Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1871)
- Date
- 1871-11-07
- Page
- Seite 899 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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899 ben erhöhendes mysteriöses Gewand gehüllt wurde. Auch der altere Secharjah griff zu diesem Mittel und steht dabei zwischen der Großartigkeit Jecheskels und der Ausdrucksweise im Buche Daniel. Bei ihm ist die Vision nur der schmückende Rahmen um den eigentlichen Gedankeninhalt, um seinen einfachen Gedanken einen reizenden Ausdruck und eindringliche Verkörperung zu verleihen. Er legt deshalb keinen Werth auf diese Einkleidungen, überläßt sie dnn Zuhörer und hebt schließlich nur seine eigentlichen Gedanken hervor. Das Buch Secharjah beginnt und endet mit einer planen Rede, und die Visionen nehmen fortlaufend die Mitte ein, wodurch das Buch lCapp. 1— 8) eine abgerundete Gestalt erhält. Die Visionen, neun an der Zahl, werden als hintereinander geschehen dargestellt, jedoch so, daß die fünfte (4, 1) durch die Rückkehr des Engels als eine neue Reihe beginnend bezeichnet wird. Die sämmtlichen Visionen haben eine und dieselbe Anlage. Der Prophet schaut; aber in diesem Schauen steht ihm ein Engel zur Seite, welcher handelnd in die Scene eingreift, indem er entweder dein Propheten die Vision in seinem wesentlichen Inhalt erklärt oder geradezu an der Handlung Theil nimmt. Wir müssen nun hinsichtlich des Inhalts dieser Visionen auf unsere Erklärung in unserem Bibelwerke verweisen. Das Obige wird vollständig genügen, um den Leser zu überzeugen, daß wir zwei ganz verschiedene Bücher vor uns liegen haben. Man wird nun noch die Frage aufwersen: aus welchen Gründen die Zusammensteller des Kanons dazu kamen, die Bücher Iesaias, Secharjah und Daniel je aus . zwei Büchern zusammenzusetzen'? Bei dem Buche Daniel kann dies nicht zweifelhaft sein, da die Visionen des zweiten Buches demselben Daniel zugetheilt sind, dessen Geschichte im ersten Buche erzählt wird. Auch für Jesaias liegt die Erklärung nahe. In C. 30 wird die Gesandtschaft des Königs von Babel an Hiskijah erzählt, wie dieser jener seine Schätze zeigte, und wie Iesaias dies tadelte. Iesaias weissagt hierauf dem Könige das traurige Schicksal, welches Babel seinen Söhnen und dem gesammten Volke bereiten und sie gefangen nach Babylon führen werde. Das zweite Buch hebt an mit der Rückkehr aus Babel und diese bildet seinen ganzen Inhalt. Es lehnt sich daher unmittelbar an Cap. 30 des Buches Iesaias, wie sie es vorfanden. Bei dem Buche Secharjah ist der Grund nicht so durchsichtig, wenn man nicht die Allegorie in den beiden Schlußcapiteln der beiden Bücher in Betracht ziehen will. Wahrscheinlich ging der zweite Theil auch unter dem Namen Secharjah und wurde deshalb mit dem Buche des wirklichen Secharjah, des Sohnes BerechjahS, verbunden , obgleich keiner der uns bekannten Secharjah, wie wir schon oben angedeutet, der Zeit nach auf den Autor von Capp. 9—14 paßt. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 26. October. „Kritische Beleuchtung der Persischen Pentateuch-Uebersetzung deö Jacob ben Joseph Tavus unter stetiger Rücksichtnahme aus die ältesten Bibelversionen. Ein Beitrag zur Geschichte der Bibelexegese von vr. Alexander Kohut, Oberrabbiner zu Stuhlweißenburg. Leipzig, Winter. 1871." Nach den Forschungen, welche der gelehrte und umsichtige Verfasser angestellt hat, ist Tavus ungefähr um daS Jahr 1510 geboren, wurde während des ersten persischen Feldzuges des Sultans Sulaiman (1534) von dessen Leibarzt Moses Hamon nach Constantinvpel gebracht und daselbst an dem von diesem gegründeten und unterhaltenen Lehrhause angestellt. Zum Nutzen seiner Schüler veranstaltete Tavus seine persische Pentateuch-Uebersetzung und zwar wahrscheinlich vermittelst Dictats an seine Schüler. Diese Uebersetzung bildet den Gegenstand der sorgfältigen und ausführlichen Untersuchungen, welche in dem vorliegenden Buche niedergelegt sind. Wenn wir vom allgemeinen GesichtSpuncte auSgehen, so nimmt diese Uebersetzung des Tavus keine hohe Stellung ein. Denn Herr Kohut zeichnet den Charakter derselben selbst folgendermaßen: „Aengstliche, fast unästhetische Wörtlichkeit in der Wiedergabe des hebräischen Textes, wenn auch dadurch Varbarißmen und Sprachwidrigteiten entstehen; ferner unverkennbares Streben nach Hebraismen, Euphemismen, Vermeidung des Anthropomorphischen und Anthropopathischen; stetige Rücksichtnahme auf die traditionelle und massoretische Ausfassung des Textes, so wie auf die Uebersetzungen von Onkelos und Saadja." Indessen folgt Tavus auch nicht selten seinen eigenen etymologischen Combinationen, namentlich da, wo er mit seinen eben angezeigten Führern nicht geradezu in Widerspruch tritt. Für diese Charakteristika bringt nun der Verfasser zahlreiche und erschöpfende Beispiele nach jeder Richtung hin heran, wodurch das Werk für den Bibel-