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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-10-31 · Heft 44 (31.10.1871) · p. Seite 878

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 44 (31.10.1871)
Date
1871-10-31
Page
Seite 878 (sequence 4)
Language
German
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878 Lieblingsausdrücke, gehäuftes 'ax 'r. dn: , hier nichts von jenen. So auch die Einkleidung: dort entweder plane Aussprache, oder in Vision gekleidet; hier von beiden keine Spur, sondern derselbe fortlaufende Strom drängender Worte und Bilder, Jdeensprünge, Durchkreuzung der Gedanken und Vorstellungen. Wir haben so in den beiden Büchern solche Extreme der Sprache einander gegenüber gestellt, daß sie Einem Autor nicht zugehören können. Man müßte sonst im zweiten Buche eine absichtliche Nachahmung der früher« Prophetensprache annehmen — denn im Bewußtsein des Secharjah stehen die früheren Proph. von seiner Gegenwart völlig getrennt da!, 4. 5. 7, 7. — wofür weder Zweck noch 3imnoralität der Täuschung bei dem trefflichen, reinen Secharjah gefunden werden könnte. 2) aus der Situation. Die drei nachexilischen Proph., Ehaggai, Secharjah und Maleachi haben einen sehr abgegränzten Kreis: den Aufbau des Tempels, die Reinheit des im Tempel statisindendcn Cultuö, bestimmte Verbrechen, wie Meineid, Diebstahl, Ehebruch. Hierin bewegte sich Secharjah ausS bestimmteste; auch er spricht wiederholt vom Tempelbau, auch er nimmt speciellen Bezug auf das Reinigkeilsgesetz, und will die Verbrechen aus Israel entfernt wissen. Wie ganz anders in diesen sechs Capiteln. Hier steht der Tempel mit seinem Schatze (11, 13) als etwas längst gewohntes; hier finden wir wieder den alten Kampfplatz, Israel im Zusammenstoß der großen Völkerkämpfe, Aegypten hüben, Assyrien drüben, die alten benachbarten Feinde, Syrien, Phönizien, Philister; große Kampfe stehen bevor, Israel gegen Juda, Juda selbst gegen Jerusalem und das davidische Geschlecht; aber Israel wird siegreich daraus hervorgehen. Hier ist kein Zug, der auf die kleine Colonie der zurückgekehrten Juden passe, und während wir von Secharjah die Besprechung der Verhältnisse seiner Zeit erwarten müssen, und diese gänzlich in den ersten 8 Capp. finden, werden wir hier in Zeiten zurückversetzt, zwischen denen schon Jahrhunderte lagen, innerhalb derer die politische Gestalt der Erde sich gänzlich verändert hatte. Ja, Secharjah sprach auch über die glänzende Zukunft Israels (C. 7. 8 ), aber wie so ganz seiner Zeit angemessen, wie ganz auf die Zustände der Colonie hinblickend, in moralischer und physischer Beziehung. 3) endlich aus den Einzelnheiten. Wir heben nur als das Bedeutsame Folgendes hervor: die Feinde der Colonie zu Secharjahs Zeit waren die im nächsten Norden wohnenden Samaritaner; diese, die Anfangs sich mit den Zurückgekehrten vereinigen wollten, aber auö religiösen Motiven zurückgewiesen wurden, suchten den Bau des Tempels und der Stadt, und jedes Aufblühen der Colonie zu verhindern. Außerdem war es Babel, welches den Juden feindlich im Hintergründe lag, und wo noch die Mehrzahl der Juden wohnte 2, 10. I I. 5, 1k Statt dieser aber werden die, zu SecharjahS Zeit den Persern unterworfenen Damascenischen Syrer, Phönizier und Philister genannt, die als Macht längst geschwundenen Assyrcr, das von den Persern unterjochte Aegypten. Alle diese hatten aber als selbstständige Feinde Israels zu Secharjahs Zeit keine Bedeutung mehr. Nicht minder spricht die Klage über Götzendienst, besonders die Theraphim, die falschen Propheten, wider die Zeit Secharjahs, in der dergleichen bei den Juden nicht mehr Vorkommen 10, 2. 13, 2. Die Erwähnung von Ereignissen aus der vorexilifchen Zeit, wie der Klage bei Megiddo 12, 11, des Erdbebens unter Ussijah 1-1, 5 zeugen ferner gegen eine nachexilische Abfassung. Im Gegensätze bringen uns die Capp. nicht wenige Andeutungen über die Zeit, auS welcher wirtlich diese Capp. herrühren müssen. Nicht allein, daß Juda, Jerusalem, das davidische Haus und der Tempel als bestehend vorausgesetzt sind und geschildert werden, so ist auch der bereits geschehene Untergang des Reiches Israel offenbar ausgesprochen. Wenn schon 9, 11. 12 von den, der Befreiung harrenden Gefesselten spricht, so sagt 10, 0 geradezu vom Reiche Israel aus, daß er es zurückführen wolle, daß sie sein werden, als hätte er sie nie verstoßen; 8., er wird sie sammeln (das bezeichnende fap!), denn er will sie befreien; 9., er hat sie unter die Völker zerstreut, in der Ferne gedachten sie seiner, so sollen ihre Kinder leben und zurückkehren (r^^i); 10., er will sie auS Aegypten und Assyrien sammeln, und in das Land des Libanon und nach Gilead (die also von ihnen jetzt unbewohnt sein müssen) zurückbringen. Man hat zwar aus 9, 10. 13 den Bestand des Reiches Israel ziehen wollen, allein diese Stelle spricht sich so bestimmt als Zukunft, als die Zeit dereinstiger Wieverherstcllung und israel. Größe aus, s. 0, v, daß sie gegen so bestimmte Darstellung wie C. 10 nicht haltbar ist. Ist aber das Reich Israel nicht mehr vorhanden, so ist weiter das Hervorheben der assyrischen und ägyptischen Macht, und das Stillschweigen über die Chaldäer und Babel sehr bezeichnend. Dasselbe findet ber Zephanjah statt, welcher sicher unter Jvschijah lebte; wie bei diesem (2, 4 —10) werden auch hier die Philister als Feinde hervorgehoben (9, 5—8), und zwar die

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