Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1871)
- Date
- 1871-10-31
- Page
- Seite 879 (sequence 5)
- Language
- German
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879 vier Städte derselben, mit Nebergehung von Gath. Allein Joschijah ist bei Megiddo gefallen 12, I I, die Klage um ihn ist noch neu. In diesem Augenblicke ist Aegypten vorherrschend, wie das Hervorheben vonAegypten allein 11, IS. 1!» erweist. Aegypten ist also von den, in unseren Capp. nicht erwähnten Chaldäern noch nicht bei Circesium geschlagen. Auf diese Weise haben wir für unfern Autor den bestiunnten Zeitraum zwischen den Schlachten bei Megiddo und Circesium, also die ersten drei Jahre des Königs Jojakim, abgegränzt. Wir wissen aus Chabakkuk 1, (> ff., wie sehr das Erscheinen der Chaldäer als Hauptmacht den Israeliten unerwartet war, wir wissen, aus 2 Kön. 2!i, 2t), daß die Israeliten Anfangs die chalväische Macht noch mit der assyrischen identisicirten. Und so ist in unseren Capp. Nichts, was dem angegebenen Zeitpuncte widerspräche. tLchluß folgt.» literarischer Wochenbericht. Bonn, 20. Cctofccr. In der Neuzeit haben sich alle möglichen Arten von Kritik an die heilige Schrift gcinacht, bis man zuletzt wieder bis zu der frivolsten, zu jener witzelnden Sorte von Durchschnüfselei der Schrift angelangt ist, welche die Encyclopädisten des vorigen Jahrhunderts augewendet hatten. Nachdem die sorgfältigste und tiefgehendste Kritik des Textes, des grammatikalischen und lexikalischen, des Zusammenhanges oder der trennenden Momente, der Ucbereinslimmung oder der Widersprüche doch nur einige immerhill wesentliche, aber nach dem Maße der aufgewandten Kräfte unbedeutende sichergestelltc Resultate, und zwar nur bei späteren Büchern der heil. Schrift erzielt hat, sonst aber nur ein Durcheinander von Ansichten hervorbrachte, von denen die eine die andere immer wieder aufhob, ist wieder eine Zeit eingetreten, in welcher jeder mehr oder weniger scharfsinnige Einfall, jeder mehr oder weniger barocke Gedanke das kritische Feld betritt und mit siegreicher Miene durchzieht. Jene ernste und mühsame Kritik wird hiermit dafür bestraft, daß sie mit Hohn nicht allein auf diejenigen herabsah, welche ans orthodoxem Gesichtspuncte der Kritik alles Recht des Daseins absprachen, sondern auch selbst auf diejenigen, welche von der Kritik vor Allem die Beachtung des totalen Mistes. des Zusammenhanges in Zweck und Verlauf, die Einheit des Charakters verlangten, um erst von diesem Standpuncte aus das Cl..^lne zu erwägen, zu würdigen und auszuscheidcn, da der späte Eintritt der Kritik und die langen Zeiten, welche diese Schriftiverke zu durchlaufen hatten, bevor ihr Text, wie er heute lautet, festgestellt wurde, widersprechende Einzelheiten nicht zu eigentlichen Kriterien über eine ganze Schrift, sondern nur über diese Einzelheiten zu machen vermochten. Für diese souveräne Verachtung dessen, was man nicht als „wissenschaftlich" gelten lassen wollte und was doch im Grunde ächt wissenschaftlich war, sowie für die siegesgewisse Zuversicht, mit welcher die Kritik in die Arena eiutrat, wird sic nun . von den frivolen Epigonen bestraft, ivelcbe ihrerseits die Ausübung der Kritik an der h. Schrift nicht mit wissenschaftlicher Forschung, nicht mit linguistischen Studien, nicht mit antiquarischen Untersuchungen, sondern mit witzigen Einfällen und frischweg ersonnenen Hypothesen abznmachen gedenken. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, diesen Producten, dieser oberflächlichen und von vornherein feindseligen Behandlung der Schrift ernstlich zu begegnen, ihrer ausführlich zu gedenken oder gar sie zu widerlegen. Wir wollen nur ihr Dasein signalisiren. Denn auch hier waltet eine geivisse Nemesis, und was der Eine noch mit einigem Ernst und Tiefsinn, mit Verwendung von Scharfsinn und sittlicher Würde vortrng, wandelt sieh alsbald bei einem Nachfolger zum Barocken, zum Lächerlicheu, ja zum Blödsinnigen. Herr A. Bernstein tRebenstein) in Berlin hat vor einiger Zeit eine kleine Schrift über das 1. Buch Mosis veröffentlicht. Herrn Bernsteins ausgezeichnete Verdienste als Redaetenr der Volkszeitung, als populär naturwissenschaftlicher Schriftsteller, endlich als Verfasser zweier trefflicher jüdischer Novellen wissen wir wohl zu schätzen und hoch anzuschlagen. Doch hatte Herr B. von Anfang seiner schriftstellerischen Laufbahn an gar zu sehr das Verlangen, neue Entdeckungen zu machen. So begann er mit einer kleinen Schrift, in welcher er ein neues Weltsystem erfunden zu haben und darzustellen vermeinte. Ein ander Mal tvar es eine neue Ausfassung des Hohen Liedes. Das naturwissenschaftliche Gebiet eröffnet für einen solchen Trieb viele Wege, entzieht sich aber unserer Bcnrtheilung. In seiner jüngsten Schrift hat er die Entdeckung gemacht, daß das 1. Buch Mosis größtcntheils