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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-10-31 · Heft 44 (31.10.1871) · p. Seite 880

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 44 (31.10.1871)
Date
1871-10-31
Page
Seite 880 (sequence 6)
Language
German
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880 aus zwei Schmähschriften zusammengesetzt sei, welche die beiden rivalisirendcn Thcile des israelitischen Volkes lJuda und Israel) sich gegenseitig zugeschleudert. Nun, er weiß diesen Einsall für diejenigen, welche ihm nicht schon etwas sorgfältig ans die Prämissei; schauen, recht plausibel zu machen. Dies ließ aber einen gewissen Hang in Berlin nicht ruhen, bis er erwiesen hatte, daß der ganze Pentateuch nur eine Schmähschrift auf das ganze Volk selbst ist, deren Verfasser cs aber so genial anzufangen gewußt hat, daß bis auf Herrn Hang Niemand etwas von der eigentlichen Absicht des Verfassers gemerkt hat. Herr Hang hebt diese Hülle auf, und um es hier gleich zu bemerken, selbst ohne Hülfe des Textes, nur nach der Zunz'schen Uebersctzung. Man denke also, wie tief er erst eingedrungen wäre, wenn er das Hebräische verstünde. Da liegt denn ein dickes, in größtem Dctav gedrucktes Buch vor uns mit dem Titel: „DaS Alte Testament von „Der-von-Schiloh." Seinem wahren Inhalte nach zum ersten Male genreinverständlich ausgeschrieben von H. Haug. Berlin, Selbstverlag des Verfassers. 1871." Daß sich Herr H. Haug mit „Der-von-Schiloh" identisicirt und den wahren Inhalt zum ersten Male seit fast vicrtchalb Jahrtausenden verstanden zu haben behauptet, charakterisirt den Mann von vornherein. Was er, Herr Haug, gefunden zu haben meint, stellt er in sechs Sätzen auf, von denen wir als Probe den zweiten hersetzen: „2. In diesem (südpolaren) Erd-Jnnern ist der Mensch der Genesis ursprünglich, durch spontane Generation, entstanden; hat nach seiner Vertreibung an die Erdoberfläche auf dem Eoutimmte des großen Dceans circa 1650 Jahre gelebt, und-während dieser Zeit durch Processe natürlicher Zuchttvahl wesentliche Wandlungen seiner Körperform und Lebensweise erfahren; und ist endlich bei der jenen Eontinent überströmendcn Fluth theils vernichtet, thcils in Schiffen gerettet, indem diese durch Wind- und Meercsströmungen an Land, spcciell an die astatische Küste getrieben wurden." Will man eine Probe, worin der Verfasser die Schmähschrift findet, so greifen wir eine solche nach dem Zufall heraus. Also z. B. in der Beschreibung des Paradieses 1 Mos. 2, 11. 12 wird zum Lande Ehawilah gesagt: „woselbst das Gold, nnd das Gold dessclbigen Landes ist gut, dort ist der Bedolach und der Schoham-Stein." Dazu schreibt der Verfasser: „Achtung, Ihr Leser! Der Mensch der Genesis, kaum daß er aus dem Ei gekrochen, kaum daß der Hauch des Lebens in seine Nase geblasen ist, noch ohne den späteren Nock von Häuten u. s. w.: aber er versteht sich doch schon auf die Beurtheilung des Goldes und der Edelsteine! — der Verfasser beginnt eben seine Geißel zu schwingen!" — Die harmlose geographische Bemerkung ist dem Herrn Haug also der erste, ins Fleisch einschneidende Geißelhieb aus die israelitische Station! Man steht, Herrn Haug gehen alle Kenntnisse des AlterthmnS ab. Man vergleiche das 1. Buch Mosis, in welchem das Wort Gold nur noch an vier Stetten ganz ohne alle Bedeutung vorkommt, mit Homer, Hesiod und anderen griechischen Dichtern. Da spielt das Gold eine ganz andere Nolle. Ueber 2oo Eigenschaftswörter, epitheta oruantia, sind von den griechischen Dichtern zu dem Worte Gold hinzugefügt, um alles Schöne, Glänzende, Göttliche als „golden" zu bezeichnen, und die Götter selbst legen einen solchen Werth darauf, daß sie sich mit nichts Höherem schmücken können. Die Göttinnen erscheinen mit goldenem Kopfschmuck und goldenen Knöcheln oder Füßen, Apollo mit goldenem Schwerte und goldener Leier, goldene Sandalen unter den Füßen, Artemis mit goldenem Pfeile, Ares mit goldenen Zügeln, aus goldenen Thronen sitzen die Götter, Dionysos ist goldhaarig, Zeus selbst wird zum goldenen Vater, die Iris fliegt mit goldenen Schwingen, Hermes mit goldenem Stabe, Hebe setzt den goldenen Kranz allfs Haupt und Poseidon schwingt den goldenen Dreizack n. s. w. Erinnerte sich der Verfasser gar des deutschen Urepos, der Nibelungen. so wüßte er, daß sich hier Alles, 'Sehnsucht, Kamps, Tod mW Sieg um den in die Tiefen des Rheins versunkenen Goldschatz dreht. Hätteil die Juden das Unglück gehabt, daß sich ein solcher Gedanke in ihre alten Sagen gemischt, oder daß sie wie die Hellenen in ihren ältesten Dichtungen und in deren Sprache so vielen Gebrauch vom Golde gemacht hätten, welche Hülle von Spott würde daraus gezogen worden sein! so war aber schon Gescnins daraus beschränkt, aus dem Gebete Abrahams um die Erhaltung Sodonrs und Gomorra's ein Streiflicht auf das jüdische Handelsgenic zu ziehen, und Herr Haug. der freilich in solcher Gesellschaft gar nicht genannt werden sollte, aus jener einfachen Bemerkung des Textes eitle Geißel zurechtzuknoten.-Wir bemerken nochmals, daß wir dieses ganze Referat lmr gegeben, um zu zeiget!,

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