Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1871)
- Date
- 1871-10-31
- Page
- Seite 885 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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885 gelaufen sind, die Schlußanträge gestellt werden, so daß die Anstalt bald ins Leben treten könnte. Wien, 19. Oktober. Das Curatorium der hiesigeil Mannheimer-Stiftung war dies Mal am 17. Oktober, am Geburtstage des seligen Gründers der Mannheimer-Stiftung, in der Lage, 700 fl. an Rabbiner, Lehrer und deren Wittwen zu vcrtheilen. Es betragen nämlich jetzt die Zinsen des bereits vorhandenen Eapitals 500 fl., ferner sind im verflossenen Jahre als Spenden und Jahresbeiträge 200 fl. der Stiftung zngekommen. Frankreich. Paris, 19. Oktober. Der Vollständigkeit wegen geben wir hier noch den Bericht, welchen der Minister dem bereits mitgetheilten, vom Präsidenten genehmigten Dekret über die Procedur, welche vorgeschrieben wird, um einem eingeborenen Israeliten in Algier das Wahlrecht zuzugestehen, voraugeschickt hat. Er lautet: Herr Präsident! Die Nationalversammlung ist auseinander gegangen, ohne über den ihr vorgelegten Gesetzentwurf zur Aufhebung des Dekrets vom 2-1. Oktober 1870, welches den eingeborenen Israeliten in Algier die Rechte französischer Bürger verliehen hatte, zu erkennen. Dieses Dekret bleibt also provisorisch in Rechtskraft und muß auch für die Wahlen seine Geltung behalten, welche nächstens für die General- und Municipalräthe der Eolonie stattfinden sollen. Es ist aber von Wichtigkeit, den Schwierigkeiten vorzubeugen, die sich bisher auö diesem Anlaß ergeben hatten, und demnach von Jenen, welche auf die Ausübung der Wählerrechte Anspruch machen, zuvor den Nachweis des JndigenatS nach den Grundsätzen des französischen bürgerlichen Rechts zu verlangen. Wenn das Jndigenat sich nach unserer Gesetzgebung mit dem Blute vererbt, so wird es in seinem Ursprung doch nur durch Geburt auf französischem Boden erworben; es scheint also, daß die Israeliten, welche auf einen Platz in den Wählerlisten Anspruch machen, beweisen müssen, daß sie entweder vor der Eroberung in Algier geboren oder daß sie seit der Eroberung von Aeltern geboren sind, welche in dem Augenblick, 'da die militärische Okkupation den Boden Afrikas zu sranz. Landesgebiete gemacht hat, in Algier ansässig waren. Es scheint hinreichend, für diesen Nachweis eine Sufi von zwanzig Tagen vom Tage der Verkündigung deS betreffenden Dekrets ab zu stellen. Man würde ferner von den Eingeborenen, welche noch keine Familiennamen und auch keine bestimmten Vornamen haben, verlangen, daß sie solche nach ihrer Wahl annähmen,, damit die Eintragung in die Listen mit der nöthigen Genauigkeit erfolgen könne. Jeder Israelit, der diese Förmlichkeiten verabsäumte, würde nach Ablauf der 20tägigen Frist von den Wählerlisten gestrichen werden und könnte nur in Folge einer späteren Revision wieder einen Platz finden. Paris, 20. Oktober. Die ^rob. isr. zählen diejenigen Juden auf, welche am 8. d. in die Generalräthc gewählt wurden; es ist aber nur eine sehr geringe Zahl. Wir erzählen ihr folgenden einzelnen Fall nach: Herr Eugene Lisbonne, Advocat, ehemaliger Batonnier und Präfect von Hörault, ist soeben im zweiten Canton von Montpellier zum Generalrath gewählt worden. Er hatte zwei sehr hervorragende Eandidaten als Coucurrenten, der eine Katholik, der andere Protestant. Die Wahl stellte drei Eulte und drei ebenso getrennte politische Meinungen auf. Herr Lisbonne trug gleich bei der ersten Wahl und mit bedeutender Majorität den Sieg über seine beiden Eoncurrenten davon. Am Abend nach der Wahl begab er sich zum Wahlcomitü und sagte ihm einige Worte des Dankes. „Indem Sie mich zum Generalrath wählten, sagte Herr Lisbonne, mich, den Beamten vom 4. September, haben Sie die Republik als definitive Form der politischen und socialen Ordnung bestätigt. Indem Sic mich erwählten, mich, den Israeliten, haben Sie die Gewissensfreiheit bestätigt." Auf diese Worte folgte lebhafter Beifall. — Der Minister des Unterrichts hat den Sohn des Herrn Albert Cohn, Herrn Löon Cohn, zu seinem Privatsecretär ernannt. Donaufürstenthümer. Bukarest, 10. Oktober. lPrivatm.) Wenn bis jetzt die Rumänen. bei ihrem Judenhasse als boshaft und aller Humanität baar, als ungerecht und selbst verbrecherisch erschienen, so zeigen sie sich bei tieferen 44*