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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-10-31 · Heft 44 (31.10.1871) · p. Seite 882

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 44 (31.10.1871)
Date
1871-10-31
Page
Seite 882 (sequence 8)
Language
German
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882 die Quellen anfzusuchen und die Facta selbst sprechen zu lassen. Zu diesem Zwecke werden bei allen bedentcitbcu Lehrern und Trägern der Tradition, z. B. Hillel und Schamai und deren Schülern, alle Stellen in den Talumden und Midraschim theils zusammengestellt, theils kurz angemerkt, die Aussprüche derselben eingehend geprüft und mit den damaligen Zeitverhältuisseil und politischen Zuständen verglichen. Tabei müssen wir die ruhige, objective Darstellung, die den jetzt so sehr beliebten scharfen Ton der Polemik sorgfaltig veruleidet, lobend hervorheben, In den Anmerkuugen werden die benutzten Vorarbeiten citirt und blos hier und da bei abweichenden Meinungen berichtigt. Das 21. Eapitel über das Verhältnis; der Tradition zum Neuen Testamente dürfte in christlichen, gelehrten Kreisen besondere Aufmerksamkeit erregen. Herr Weis; hat die meisten Sprüche und Sittenlehren der Evangelien in deren ursprünglichen Fassung, wie sie sich in den Talmuden und Midraschim erhalten, nachgewieseu. Nur hätten wir gewünscht i wenn derselbe hier noch viel ausführlicher gewesen wäre und anstatt der Hinweise und Citate lieber die Stellen selbst wörtlich angeführt hätte. Dein christlicher: Gelehrten ist, wenn er selbst hebräisch liest, mit den bloßer: Nachweisen und Eitaten, die er selten nachschlägt, nicht gedient, da ihm die rvortgetreue Anführung der Stelle mehr zusagt. So vermissen wir arrch den Nachweis, daß das sogenannte Gebet des Herrn, das Vaterunser, ursprünglich gar nicht vonEhristuS verfaßt wurde; sondern daß dergleichen Gebete, msp genannt, allgemein im Gebrauche waren und daß die Lehrer ihren Schülern derartige „kurze Formeln" zu empfehlen pflegten. Selbst der Hohepriester betete am Versöhnungstage im Atterheiligsten ein ähnliches Gebet, mxp nVsn. S. Joma 51. Der Talmud, Berachoth 20, 0, führt einige solche Gebete an, die mit den: Vaterunser ganz conform sind: ",N1 bwö "-p-iin NN? wr« 'n .nn? "pr?} ma.ni nnrro ‘ps'-pb mn rn: ino:i£ ■na -ntn nni* bah -zrinn psn *rr :öncis .nii2nv *h mai N'iä bsbi Es herrscht in allen diesen Formeln, wovon im babylonischen und jerusalemischcn Talmud viele herrliche Beispiele, Berachoth a. a. O., Vorkommen, ein und derselbe Geist und sie verrathen alle eine' uud dieselbe Quelle. Der Schluß des erwähnten nentestamentlichen GebeteS ist aus Sirach entlehnt, 28, 1 —7: Vergieb deinem Nächsten die Beleidigungen, dann werdet: dir auch, wenn du betest, deine Sünden vergeben werdet: u. s. w. S. Bikkurim von Keller, 1805 S. 58 ss., wo lvir dies weitläufig nachgewieseu haben. — Wir können unsere Anzeige nicht schließen, ohne noch dei: schönen, reinen, ächt hebräischer: historischen Styl lobend Hervorzitheben, der den Leser wahrhaft zu fesselt: versteht uird das ganze Werk vortheilhaft auszeichnet. Acöge Herr Weiß reiche Atterkennung und reicher: Lohn für seine ausgezeichnete, kritische und wisseirschastliche Arbeit und für seine unsägliche Mühe, Fleiß und Thängkeit, die er darauf verwendet, fitlden, damit es ihm bald vergörutt sei, der: zweiten Band zu veröffentlichen. Die herrliche Ausstattung des Werkes, das vom Vereine für jüdische Literatur in Wiei: subventionirt wurde und Herrn Dr. Jellinek gewidmet ist, macht den: Verlage von" Herzfeld und Bauer alle Ehre. Rabbiner D. Oppenheim. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 10. Qctober. Die „Voss. Ztg." schreibt: Das jüdische Waisenhaus vor dem Rosen thaler Thor — bekanntlich durch die ^Liberalität des Herrn M. di ei chenhei m mit einen: Kapitalaufwand von 200,000 Thlrn. begründet — ist ininmehr so weit in seiner baulichen Vollendung vorgeschritten, daß seine Einweihung binnen Kurzem erwartet werden kann. Die Leitung des Instituts wird hiesiger: Blättern zufolge der ar: der hiesigen jüdischen Gemeindeschule bis jetzt thätige Di-. Simon übernehmen. Der letzteren Schrrle erivächst übriger:s dadurch eir: wiederholter Verlust, daß sich auch der ihr augehörig gewesene Oberlehrer De. Philippson vor Kurzem an der Universität Bonn als Docent habilitirt hat. Merzig (Reg. Trier), 10. Oktober. (Privat:::.) Es herrscht noch bei Vielen das Vorurtheil, daß die neueren gottesdienstlicher: Veranstaltungen, namentlich in den kleineren Gemeinden, wo die Mittel so leicht erschöpft werden, sich nur einer vergänglichen Dauer

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