Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1871)
- Date
- 1871-10-31
- Page
- Seite 877 (sequence 3)
- Language
- German
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877 positivster Weise und im conservativsten Geiste einzurichten und zu halten, ihr Nein entgegenstellen und bei den Behörden alle Anstrengungen machen, den Versuch zum Scheitern zu bringen. Daß die beständigen Hetzereien und Verketzerungen, Zänkereien und Schmähungen seitens der orthodoxen Wortführer in den Gemeinden jeden Sinn für gemeinnützige Anstalten untergraben und die Beiträge für dieselben immer mehr verkleinern, ist offenbar und die Gemeinden werden es dereinst schwer büßen müssen, daß sie jenen allzu leicht und allzugern das Ohr geliehen. Auch empsinden bereits diese Herren selbst die Folgen ihrer Jahrzehnde lang fortgesetzten Lästerungen. Selbst wenn sie etwas zu unternehmen versuchen, bleiben die Zuschüsse aus. Wir aber müssen lediglich daö allgemeine Interesse im Auge haben und bei diesen Zuständen nur um so mehr darauf dringen, daß der Staat seine Pflicht gegen unS thue. Das Luch Zecharjah. Ein alter Freund dieses Blattes schreibt unS: „Sie haben in dem Leitartikel „Zum Sulkolhfeste"*, in Nr. 30 in einer Notiz über Secharjah diesen Namen mit einer I versehen, und den S. als Vers, von Capp. 5)—11 nnd als in een drei ersten Jahren des Königs Jojakim lebend bezeichnet. Diese Ansicht ist für mich und gewiß fßrt Viele neu, wenn sie auch vielleicht Gelehrte nicht überrascht; sie ist aber auch zugleich anregend, und bitte ich deshalb, in Ihrem Blatte das Nöthige zu deren Begründung zu sagen." Wir wollen diesem Wunsche genügen, wenn wir auch aus den zweiten Theil unseres Bibelwerkes S. 1513 sf. und 1557 f. verweisen könnten, da dieses Werk gar Manchem nicht zur Hand sein möchte. Wir sagen also: Das uns überlieferte Buch Secharjah besteht aus zwei ganz verschiedenen Theilen: Capp. 1—8 und Capp. 0—l-l, welche zwei verschiedenen Verfassern angehören, und von denen der zweite der ältere, der erste der jüngere war. Secharjah I nämlich, der Vers, von C. 0—14, lebte in den drei ersten Jahren des Königs Jojakim, also vor dem Exil, während *) Wir bitten in demselben S. 774 Sp. 1 Z. 23 v. o. statt „Kreuze" zu lesen „Kruge." Redact. Secharjah II, Verfasser von C. 1—8, mit seiner ersten Rede im 8. Monat deS 2. Negierungsjahres des Darius begann und sein Buch etwas über zwei Jahre umfaßt. Um diese Erscheinung, zwei verschiedene Bücher mit einander verbunden zu seh?n/^begreiflicher zu finden, müssen wir uns vergegenwärtigen, daß dies bei anderen Büchern der heil. Schrift ebenfalls stattgefunden. Die Anordner des Kanons haben eine solche Operation öfter vollzogen und gewiß ihre Gründe dazu gehabt. Heißt es doch auch schon im Talmud (Baba bathra 15, 1), daß die zwölf kleinen Propheten ebenso wie JecheSkel, Daniel und Esther von den „Männern der großen Versammlung" niedergeschrieben wurden, so wie Chiskijah und seine Akademie Jeschajah und die drei Schriften Salomons niedergeschrieben hätten. Wir wollen nun nicht daraus Hinweisen, daß die Psalmen durch ihre'Aufschriften selbst sich als eine Sammlung von Gesängen verschiedener Abfasser bekunden, daß die Sprüche sich selbst als aus verschiedenen Theilen, die von mehreren Autoren herrühren, zusammengestellt bezeichnen. Dahingegen ist es jetzt keinem Denkenden mehr zweifelhaft, daß die Capp. 40—GO des Jeschajah das Buch eines späteren, am Ende des Exils lebenden großen Propheten waren; auch haben die Anordner des Kanons dies selbst zu erkennen gegeben, da sie die geschichtlichen Capitel 30—31) dem ersten Th eile hinzufügten und sie also trennend zwischen die beiden Theile schoben.*) Nicht minder kann es keinem Zweifel unterliegen, daß das Buch Daniel aus zwei Büchern zusammengesetzt ist, und zwar Capp. 1—0 und Capp. 7—12,**) welche verschiedenen Abfassern und Zeiten angehören. Dasselbe nun ist mit dem Buche Secharjah der Fall, nur daß in den Büchern Jeschajah und Daniel die älteren Schriften vorangestellt, die jüngeren angeschlossen wurden, während dieö im Buche Secharjah in umgekehrter Weise ftattfand. Die Gründe erscheinen unS nun unabweiSlich- Wir entnehmen sie: 1) aus der Sprache. Während in den ersten 8 Capp. eine ganz plane und klare Sprache vorhanden, die selbst, wo sie die Visionen beschreibt, einfach, verständlich, ohne Schwung ist, sind die letzten <; in einer bilderreichen, schwunghaften, oft sogar schwülstigen, dunkeln und rauhen Sprache abgefaßt: dort leicht und faßlich, hier voll Schwierigkeiten: dorr wiederholte *j Vgl. unser Bibelwerk Bd. Il S. 840 und S. 828. **) Vgl. das. Bd. Ul S. 878 ff. . 44*