Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1871)
- Date
- 1871-11-07
- Page
- Seite 900 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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exegeten, sowie für den Sprachforscher von großem und mannigfaltigem Interesse ist. Vom historischen Standpuncte aus^ hat dagegen die Uebersetzung des Tavus einen besonderen Werth, indem sie, freilich spät nachfolgend, die Reihe jener älteren Bibelversionen schließt, welche einerseits wörtlich, andrerseits paraphrastisch einen eigenthnmlichen Charakter innehalten, dem die rationelle Exegese mit ihren grammatikalischen, linguistischen und archäologischen Hülsömitteln entgegentrat, um den Sinn und die Bedeutung des Textwortes auS der ihm von jenen gewordenen llntkleidnng zu losen. Wenn auch allerdings die überaus fleißige und umsichtige Arbeit des Verfassers für den Gegenstand nach desten Werth etwas zu ausgedehnt erscheint, so wird sie doch dem Bibelforscher eine sehr willkommene Gabe sein unv ihn: über mancherlei Dunkelheiten Licht verschaffen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 27. October. Gestern Abend starb der älteste Chef des altberuhmtcn hiesigen Bankhauses Mendelssohn und Comp., Geh. Commercienrath Alexander Mendelssohn (ein Enkel Moses Mendelssohns», im Alter von 76 Jahren. Der Verstorbene, ein durch Edel- und WohlthätigkeitSsinn ausgezeichneter Mann, hatte erst vor Kurzem seine goldene Hochzeit ans seinem Gute Horchheim bei Eoblenz gefeiert. Mit ihtn verstarb der letzte Nachkomme Moses Mendelssohns, welcher dem Judenthnmc treu geblieben. Bon nun an hat das Iudenthum kein Interesse mehr an diesem Hause. Der Verstorbene war übrigens sowohl durch seinen Sinll für Wissenschaft Mld Kunst, als auch für Wohlthätigkeit bekannt und geehrt. Er war lange Zeit Mitglied der Nepräseutantcnversammlnng der jüdischen Gemeinde, und stimmte als solcher mehr für die orthodoxe Richtung als für die Fortbildung des Eultus. —. Es ist jetzt bekannt geworden, daß die preußischen Bischöfe unter dem 13. September eilte Beschwerdeschrist an den Kaiser gerichtet und unter dem 18. Oktober eine zurnckwciscnde Antwort erhalten haben. Aus dieser Antwort wollen wir folgenden Passus hervorheben und auch, zu unseren Gunsten aufbewahren: Dvr Kaiser versichert nämlich, daß keine Enttäuschung auf diesem Gebiete ihn jemals abhalten lverde, auch iil Znknnft wie bisher darauf zu halten, daß in Preußen jedem Glaubensbekenntnisse das volle Maß der Freiheit, welches mit den Rechten Ailderer und mit der Gleichheit Aller vor dem Gesetze verträglich sei, gewahrt bleibe. — Heute früh starb hier plötzlich Commercienrath Theodor Flatau, Chef eines großem Prodncteilhanses hier und in Breslau, der sich dnrch seine gelneinnützige.Wirksamkeit einen Namen gemacht. Er war Einer der Ersten, welcher der Nationalgalerie ein werthvolles Geinälde von BegaS zugeführt', und der Errichter zweier Marmorbildsänlen Friedrichs des Großen und Friedrich Wilhelms Ul. in den Rathhäusern zu Breslau und Berlin. Stettin, 27. Oct. iPuvatm.) Sie haben jetzt so häufig über kirchliche Versammlungen zu berichten, aus welchen das Wort des Haders, der Unduldsamkeit, des bittersten Hasses herüberschallt in die Welt des wirklichen Lebens, daß eine Versammlung, die das Gegenthcil zum Inhalt hat, die Ausgleichung und den Frieden beabsichtigt und die Gewissens- und Geistessreiheit zu ihrer Parole macht, wohl einige Aufmerksamkeit verdienen möchte. Am 22. October tagte hier der „erste pommersche Protestantentag." Er sott den bekannten, über ganz Deutschland sich ausdehiienden Protcstantenverein auch in Pommern consolidiren. Der reale Zweck des Bereinö geht auf die Befreiung der protestantischen Kirche von jeden: behördlichen Zwang, dadurch von der Obherrschaft der starren Orthodoxie, und die Autonomie der Gemeinde in der Kirchenverwaltung. Die hauptsächlichen Redner in der Versammlung waren der Prediger Woltersdorss und die Professoren Bamngarten und Hanne. Wir gestehen, daß in dogmatischer Beziehung noch viele Unklarheit zu Tage kam, und während man so überaus viel vom Lichte sprach, legte man wieder ein großes Gewicht auf das, was sich zukünftig „aus dem Geheimniß des Christenthums" entwickeln werde. Desto klarer sprach sich der zlveite Redner über das Bcrhältniß zu den Juden aus. Er erwähnte bcu bekannten Erlaß des Eonsistoriums der Kurmark: