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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-11-07 · Heft 45 (7.11.1871) · p. Seite 898

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 45 (7.11.1871)
Date
1871-11-07
Page
Seite 898 (sequence 4)
Language
German
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898. Anführung der Syrer, Tyrer und Philister als Feinde; 6) die Feindseligkeit der antiagyptischen Iudäer gegen daS durch den ägyptisch gesinnten Iojakim beherrschte Jerusalem, welche Feindseligkeit aufhoren werde, wenn erst Jerusalem von allen Feinden befreit sein werde. Wir erhalten hierdurch aufs Genaueste die Zeit zwischen den Schlachten bei Megiddo und Circesium, also die ersten drei Jahre des Königs Iojakim. Entwerfen wir uns nun ein gedrängtes Bild von dem Inhalte dieses prophetischen Buches. Es zerfällt, schon durch die Ueberschrift rewvr, in zwei Theile: 9—11 und 12—14, von denen der erste aus zwei Reden (Capp. 9. 10 und Cap. 11) besteht, der zweite nur eine Rede bildet. Unser Prophet will zuvörderst im Volke die Gewißheit einstigen Sieges erwecken, verkündet daher in der ersten Rede den Untergang der Syrer, Tyrer und Philister, deren Land einst Juda gehören werde, denn Gott verheißt dem Könige Sieg, daß die Gefangenen zurückgeführt, Israel gegen die entferntesten Völker siegreich sein, Assyrien und Aegypten gestürzt werden (9. 10). Aber bis zu diesem Siege ist noch ein weiter, trauriger Gang. Daher spricht der Prophet in der zweiten Rede den Sturz Israels aus, denn es geht durch seine Fürsten zu Grunde, d^nen es keinen Widerstand leistete, und weil es die Hut Gottes verschmähte (11). In einer dritten Rede zeichnet er daher in genauerm Zusammenhange den Verlauf der Zukunft. Ein großer Kampf erhebt sich wider Jerusalem, woran selbst die Iudäer Theil nehmen werden. Diese söhnen sich aus, und die feindlichen Völker werden vertilgt. Dadurch wird Juda geläutert, Götzendienst und falsches Prophetenthum hören auf; zwei Drittel des Volkes gehen dabei, unter, aber ein Drittel bleibt geläutert übrig. Ja, in diesem Kampfe werden die feindlichen Völker schwer heimgesucht, aber dadurch zur Erkenntmß des Einigen gebracht; es bekennet sich zu ihm die ganze Erde, und alle Völker ziehen Jahr für Jahr nach dem ganz und gar geheiligten Jerusalem, das Fest des Herrn zu feiern (12—14.) Der Prophet will offenbar sich über die augenblickliche Verwirrung der israelitischen Zustande erheben.^ Er sieht einerseits, daß Juda durch sich selbst nicht zum Bessern kommen werde, er sieht andrerseits das Reich Israel zerstört, Juda ein Spielball der großen Machte, in ihm selbst Landvolk und Hauptstadt gespalten, und will zu einer bestimmten Zukunft herauskommen. Daher bemächtigt sich seiner bald die Gewißheit de« Sieges, denn Israel kann den Feinden nicht unterliegen; bald die Ueberzeugung des Sturzes, denn Juda kann so nicht bestehen bleiben. In diesem Gegensatz muß er aber Licht haben, und daher wird ihm ein großer Kampf gegen Juda nvthwendig, weil der Fall Juda's, Vernichtung und Gefangenschaft eines Theiles nvthwendig ist, da nur hierdurch die nothwendige Läuterung Israels geschehen kann, welche wiederum nvthwendig ist, um Israel von Neuem siegreich aufzubauen, dem sich dann die durch ihre Niederlage ebenfalls geläuterten Völker in der Anbetung des Einigen anschließen. Auf diese Weise hat er sich aus seinen Prämissen die ganze Zukunft aufgerichtet und klar gemacht. Daher ist es ihm kein bestimmtes Volk, sondern alle Völker; daher fällt ihm Jerusalem nicht, sondern bleibt sogleich, nur mit einem Drittel seiner Vrwohner, bestehen. In so großem Drange der Gefühle kann der Prophet nur zu den kühnsten und gewaltigsten Geistern unter den Propheten gerechnet werden; glühend, mächtig, drangvoll, schwungreich, nach den kühnsten Bildern greifend, und die Deutung dem Hörer überlassend, daher auch öfters dunkel und verworren. Ganz anders verhält es sich mit dem spateren Secharjah (Capp. 1—8). Seine Thätigkeit gesellte sich zu der des Propheten Chaggai, und die Situation war dieselbe: der Tempel wird gebaut, ist jedoch noch nicht vollendet; der Fürst Serubabel und der hohe Priester Josua mühen sich darum, was ihnen zu hohem Verdienste angerechnet wird (1, 16. 4, 9. 6, 13). Aber Secharjah bleibt hierbei nicht stehen, sondern sein Blick richtet sich vielmehr auf die allgemeinen Zustände des zurückgekehrten Israels. In diesem die Rückkehr zu Gott zu befestigen (l, 2—0), wahre Frömmigkeit, nicht in Fasten, sondern in Wahrheit, Treue und Gerechtigkeit bestehend, zu fördern (C. 7. 8), besonders Diebstahl, Meineid und alles Unrecht aus ihm zu entfernen (5) aber auch die Zurückgekehrten einer glücklicheren Zukunft, wo Jerusalem und Juda wieder groß und mächtig, ihre Feinde vernichtet und die Völker zum . Einigen bekehrt sein werden, zu versichern (1, 7—17. 2. Gf 1—8), endlich den Männern, die jetzt an der Spitze der Colonie standen, Ansehen und Würde in den Augen der Zurückgckehrten zu verschaffen (3. 4. 6, 9—15), dies waren die Zwecke Secharjahs, dies bildet den Inhalt seiner Reden. Da der erhabene dichterische Schwung den Zurückgekehrten fehlte, so suchte man nach einer anderen Einkleidung und fand diese in der Allegorie oder Vision, durch welche der Gedanke statt der Höhe und Wärme des Ausdrucks in ein den Scharfsinn und das Nachdenken reizendes, den Glau-

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