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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-10-31 · Heft 44 (31.10.1871) · p. Seite 881

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 44 (31.10.1871)
Date
1871-10-31
Page
Seite 881 (sequence 7)
Language
German
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881 bis wohin bereits die Kritik des Alten Testaments gelangt ist; außer der Nebenabsicht, daß die Männer dieser Richtung nicht glauben mögen, wir. fürchteten ihre Producte und übergingen sie deshalb mit Stillschrveigen. Gr. Becskcrek, 17. C-ct. .vcttd *rm m .rp^Eöi rr'-smo m-np er r,£ Vraa minr cr:'n -nan ttSTT; pr^rr tn-: „Zur Geschichte der jüdischen Tradition von I. H. Weiß. Wien. Verlag von Herzfeld und Bauer. 8. Xi'v. 242 S." Die allgemeine Theilnahme, die unsere Zeit den historischen Studien widmet. hat auch das Interesse für die bisher vernachlässigte und absichtlich falsch behandelte Geschichte des Judeuthums angeregt. Die Kirche lehrte stets und stellte cs als Dogma aus. daß das Judenthum seit der Zerstörung des Tempels durch die Römer gänzlich tobt und nur noch eine bloße Mumie sei — und daö Todtc kann folgerichtig keine Geschichte haben. Als das wissenschaftliche Leben bei den Juden wieder erwachte, da betrachtete man cs als erste Pflicht seine ganze Aufmerksamkeit und Thätigkcit der Geschichte zuzuwenden. Denn die Geschichte des IudenthumS ist ein lebendiger Protest gegen das Dogma von dem für immer und ewig todtgeglaubten Judcnthume. Es ist auch darum vorzüglich deren Aufgabe das Geistesleben deS Volkes während der langen, scheinbaren Periode des Stillstandes aus der Dunkelheit hervorzuziehen und in das gehörige Licht zu setzen. Wo ein reges Leben und Weben des Geistes ist, da hat der Tod seine Macht verloren. Die namhaften, nicht genug dankens- und anerkennungswerthcn Leistungen der neuern Zeit haben aber den Gegenstand bei seinem riesenmäßigen Umfange noch nicht vollkommen erschöpft. Es liegt noch gar vieles Feld brach, das erst bearbeitet werden müßte, uin eine ergiebige Auskunft liefern zu können. Das vorliegende Werk will nun eine solche, längst gefühlte Lücke ausfüllen. Wir haben hier, nur cs gleich beim Beginne zu sagen, keine gewöhnliche Alltagserscheiuung. die mit vielem Geräusch auftritt und dann bei näherer Prüfung wie ein Nebelbild verschwindet. Herr I. H. Weiß, Lector am Beth Hamidrasch in Wien und vortheilhaft bekannt durch seine Herausgabe des Sifra, der Mcchiltha und anderer gelehrten Arbeiten, hat sich die große Aufgabe gestellt, den ersten Anfängen und Spuren der Uebcrlieferung , ne brau? nvn, nachzuforschcn, deren Ausbreitung und Entwickelung zu verfolgen nnd die Geschichte der jüdischen Tradition von den ältesten Zeiten bis auf Joseph Karo in ihrer Gesammtheit darzustellen. Der nun erschienene erste Band behandelt eben die wichtigste und schwierigste Periode, weil hier die Duetten erst sorgfältig aufgefunden werden mußten, und zwar von den Uranfängen bis zur Zerstörung des zweiten Tempels. In 25 Abschnitten werden in folgenden Ucberschriftcn, die wir hier mittheilen um dem gesch. Leser ein ungefähres Bild der gediegenen wissenschaftlichen Arbeit zu geben, die verschiedenen Perioden dieses Zeitraumes geschildet: Von den Spuren der Tradition, von der ältesten Zeit bis auf Samuel; von David bis zur Zerstörung des ersten Tempels; die Propheten und die 70-jährige babylonische Ityfangeuschaft; ESra und btc synagoga magna;-bic @o* fertm und deren Thätigkeit; Simon der Gerechte und seine Zeit; Jose b. Joeser und Joseph b. Jochanan; die Pharisäer, Saduzäer und Essäer; Johann Hyrkan und die Makkabäer; Simon b. Schetach und Jchuda b. Tabai; Schemaja nnd Altalion; Hillel und Schamai und deren Lehrweise; die Schulen des Hillel u. Schamai, rva rra; die Patriarchen Simon und Ganialicl; das Studium der Tradition in den letzten Jahrzehudcn vor der Zerstörung des Tempels und die Wirksamkeit des Synedriums; der Midrasch und die apokryphischen und pseudepigraphischen Bücher; die religiösen Anschauungen der Juden; das Verhältniß der Tradition zum neuen Testamente; die Zerstörlmg des Tempels und R. Jochanan b. Sakkai. Man kann leicht aus dem flüssig skizzirtcn Inhalte der Eapitcl entnehmen, welch reicher, ergiebiger Stoff in dem ersten Bande -geboten wird. Aber jeder Abschnitt allein enthält schon eine Fülle von gründlichen Untersuchungen und kritischen Bemerkungen, die das ganze Gebiet der Theologie und Geschickte vielfach berühren. Hr. Weiß hat nicht nur sämmtliche Forschungen der jüd. Gelehrten seit dem Wiedcrcrwachen der Wissenschaft des IudenthumS sorgfältig studirt, ihre Arbeiten kritisch geprüft, sondern auch die neueren historischen und bibelkritischen Arbeiten der Protestanten reichlich benutzt und mit in den Kreis seiner Studien eingezogcn. Dhne sich in waghalsige Eombinationen zu versteigert, ohne sich in künstliches, sogenanntes Construiren der Geschichte einzulassen, suchte vielmehr der gelehrte Verfasser die Thatsachen gehörig zu sondiren,

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