand 9dathan Leefer. Hoja a. d. W. (Prov. Hannover), im Octbr. 1871. Die Stelle eines Vorbeters, Schächters, Borschers und Religionslehrers ist mit 1. Jan. 1872 neu zu besetzen. Jahresgehalt 1000 frcs. fix. nebst 300 frcs. Nebeneinkünfte, wofür die Gemeinde garantirt. Da die Gemeinde im Entstehen ist, so kann ein tüchtiger, junger Mann sich später bedeutend höher stellen. Hierauf Reflectirende belieben sich franco anzumelden bei Julius Wyler oder Heinrich Heymann in Luzern (Schweiz).