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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-10-24 · Heft 43 (24.10.1871) · p. Seite 863

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 43 (24.10.1871)
Date
1871-10-24
Page
Seite 863 (sequence 9)
Language
German
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863 dies bereits von einer großen Anzahl von Gemeinden in der Vereinigung zu der von Ihnen, Herr Redakteur, an das k. Staatsministerimn gerichteten Vorstellung geschehen ist. Berlin, 12. Oktober. Der jüdische praktische Arzt l)r. Litthauer ans Grätz ist zum Kreisphysikus des Kreises Schrimm ernannt worden. —. Der „P. Z." wird aus Berlin geschrieben : Der Stabsarzt Asche vom 3. Feldart.-Regiment (General-Feldzeugnteister) ist zum Oberstabsarzt befördert worden, und ist derselbe der erste Israelit, der diesen Grad erreicht hat. Eisenach, 1. October. (Privatmitth.) Am 21. September verstarb der seit vielen Jahren hier wohnhafte großherzoglich weimarische Landrabbiner, Herr ,vr. M. Heß, der sein Amt über 43 Jahre bekleidet hat. Er war 1807 geboren, erreichte also ein Alter von 64 Jahren. Bekanntlich gehörte er der äußersten Reformpartei an, in welchem Sinne er auch eine Zeit lang eine Zeitschrift hcrausgab. Außerdem sind von ihm Predigten veröffentlicht worden. Längere Zeit hindurch war er die Zuflucht für Brautpaare gemischter Eonsession. Biele Jahre leidend, hielt er sich während des letzten Stadiums seines Lebens von der Oeffentlichkeit zurückgezogen. Paderborn, 9. October. (Privatmitth.) Am 17. d. Vormittags 10 Uhr wird im hiesigen israelitischen Waisenhause eine Todtenfeicr abgehalten tverden, bei welcher eine eiserne Gedenktafel für unsere im beendeten Kriege gefallenen Glaubenöbrüder in der im Waisenhause befindlichen Synagoge zum bleibenden Gedächtnisse ausgestellt werden wird. Die Feier au sich soll jährlich wiederholt werden. Civil- und Militärbehörden, sowie viele angesehene Glaubensbrüder aus der Umgegend haben bereits ihre Assistenz zugesagt. — Vor Kurzem hat der neue Oberpräsident von 26estphalen, Herr von Kühlwetter, in Begleitung des Herrn Landraths und des Herrn Oberbürgermeisters unsere Waiscnanstalt besucht, und während zweier Stunden sie in allen ihren Räumlichkeiten in Augenschein genommen. Derselbe äußerte seine Zufriedenheit mit der Anstalt in lebhafter Weise und daß er sie zu den besten ihrer Art zähle, ihr auch sein Interesse dauernd zuzuwendcn versprach. Camen (Westphalen), 9. October. (Privatmitth.) Arn zweiten Tage des LaubhüttenfesteS faiib in Dortmund die Beerdigung des HerrnB. Alsbach, ersten Lehrers ait der israelitischen Schule, statt. Eine große Anzahl Mitbürger, besonders der Lehrer am Gymnasium und an den Elementarschulen nahmen daran Theil und bezeugten die hohe Achtung, in welcher dieser im kräftigsten Lebensalter heimgernfene Mann gestanden. Gewiß würden viele jüdische Lehrer herbeigeeilt sein, um dem ihnen als Vorbild dienenden Eollegen und Freunde die letzte Ehre zu erweisen, wenn nicht eben das Fest sie davon zurückgehalten. Der Verstorbene war einer der tüchtigsten und strebsamsten Lehrer der Provinz, eifriger Förderer aller gemeinnützigen Zwecke, Mitglied des Curatoriums des Waisenhauses zu Paderborn, und verdient ein dauerndes. Gedächtniß bei Allen, die ihn kannten. Ans dem Großherzogthum Posen, tm Septbr. (Privatmitth.) Die Verhältnisse der jüdischen Lehrer und der jüdischen Cultusbeamten überhaupt sind in diesem Blatte, und mit vollem Rechte, schon oft zur Sprache gekommen, und wenden Sie dauernd die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Lage dieses achtbaren Standes. Es handelt sich ja dabei nicht allein um die Personen der Lehrer, sondern mit diesen zugleich nm die Blüthe der Schule, und diese bildet wiederum den Grundstein zu dem Wohle der Jugend, also unserer ganzen Zukunft. Wenn die Unzulänglichkeit der Gehälter, die Unsicherheit der Anstellung, die trüben Aussichten irr das Alter und für die Hinterlassenen bedauert wurden: so klagte man zunächst die Gemeinden an, daß diese in der Regel die schwankenden und ungenügenden Verhältnisse ihrer Beamten nicht verbessern wollten. Man rief sie an, sich größeren Gemciusinns zu befleißigen, und sowohl ihr eigenes wie der Gcsammthcit Wohl ins Auge zu fassen. Von diesent Aufrufen schritt man leicht und schnell zum Anklagen. Ich bin nun weit davon entfernt, dieses Vorgehen gegen die Gemeinden für ungerechtfertigt auözugeben und es irgendwie entkräften zu wollen. Aber es scheint mir die Sache doch noch eine andere Seite zu haben, die auch nicht übersehen werden darf. Jede Einseitigkeit bringt den Nachtheil mit sich, daß im günstigsten Falle die Verbesierung nur am einen Ende und von einer Hand angegriffen wird und hiermit die Abhülfe nur zu einem Theil getroffen werden kann. Lassen Sie mich daher auch einmal die 43

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