Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1871)
- Date
- 1871-10-31
- Page
- Seite 886 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Einblick in ihre Zustände etwas weniger boshaft, aber desto gemeiner und von einer unglaublichen Niedrigkeit der Gesinnung. Eben weil sich Alles schließlich auf die gemeinste Habsucht, auf den niedrigsten Eigennutz zurückführen läßt, können sie weniger der leidenschaftlichen Bosheit angeklagt werden. Ihre Lerurtheilung wird aber hierdurch nur verstärkt; denn was man in Etwas der erhitzten Leidenschaft Nachsicht, das muß man um so mehr verdammen, wenn es sich als die frechste Gewinnsucht aufdeckt. Die neuesten Mittheilungen der „Rum. P." enthüllen artige Stückchen darüber. Daß Blatt, welches das auch in dies. Zeit, erwähnte sg. Gcsetzesproject über die Rechte der Israeliten des Senators Desliu veröffentlichte, die „Trompetta Carpatzilor", theilt mit, daß es diesen Entwurf nur für eine gute Geldsumme, die der Senator bezahlt, abgedruckt habe; denn sie, die Trompetta, wisse wohl, daß Herr Desliu. sein Project nur veröffentlicht habe, um die Juden in Furcht und Schrecken zu setzen und sie zu veranlassen. ihn mit großen Summen zu bestechen, daß er den Gesetzentwurf wieder zurückziehe; da sie selbst den Juden nur das einzige Recht zugesteht, das Land so bald wie möglich zu verlassen. Es ist aber bekamt nt, daß die Trompetta selbst den furchtbaren Judenhaß nur losläßt, um die Juden zu bewegen, ihr mit Geld den Mund zu stopfen. Nun, unsere Glaubensgenossen sind gescheidt genug, dergleichen nicht zu thun und aus solche Köder nicht anzuöeDen. Was gewännen sie auch dadurch? Statt eines Hundes, dem sie einen fetten Knochen zuwürfen, damit er schwiege, würden viele andere nur um so mehr bellen, um auch einen guten Bissen zu erlangen. Unter den edlen Rumänen finden sich dergleichen massenhaft. Ein anderes Geschichtchen wollen wir der „Rum. P." wörtlich nacherzählen: „Der Redacteur des bereits eingegangenen Blattes „Adunarea nationala“, Namens Pascu, hatte bei einem hiesigen Buchdrucker bedeutende Schulden contrahirt, die zu bezahlen er sich außer Stande sah. Da jedoch die Mahnbriefe und Drohungen des Buchdruckers immer häufiger wurden und der wackere Journalist sich in die Enge getrieben sah, gerieth er auf folgenden Einfall, um sich einerseits den ungestümen Mahner für einige Zeit vom Halse zu schaffen, und andrerseits sich eine neue Geldquelle zu eröffnen: Er ersuchte den Buchdrucker um eine mehrtägige Frist, nach welcher er demselben die Mittel angeben wolle, wie er zu seinem Gelde gelangen könne. Die Frist wurde bewilligt und nach Ablauf derselben erschien der genannte Pascu mit einem Manuskripte, betitelt: „Die Juden, oder enthüllte Geheimnisse eines getauften Rabbi", jene Broschüre, welche kürzlich allenthalben feilgeboten wurde, und deren Inhalt den Beweis liefern sollte, daß die Juden wirklich Christenkinder schlachten, um denselben das Blut auszusaugen und dergleichen mehr. In der Vorrede wird angegeben, daß die Schrift von einem zum Christenthume übergegangenen Rabbiner zu Jassy herrühre, der seine Seele erleichtere, indem er diese Geheimnisse zu Nutz und Frommen der Christenheit preisgebe. Der speculative Buchdrucker, mit der gegen die Juden herrschenden Animosität vertraut, zweifelte keinen Augenblick, daß der Erlös dieser Broschüre, welche ihm Pascu an Zahlungßstatt überließein reichlicher sein werde und ging auf den Handel ein. Nachdem jedoch die Broschüre gedruckt war, erschien Pascu bei dem Buchdrucker, erbot sich der Broschüre bei seinen Freunden einen raschen Absatz zu verschaffen, und nahm den größten Theil der Auflage an sich, die er zwar losschlug, aber dem Buchdrucker natürlich keinen Kreuzer verabfolgte. Ja, er ließ anderwärts die Broschüre zum zweiten Male auflegen und behielt den Erlös dieser zweiten Auflage ebenfalls für sich. Der Verfasser dieser Broschüre ist also, wie die Leser sehen, kein getaufter Rabbiner, sondern der Jndustrieritter Pascu, der sich nicht nur für einen guten Rumänen, sondern auch für einen ehrlichen Christen ausgiebt." Verschiedenes. In Paris starb am 12. d. in seinem Hotel in der Rue Samt-Georges Herr Moses Polydor Millaud, der bekannte Financier und Zeitungsspeculant. Cr gründete unter der Juli-Regierung die Audience, eine Gerichtszeitung, und die Gazette de la Jeunesse, eine Zeitschrift für die Jugend, im Jahre 1848 die Liberts und unter dem Kaiserreich das Petit Journal, ein Blatt für einen Sou, dessen beispielloser Erfolg erst durch die Ereignisse deö letzten Jahres erschüttert werden konnte. Minder glücklich war Millaud mit