Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1871)
- Date
- 1871-10-24
- Page
- Seite 865 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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865 selbst nicht Hilst, ja sich selbst schadet. dem Himmel keine Gelegenheit giebt, ihm zu helfen. Es genügt nicht, von den Gemeinden die Besserstellung zu verlangen und vom Gesetze den Schutz zu fordern, so lange der Lehrerstand selbst jeder Energie und jedes Gemeinsinns ermangelt, um unter sich selbst die Regeln des Anstandes, der Billigkeit und der Standesehre zu verbreiten und aufrecht zu erhalten. Breslau, 9. October. Am gestrigen Tage wurde der 7 0. Geburtstag des Seminardirectors Herrn vr. Z. Frankel festlich begangen. Dem Gefeierten überreichte zunächst das Curatorium der Fränkel'schen Stiftung eine Adresse mit der Mittheilung, daß es eine „Vr. Z. Franlel'sche Stiftung" mit 2000 Thalern gegründet, deren Zinsen zum Besten noch nicht amtirender Rabbiner verwendet werden sollen. Hierauf übergab das Lehrercollegium eine Iubelschrift nebst Adresse. >Dann kam eine Deputation der Hörer des Seminars, und bot mit beredten Worten ein Prachtalbum zunt Andenken des Tages dar, in welchem die Photographien aller Schüler der Anstalt vereinigt sind. Zu der Feierlichkeit war auch vr. Ludwig Aug. Frankel aus Wien, ein Verwandter des Jubilars, erschienen, und sprach als Deputirter der wiener Gemeinde herzliche und erhebende Worte, Auch die prager Repräsentanz ehrte ihren Landsmann durch eine Adresse. Auch Herr Rabbiner vr. Joel überbrachte seine persönliche Gratulation, sowie die der breslauer Gemeinde. Endlich erschien Herr vr. metf. Heinemann als Deputirter eines Comitss, das seit einem halben Jahre eine „Frankel-Stiftung" im Betrage von 4000 Thlrn. gesammelt hatte und deren Zinsen nun dem Jubilar zur Verfügung überließ. Glückwünsche und Telegramme kamen von vielen Traten an. Aus dem Elsaß, 26. September. (Privatmitth.) In den öffentlichen Blättern ist wiederholt auf die großen Sympathien hingewiesen worden, welche die Juden in Elsaß und Lothringen für das französische Regiment hegten und als die besondere Quelle derselben die sie beherrschende Befürchtung betont, daß sie unter dem deutschen Regiment die volle Gleichberechtigung nicht behalten würden, welche sie unter der französischen Herrschaft besaßen. Die Hinweisung auf das deutsche Bundesgesetz, welches dieselbe Gleichberechtigung ausspricht, konnte sie hierüber nicht beruhigen, da cs dabei mindestens ebenso sehr auf die gute Gesinnung der Verwaltung als auf den Buchstaben des Gesetzes ankommt. Sie wußten zu viel von den deutschen Dingen; sie wußten, welche Kämpfe eS kostete, um nur die geringste Richterstelle von einem jüdischen Assessor, dem sein Haar über sein unbesoldetes Assessorat ergraut war, besetzen, oder einen, sämmtliche Qualificationen besitzenden Lehrer in einem, der Religion fern liegenden Fache provisorisch oder gar definitiv anstellen, oder einen jüdischen Unterofficier zum Landwehrofficier avanciren zu sehen; sie kannten die vielen einzelnen Beschränkungen, denen die jüdischen Gemeinden den Kirchengenosscnschaften gegenüber unterworfen sind, und eS war ihnen nicht unbekannt, daß der Staat für die jüdischen religiösen und Unterrichtsanstalten nichts aus seinen Mitteln that: während der französische Staat nicht blos die ganzen Cultuskosten bestritt, sondern in allen möglichen Branchen des Staatslebens die Juden in völlig gleichem und gerechtem Maße beförderte. Sie beanspruchten ja keine Vorrechte, aber es lag zu Tage, daß in Frankreich dies Alles nur dem besten Willen geschah, daß es daselbst gleichsam zum Justinct geworden, während in Deutschland jeder kleinste Schritt als ein Zugeständniß abgerungen werden mußte. War doch noch in den letzten Tagen des Krieges ein Mann aus ihren Reihen, Herr See, zum General avancirt, und zwar durch die regelmäßige Negierung, während das geringste Avancement eines Juden in den deutschen Heeren von vielen Eouuuaudeureu zurückgewiesen wurde und in einer gewissen Classe deutscher Blätter erfundene Anekdoten über die Tapferkeit der Juden ausgestreut wurden, welche der Lügenhaftigkeit der franz. Journale Ehre gemacht hätten. Wer das menschliche Gemüth kennt, weiß, daß was anfänglich auf Interesse beruht, sich bald zu einer rein geistigen Sympathie entfaltet, weil eben in der Befriedigung des Interesses eine allgemeine sympathische Richtung sich kundthut und das Motiv eine Uebereinstimmung bekundet, welche das Herz einnimmt und den Gefühlen eine bestimmte Tendenz einflößt. Jene Befürchtung der elsassischen Juden ist jetzt abgeschwächt; die Cultuskosten werden nach wie vor vom Staate getragen, die höheren Lehranstalten sind wieder confessionslos geworden, zwei Richter und ein Lehrer jüdischer Confession haben ehrenvolle Staatsanstellungen erhalten. Andrerseits sind die Zustände in Frankreich so abschreckend verworren, und Gegenwart und Zukunft bereiten dort so große Lasten für den Staatsbürger, daß man sich unter dem deutschen Regiment 43*